Das Lesecafé war bis auf den letzten Platz besetzt. Gianni Jovanovic las aus seinem Buch „Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit“ und ging dabei weit über das reine Vorlesen hinaus.
Das autobiografische Werk gibt einen persönlichen Einblick in sein Leben und greift Themen wie Rassismus und Diskriminierung auf. Jovanovic zeigte sich offen und verletzlich. Genau das machte die Lesung und die anschließende Diskussion so eindrucksvoll.
Eingeladen hatte die Integrationsbeauftragte der Stadt Ratingen, Zeliha Yetik, im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus, die jährlich zwei Wochen lang im März stattfinden. Es war die dritte Veranstaltung dieser Reihe. Während zuvor Diskriminierung allgemein und die Ausgrenzung schwarzer Menschen im Fokus standen, ging es diesmal besonders um Rassismus gegenüber Sintizze und Romnja, fragile Männlichkeitsbilder und Queerfeindlichkeit.
Auch die Beratungsstelle gegen Alltagsrassismus des Kreises Mettmann war mit einem Stand im Lesecafé vertreten und bot Informationen sowie Austauschmöglichkeiten für Betroffene und Interessierte an.
„Ich freue mich, dass Sie der Einladung so zahlreich gefolgt sind“, sagte Bürgermeister Patrick Anders in seinem Grußwort an die Gäste. „Es ist wichtig, dass wir uns mit diesen Themen beschäftigen. Es muss klarwerden, dass Ratingen eine weltoffene und diverse Stadt ist und dass wir dafür einstehen.“ Mit Blick auf das Jubiläumsjahr der Stadt ergänzte er: „Und dies soll auch weitere 750 Jahre der Fall sein. Wenn wir auf die Geschichte unserer Stadt schauen, dann gehören dazu nicht nur Gebäude, Daten oder historische Ereignisse – sondern vor allem die Menschen, die hier gelebt haben und heute leben. Wir Ratinger setzen wir uns klar für ein respektvolles Miteinander und gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung ein.“
Umrahmt wurde die Lesung von einem künstlerischen Rahmenprogramm aus Musik und Kunst. Polina Yevdokymova stimmte am Klavier die Zuhörenden auf den Abend ein. Großformatige Bilder mit Szenen aus der Flüchtlingsunterkunft Am Sondert des Künstlers Yildirim Denizli zierten den Bühnenhintergrund und sind noch zwei weitere Wochen anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus im Medienzentrum zu sehen. Er war einer der ersten Künstler, der bereits 1994 das Schicksal von Sintizze und Romnja, in Ratingen mit seinen Bildern sichtbar gemacht hatte.
Das Buch von Gianni Jovanovic erzählt von einem außergewöhnlichen Lebensweg. Es geht um Ausgrenzung und Diskriminierung, aber auch um Selbstermächtigung, Befreiung und gesellschaftliches Engagement. Jovanovic richtete einen klaren Appell an das Publikum: „Wir müssen uns klarmachen, dass wir alle Traumata in uns tragen. Wir alle haben Diskriminierung erlebt oder sind mit Rassismus und Sexismus konfrontiert worden. Gehen Sie achtsam miteinander um und seien Sie fürsorglich zueinander.“
Im Anschluss entstand ein offener Austausch. Teilnehmende schilderten persönliche Erfahrungen und betonten, wie wichtig einzelne Menschen im Leben sein können. Einige Zuhörende waren sichtlich bewegt. Mit Charme, Humor und Offenheit regte Jovanovic zum Nachdenken an. Er sprach schwierige Themen klar an und entwarf das Bild einer solidarischen, diversen und antirassistischen Gesellschaft.