Historischer Überblick

Bevor wir den Rundgang am Marktplatz beginnen, soll zunächst ein kurzer Überblick über die Stadtgeschichte gegeben werden. Schon vor dem Jahre 849 wird die Siedlung ,,Hretinga"oder ,,Hratuga"erwähnt. Sie lag in der Nähe zweier großer Fernstraßen: dem ,,Hellweg", als bedeutender West-Ost-Verbindung sowie einer wichtigen Nord-Südverbindung zwischen dem Niederrhein und Köln. Eine Hauptverkehrsader war zudem der nahe Rhein mit dem Hafen Kaiserswerth. Aufgrund dieser günstigen Lage entwickelte sich Ratingen im Laufe der Jahre zu einem Pfarr- und Marktdorf mit regem gewerblichen Leben.
Die Stadterhebungsurkunde der Stadt Ratingen vom 11.Dezember 1276
Die Stadterhebungsurkunde der Stadt Ratingen vom 11.Dezember 1276
Die Stadterhebungsurkunde der Stadt Ratingen vom 11.Dezember 1276 ist die wertvollste Archivalie des Ratinger Stadtarchivs. Graf Adolf von Berg und seine Gemahlin Elisabeth gewähren den Einwohnern von Ratingen mit dieser Urkunde einige Privilegien (Steuerfreiheiten, Zollfreiheit im bergischen Herrschaftsgebiet). Ferner dürfen die Bürger acht Schöffen wählen, die Recht sprechen. Damit erhält Ratingen ein eigenes Stadtgericht und wird aus dem Bezirk des Landgerichts "In der Brück" herausgelöst. Ratingen wurde 12 Jahre eher zur Stadt erhoben als Düsseldorf. Düsseldorfs Stadterhebungsurkunde aus dem Jahr 1288 ist nicht mehr erhalten. Sie muß ähnlich ausgesehen haben wie die Ratinger.

Ratingen zählt damit zu den ältesten Städten des Landes, mit Sitz und Stimme im Landtag, und es gehört außerdem zu den wenigen, die noch ihre Stadterhebungsurkunde besitzen. Sie hat sich über 700 Jahre lang gut erhalten.

Das Jahr 1276 brachte für Ratingen einen bedeutenden Einschnitt: Es war das Jahr der Stadterhebung. Wirtschaftliche und vor allem strategische Überlegungen hatten den damaligen Grafen Adolf von Berg zu diesem Schritt bewogen. Ratingen, an der Nordflanke des Herzogtums Berg gelegen, sollte zur befestigten Stadt ausgebaut werden und so den ewigen Rivalen, den Kurfürsten und Erzbischof von Köln, abschrecken. Der hatte erst drei Jahre zuvor das naheliegende Kaiserswerth in seinen Besitz gebracht.

Der Rang einer Stadt brachte nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten mit sich, von denen die wichtigste die Befestigung des Ortes war. Bis etwa 1400 war ein Palisadensystem üblich, das aus Holz angefertigt wurde. Doch mit der Weiterentwicklung der Waffen ging man dazu über, steinerne Stadtmauern zu errichten. Zur Finanzierung der Anlagen erhielt die Stadt verschiedene Privilegien, vor allem die Zoll- und Steuerfreiheit. Ein besonderes Privileg war das Grütrecht, das 1341 verliehen wurde. Danach hatten die Bewohner des Amtes Angerland die Pflicht, die Grüt, eine Mischung von von Kräutern, Getreidehülsen und Harz, die zur Bierbereitung gebraucht wurde, nur in Ratingen einzukaufen.

Mit der Stadterhebung wurde Ratingen auch mit einer eigenen Gerichtsbarkeit ausgestattet. Der Sitz des Scharfrichters für das ganze Herzogtum Berg befand sich in Ratingen. Nicht nur Hinrichtungen, sondern auch Folterungen mußte er durchführen, wenn das Gericht ihn damit beauftragte. Um 1500 gab es mehrere Prozesse wegen der Anklage des Schadenszaubers in Ratingen. Sieben Frauen wurden verdächtigt, zwei von ihnen wurden im März 1500 verbrannt.

Darstellung
Darstellung
Die Folterungen um 1500 haben wohl zum Entstehen der ,,Dumeklemmersage" geführt, auch wenn sich diese Legende vom Heiligen Suitbertus nicht direkt auf die mittelalterlichen Gerichtspraktiken bezieht. Der Sage nach haben die Ratinger dem Heiligen Suitbertus ein Tor vor der Nase zugeschlagen, als er sie zum Christentum bekehren wollte, und ihm dabei den Daumen eingequetscht. Ihm verdanken die Ratinger den bösen Fluch, dass alle Kinder mit einem platten Daumen geboren werden. Heute erinnert der an der Oberstraße stehende ,,Dumeklemmerbrunnen" an die Geschichte.
Der Dumeklemmerbrunnen
Der Dumeklemmerbrunnen
Im Schutze seiner Mauern und Türme entwickelte sich Ratingen im Mittelalter zu einem blühenden Handwerkerstädtchen. Vor allem Schmiede und Scherenschleifer hatten sich hier niedergelassen und stellten Scheren, Pfeile, Messer, Zirkel, Hämmer, Feuerbüchsen und Schwerter her. Wirtschaftlich wohlhabend konnte sich Ratingen bis zum Ende des 15. Jahrhunderts gegen das nahe Düsseldorf behaupten. Die Zahl der Häuser und Hofstätten stieg (1472) auf 278, die Einwohnerzahl lag bei 1100. In dieser Zeit besaß Ratingen sogar ein eigene Münze. Doch als Düsseldorf im Jahre 1511 zur Residenz und 1552 Landesfestung wurde, schwand die Bedeutung der Dumeklemmerstadt. Handel und Handwerk gingen im 16. und 17. Jahrhundert immer weiter zurück. Insbesondere der Dreißigjährige Krieg richtete große Schäden an. 1641 wurde die Stadt vollständig zerstört , die Einwohnerzahl betrug nur noch etwa 140. Hineingezogen in die Wirren desSpanischen Erbfolgekrieges (1701 - 1714) und des Siebenjährigen Krieges (1756 - 1763) blieb Ratingen ein armer und bedeutungsloser Flecken.

Dieser Zustand änderte sich erst, als mit der Baumwollspinnerei Cromford die erste Industrieansiedlung nach Ratingen kam. 1783 errichtete Johann Gottfried Brügelmann nach englischem Vorbild vor den Toren der Stadt die erste mechanische Spinnerei auf dem Kontinent. Aber erst im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts entstanden durch die verstärkte Industrialisierung zahlreiche neue Arbeitsplätze, vor allem in der metallverarbeitenden Industrie, und zogen immer mehr Menschen an. Ende des 18. Jahrhunderts hatte Ratingen bereits 3000 Einwohner, 100 Jahre später waren es 10000.

Der Zweite Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg wurde Ratingen zu einem Drittel zerstört. Am 22. März 1945 erfolgte ein Fliegergroßangriff auf Ratingen, der vorwiegend den Westteil der Stadt traf und 97 Tote forderte; 36 Männer, 47 Frauen und 14 Kinder, dazu mehrere hundert Verletzte. Der Angriff dauerte von 12.10 Uhr bis 12.28 Uhr. In dieser Zeit fielen nach amtlichen Angaben etwa 650 Spreng- und ca.14000 Brandbomben. Rund 3000 Menschen waren obdachlos geworden. Getroffen wurden u.a. auch das Rathaus, die Pfarrkirche St. Peter und Paul, die Burg Zum Haus, mehrere Fabriken und acht Schulen. 228 Großbrände zählte man. Die Freiwillige Feuerwehr blieb mit anderen Wehren drei Tage ununterbrochen im Einsatz. Die Löscharbeiten waren durch den Ausfall der Wasserleitung sehr erschwert.

Seit dem 10. April 1945 war Ratingen von der Umwelt vollkommen abgeschnitten. Amerikanische Truppen standen vor Erkrath, in Kettwig an der Ruhr und in Langenberg. Am 17. April wurde im Einvernehmen mit der Wehrmacht die kampflose Übergabe der Stadt angeboten. Der amerikanische Brigadegeneral B. Augur nahm an. Am Morgen des 18. April rückten starke amerikanische Panzerverbände in die Stadt. Ratingen wurde der britischen Besatzungszone zugeordnet.

Die Verluste der Stadt durch den Krieg waren groß. Neben zerstörtem Wohnraum waren 192 Tote durch Luftkrieg und Artelleriebeschuß zu beklagen, 450 wurden verletzt. Etwa 800 kamen nicht aus dem Krieg zurück.

Das heutige Ratingen

Zum heutigen Ratingen kamen durch die Neugliederung im Jahre 1975 die bis dahin selbständigen Gemeinden Eggerscheidt, Hösel, Homberg, Lintorf und Teile von Schwarzbach hinzu. Mit 89.000 Einwohner zählt Ratingen heute zu den größten Städten im Kreis Mettmann. Ein neuer Stadtteil, Ratingen-West, war bereits von 1966 bis 1969 entstanden. Hier wohnen heute allein über 12.000 Menschen. Im Stadteil Tiefenbroich siedelten sich in den 80er Jahren zahlreiche zukunftsträchtige Gewerbe (Verwaltungen, internationale Firmen usw.) an, die von günstigen Verkehrsanbindungen durch Autobahnen und dem nahen Flughafen profitieren.
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Mülheimer Str. 47
40878 Ratingen

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Mittwoch:
10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr

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