Der Löwenbrunnen sprudelt wieder

Aufwendige Sanierung am Marktplatz ist jetzt abgeschlossen

Der sanierte und technisch erneuerte Löwenbrunnen auf dem Marktplatz ist nach mehr als einem Jahr Pause wieder in Betrieb. Am 11. Mai gab Bürgermeister Patrick Anders offiziell das Signal, um das Wasser in Gang zu setzen. „Rechtzeitig zum Beginn der Freiluftsaison im Stadtjubiläumsjahr erstrahlt dieses Ratinger Wahrzeichen in neuem Glanz, ebenso wie demnächst die gesamte Fußgängerzone“, sagte Bürgermeister Anders. Der Brunnen selbst hat übrigens auch ein Jubiläum. Er wurde vor 50 Jahren fertiggestellt.

Seit knapp einem Jahr wurde auf dem Marktplatz gearbeitet. Zunächst wurde die Strominfrastruktur für die Marktbeschicker und andere Nutzer des Marktplatzes erneuert. Alte Strombänke wurden abgebaut und durch moderne, leistungsstärkere Unterflurverteiler ersetzt. Auch das Bürgerhaus erhielt einen zusätzlichen Verteiler, und die Bühnentechnik wurde ebenfalls erneuert. Im Herbst, in einem schmalen Zeitfenster zwischen dem Ratingen-Festival und dem Weihnachtsmarkt, fanden dann die Hauptarbeiten zur Installation der neuen Brunnenkammer statt.

Diese hat ungefähr die Ausmaße einer Fertiggarage, entsprechend groß und tief musste die Baugrube werden. Das Ausheben lief dann deutlich langsamer als geplant. Der Fels unter dem Markt erwies sich als massiver als erwartet, entsprechend länger brauchten die schweren Baumaschinen, um die Löcher für die Stahlträger der Brunnenkammer zu bohren. Erst Ende Oktober konnte der Betonkubus mit den zwei Kammern – eine für das Wasserreservoir, die zweite für die Pumpe und das Reinigungssystem – eingehoben werden. Dann mussten die Arbeiten bald wieder pausieren, damit der Weihnachtsmarkt ungestört stattfinden konnte.

Parallel zur neuen Technik erhielt der Brunnen aber auch eine Verschönerungskur. Schon im Herbst war der Bergische Löwe auf der Säule des Brunnens fein herausgeputzt: Die Bronzeskulptur wurde gründlich gereinigt, und die goldfarbenen Teile (Krone, Rad und die beiden Schwanzspitzen) erhielten einen frischen Anstrich. Als Clou erhielt der Löwe sogar wieder seine Zunge zurück. Natürlich nicht die Original-Zunge von 1976, die irgendwann im Laufe der Jahre verschollen ist, sondern eine originalgetreu gestaltete neue Zunge.

Doch auch am Brunnen-Corpus wurde aufwendig gearbeitet. Erosionsschäden wurden beseitigt, das Gehäuse wurde gründlich gereinigt, und das Gefäßinnere mit einer schützenden Beschichtung versehen. Um den letzten Schliff kümmerte sich schließlich ein Betonkosmetiker. Er unterzog den Corpus einer Behandlung, die ihn mitsamt seiner identitätsstiftenden 50-jährigen Patina positiv zur Geltung bringt. Die einrahmenden Betonsteine um das Wasserbecken mussten aufgrund ihrer starken Schäden in Originalform neu erstellt werden. Die Technische Beigeordnete Petra Cremer sagte: „Ich bin davon überzeugt, dass der Löwenbrunnen durch diese Schönheitskur wieder an seine Strahlkraft im Entstehungsjahr 1976 anknüpfen kann.“

Der inzwischen stadtbildprägende Brunnen ist in gewisser Weise ein Ergebnis der kommunalen Neugliederung vor 50 Jahren und war seinerzeit durchaus umstritten. Beschlossen wurde das Projekt Anfang 1975, als der alte Rat der Stadt Ratingen schon aufgelöst, der neue aber noch nicht gewählt war, durch den Ratskommissar Horst Becker auf energische Initiative des Verwaltungskommissars Dr. Alfred Dahlmann hin. 

Der langjährige Stadtdirektor Dahlmann hatte eine ausgeprägte Vorliebe für Stadtbrunnen und wollte gleichzeitig ein Zeichen für das zusammenwachsende Ratingen setzen. Deshalb stellen die Medaillons auf der Brunnenumrandung die Wappen der ehemals selbständigen Gemeinden Breitscheid, Eggerscheidt, Homberg, Hösel und Lintorf dar. Ratingen selbst, die ehemalige Bergische Hauptstadt, wird durch den Bergischen Löwen repräsentiert. Insgesamt lehnt sich die figürliche Darstellung auf dem Sockel stark an das Ratinger Wappen an. Der zweischwänzige Löwe stützt sich auf das sechsspeichige Rad. Entworfen wurde er vom Düsseldorfer Künstler Hans Breker, aber nach inhaltlicher Vorgabe durch die Stadt.

Stadt Ratingen, 11.05.2026