Allgemein - Geschichte - 20 Jahre...

20 Jahre Stadtteilbücherei Lintorf


Von Margret Hoffmann

(Margret Hoffmann ist ehemalige Leiterin der Stadtbücherei. Der Text erschien in DIE QUECKE 66/1996.)


Während die Katholische öffentliche Bücherei St. Anna in Lintorf 1991 bereits ihren 100. Geburtstag feiern konnte, wurde die kommunale Stadtteilbücherei Ratingen-Lintorf erst am 15. März 1976 eröffnet und ist somit 1996 erst 20 Jahre alt.

Wie die Gründung des katholischen Lesevereins mit einer Vereinsbibliothek in Ratingen im Jahre 1854, beweist auch die Bücherei von St. Anna in Lintorf den Einsatz der Kirchen im 19. Jahrhundert nicht nur für die Fürsorge notleidender Menschen, sondern auch für die Volksbildung. Der Anstoß zur Einrichtung einer kommunalen Stadtteilbücherei in Lintorf erfolgte erst mit der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen im Jahre 1975, durch die Lintorf ein Teil der Stadt Ratingen wurde.

Mit der Drucksache Nr. 287/1975 vom 18. Juni 1975 an den Kultur- und Finanzausschuss und den Rat der Stadt Ratingen wurde von der Verwaltung vorgeschlagen, in der früheren Amtskasse des Amtes Angerland im Rathaus Lintorf eine städtische Bücherei einzurichten. Die damaligen Entscheidungsträger standen unter Zeitdruck, denn bis zum 31. Juli 1975 mussten die Voraussetzungen für diese neue städtische Einrichtung geschaffen sein, um vom Land einen Zuschuss für den Kauf von Büchern und Einrichtungsgegenständen in Höhe von insgesamt 45.000 DM zu erhalten.
60.000 DM hatte die größer gewordene Stadt Ratingen beim Druck neuer Stadtpläne eingespart. Diese konnten als Eigenmittel für die Ausstattung der Lintorfer Bücherei verwandt werden. Vor der Planung dieser Bücherei war unter Federführung von Dr. Horst Blechschmidt, dem damaligen Kulturdezernenten, eine Analyse der Bibliotheksangebote in der neuen Stadt Ratingen vorgenommen worden. Als Orientierung dienten die Bibliothekspläne für die BRD und für NRW und die der KGSt aus den Jahren 1972 und 1973. Dabei wurde festgestellt, dass "die örtliche Bedarfsdeckung in den einzelnen Stadtteilen unterschiedlich war" und "erhebliche Bedarfslücken in den Stadtteilen West, Lintorf, Breitscheid und Schwarzbach" bezüglich der bibliothekarischen Versorgung vorlagen. Zur Schließung dieser Bedarfslücke in Lintorf wurde vom Rat der Beschluss: "Im Gebäude des ehemaligen Rathauses in Ratingen-Lintorf wird eine Zweigstelle der Stadtbücherei eingerichtet" gefasst.

Dann ging alles sehr schnell. Die Zuwendungsbescheide über die zugesagten Landesmittel von der Staatlichen Büchereistelle für den Regierungsbezirk Düsseldorf datieren vom 18. Juli 1975. Bis zur Eröffnung der Stadtteilbücherei am 15. März 1976 waren es gerade einmal acht Monate. Bis dahin waren der Kassenraum umgebaut, renoviert und möbliert und 5000 Bücher ausgesucht, gekauft und ausleihfertig bearbeitet worden. Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei, die bereits 1975 in der Büchereihauptstelle im Bürgerhaus am Ratinger Marktplatz arbeiteten, erzählen noch heute, wie dort die Bücherberge für Lintorf lagen. Die Bücherei war von Anfang an ein Erfolg, denn in den neun Monaten bis Ende 1976 wurden rund 28.000 Bücher ausgeliehen, während in der Katholischen öffentlichen Bücherei St. Anna im Jahr 1974 lediglich 3.000 Ausleihen gezählt wurden. Der Erfolg bewies die Richtigkeit dieser Investition für eine kommunale Bücherei mit einem breitgefächerten, aktuellen und bürgernahen Angebot für die 13000 Lintorfer.
Der Erfolg blieb der Lintorfer Bücherei treu, aber sie hatte von Anfang an ein Problem. Sie war mit ihren 100 qm zu klein. Die damalige Leiterin der kommunalen Büchereien in Ratingen, Hilde Gerster, schlug dann auch schon am 20.April 1977 eine Teilung der Erwachsenen- und Kinderabteilung aus Raumnot vor. Immer wieder findet man in den Akten Hinweise auf den beengten Raum und die damit verbundene Einschränkung für die Besucher der Bücherei.
Aber erst 1990, als der Mietvertrag zwischen der Stadt Ratingen und der Firma Mannesmann über die Nutzung von Räumen im Lintorfer Rathaus abgelaufen war, ergaben sich neue Möglichkeiten der Raumgestaltung.

Als erste begriff die damalige Leiterin, Helga Höltermann, die Chance für die Stadtteilbücherei, die sie seit 1978 mit großer Begeisterung geleitet hatte. Die Bemühungen der Stadtbücherei und des Kulturamtes um einen größeren Raum wurden unterstützt von der damaligen Vorsitzenden der FDP-Fraktion im Rat der Stadt, Christa Wachsen. Die Bücherei bekam zwar keine neuen Räume, aber ihr Areal wurde auf 150 qm erweitert. Nach einem Jahr Umbauzeit und einer für alle Beteiligten mühseligen und beengten Unterbringung im 2. Obergeschoss, konnte sich die umgebaute Lintorfer Bücherei am 19. November 1994 mit einem neuen Outfit präsentieren. Anlässlich dieses erfreulichen Ereignisses wurde ein Büchereifest gefeiert mit Musik der in Ratingen bekannten Band Pennywise, mit "Mundart zur Mittagszeit", vorgetragen von Manfred Buer von den Lintorfer Heimatfreunden, mit Lesungen der Lintorfer Autorinnen Eris Marzinowski und Katja Ollig und der Vorstellung neuer Bücher vom Buchmarkt 1994. Für die Kinder gab es eine Rallye "Rund um die Stadtbücherei" und eine Zaubervorstellung. Die Bewirtung an diesem Tage hatte der 1993 gegründete "Freundeskreis der Stadtbücherei Ratingen e.V." übernommen, der sich damit der Öffentlichkeit vorstellte.

Neben der Stadtteilbücherei, einer Verwaltungsnebenstelle der Stadt, einigen Firmen und Lintorfer Vereinen haben im Lintorfer Rathaus auch die Elternschule und die Tagespflege Lintorf Räume. Dorothee Brandenstein, die seit 1991 Leiterin der Lintorfer Bücherei ist, pflegt mit Erfolg den Kontakt zu diesen Einrichtungen sowie zu den Kindergärten, Grundschulen und der Hauptschule im Stadtteil. Seit 1995 arbeitet sie im Rahmen des Modellprojektes der Bertelsmann-Stiftung "Schule und Öffentliche Bibliothek - Neue Formen der Partnerschaft" auch mit dem Kopernikus-Gymnasium zusammen. Kindergartengruppen und Schulklassen kommen zu Führungen in die Bücherei oder zum Bilderbuchkino oder Kindertheater ins Lintorfer Rathaus. In die Institutionen gehen Bücherkisten, zum Teil mit bunt gemischtem Angebot, zum Teil zu Themen wie Märchen und Sagen, englische Lektüren, Kinderbasteln, Indianer oder Mittelalter.
In der Zeit vom April bis Juli 1995 wurde in den Stadtteilbüchereien Lintorf, West, Hösel und Homberg eine Befragung der Besucher ab 14 Jahren durchgeführt. Die Bücherei-Zweigstellen haben viele Stammleser, konnten aber in den letzten Jahren neue Leserkreise gewinnen. Die Bücherei in seinem Stadtteil will keiner der Befragten missen. Die Gründe für die Unverzichtbarkeit sind in erster Linie die Ortsnähe und damit verknüpft die Möglichkeit, dass Kinder auch allein zur Bücherei gehen können. Aber auch die persönliche Atmosphäre in den Stadtteilbüchereien ist den Menschen wichtig, und diese erhielt von den meisten Besuchern die Note "gut".

Obwohl Lintorf im Dezember 1995 wie im Dezember 1975 rund 13.000 Einwohner hatte, stieg die Medienausleihe von 28.000 im Jahre 1976 auf 59.000 im Jahre 1995. Das ist eine Steigerung um 110%. Auch in diesem Jahr ist Lintorf im Aufwind. Gibt es einen besseren Beweis für die Notwendigkeit der Lintorfer Bücherei? Dieser kontinuierliche Erfolg ist sicher auf das Engagement des dortigen Büchereiteams und darauf zurückzuführen, dass im Angebot stets etwas Neues zu finden ist und dass seit dem Anschluss an die EDV der Büchereizentrale schnell auf das gesamte Angebot der fünf städtischen Büchereien zurückgegriffen werden kann. Der große Erfolg von Veranstaltungen für Kinder, wie zuletzt bei der Aufführung "Der Geschichte vom Rotkäppchen" vom Petit bec Figurentheater, einer Gemeinschaftsveranstaltung der Stadtteilbücherei und der Katholischen öffentlichen Bücherei am 22. Mai 1996 im Haus Anna, die 250 Zuschauer anlockte, zeigt, dass kulturelle Angebote in Lintorf weiter entwickelt werden müssen. Und dazu gehört als Grundausstattung eine kommunale Stadtteilbücherei!

Quellen: Akten und Statistiken der Stadtbücherei sowie die Ergebnisse der "Umfrage in den Büchereizweigstellen Ratingen 1995", Hrsg.: Der Stadtdirektor der Stadt Ratingen.

(Margret Hoffmann ist ehemalige Leiterin der Stadtbücherei. Der Text erschien in DIE QUECKE 66/1996.)

Amt für Kultur und Tourismus
Stadtbibliothek Ratingen

Postanschrift:
Postfach 101740
40837 Ratingen

Medienzentrum:
Peter-Brüning-Platz 3
40878 Ratingen

Stadtplan

Telefon 02102 550-4128
Telefax 02102 550-9412

E-Mail: stadtbibliothek@ratingen.de