Station 12 - Cromford (Baumwollspinnerei und Herrenhaus)

Das Herrenhaus
Das Herrenhaus
Das Jahr 1783 brachte für die Stadt eine entscheidende Wende: In diesem Jahr gründete der Elberfelder Kaufmann Johann Gotffried Brügelmann nach englischem Vorbild die Baumwollspinnerei Cromford. Damit entstand in Ratingen die erste mechanische Spinnerei auf dem Kontinent, und das erste Gebäude überhaupt in Deutschland, das von vornherein als Fabrikgebäude konzipiert worden war.
Zwölf Jahre zuvor, 1771, hatte im mittelenglischen Cromford Richard Arkwright eine vollmechanische Baumwollspinnerei errichtet und damit den Schritt ins Industriezeitalter getan. Die von Arkwright entwickelte "water frame", ein mit Wasserkraft betriebener Spinnrahmen, war die erste Maschine, die sich zur Massenproduktion von Garn eignete.

Johann Gottlieb Brügelmann gelang es durch einen sich in England aufhaltenden Freund, von dort das Modell der "water frame" zu erhalten, dazu aus England auch Fachpersonal zu ihrer Bedienung. Die Maschinen wurden nachgebaut und in Cromford aufgestellt, die Anger lieferte die Wasserkraft.

Das Wasserrad lag ursprünglich im Inneren des Fabrikgebäudes, im Erdgeschoß. Über Transmission trieb es die einzelnen Spinnmaschinen in der ersten und zweiten Etage des Fabrikgebäudes an.

In den Jahren 1787 bis 1790 ließ Johann Gotffried Brügelmann das Herrenhaus errichten. Es ist im Stil des Architekten Nicolas de Pigage gebaut, von dem Schloß Benrath entworfen wurde, und gleicht eigentlich eher einem fürstlichen Palast als einem bürgerlichen Patrizierhaus. Für einen Kaufmann der damaligen Zeit war es ein ungewöhnlich prunkvoller Repräsentationsbau.

Ab den 1790er Jahren entstanden die auch heute noch erhaltenen Arbeiterwohnungen, mit deren Hilfe eine enge Bindung der Arbeiter an die Fabrik erreicht wurde.

Von den mehreren hundert Arbeitern waren, wie damals üblich, viele Kinder. 1824 arbeiteten 150 Kinder im Alter von sechs bis sechzehn Jahren zwölf Stunden lang an den Maschinen. Als 1835 die allgemeine Unterrichtspflicht Gesetz wurde, gründete Moritz Brügelmann eine Fabrikschule. Der Unterricht war nicht kostenlos: Die Kinder mußten dafür drei bis vier Silbergroschen von ihrem Lohn bezahlen und außerdem an vier Abenden in der Woche eine halbe Stunde länger arbeiten. Auf einen Lehrer kamen meist an die 100 Schüler.

Mit seinem Ensemble von Herrenhaus, Fabrikgebäuden und Arbeiterwohnungen wurde Cromford zum wegweisenden Muster der für das Rheinland eminent wichtigen Textilindustrie. Die Gebäude sind daher ein geeigneter Standort für das Rheinische Industriemuseum, das der Landschaftsverband Rheinland, außer in Ratingen, noch in alten Industrieanlagen in Solingen, Engelskirchen, Euskirchen, Oberhausen und Bergisch-Gladbach einrichtet.

Herrenhaus Cromford

Am Ende der Brügelmannallee steht das repräsentative Herrenhaus, das Johann Gottfried Brügelmann 1787 bis 1790 vermutlich unter Einbeziehung eines Altbaus errichten ließ. Der Außenbau im Stil des Spätbarock ist beeinflusst von der Architektur der »maison de plaisance«, des kleinen adeligen Landschlosses.

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Baumwollspinnerei Cromford (Industriemuseum)

Das kultur- und wirtschaftsgeschichtlich bedeutendste Gebäude im Ensemble Cromford ist die so genannte »Hohe Fabrik« hinter dem Herrenhaus. Die »Hohe Fabrik« ist eine der wenigen bis heute erhaltenen Technikbauten aus der Zeit der Frühindustrialisierung.

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