Allgemein - Geschichte - Zehn Jahre...

Zehn Jahre Medienzentrum


Von Peter Kiefer

(Peter Kiefer, Diplom-Bibliothekar, ist Mitarbeiter der Stadtbibliothek Ratingen. April 2001.)


Bereits 1977(!) wurde zum ersten Mal über einen Büchereineubau in der Innenstadt im Rat der Stadt Ratingen diskutiert. Das Bürgerhaus, in dem die Bücherei seit 1972 untergebracht war, platzte förmlich aus allen Nähten, alle Möglichkeiten für die Unterbringung von Regalen, Tischen und Stühlen waren ausgereizt, eine räumliche Erweiterung des denkmalgeschützten Hauses unmöglich. Es war mitunter so voll, dass Schlangen von Besuchern von der Verbuchungstheke über die Eingangstreppen bis hinunter zum Marktplatz reichten. Mit diesem überwältigenden Zuspruch und dank der steigenden Nachfrage nach Büchern und anderen Medien votierten die Bürger auf ihre Weise für einen Büchereineubau.

Es dauerte noch bis 1987, bis die Planungen in eine konkrete Phase übergingen. Ein städtisches Grundstück wurde gefunden (neben dem Stadtmuseum), das Land NRW bewilligte einen Zuschuss und das Architektenbüro Lambart erhielt grünes Licht zum Bauen. Das Gesamtprojekt hatte ein Kostenvolumen von 10,5 Millionen DM. Von Beginn an geriet der Zeitplan allerdings ein wenig in Verzug, denn beim Ausschachten entdeckten Bauarbeiter gefährliche Altlasten im Erdreich.

Parallel zur Bauphase und zum alltäglichen Ausleihbetrieb übertrugen die MitarbeiterInnen der Stadtbücherei nun die Daten ihrer Medien auf EDV, denn am neuen Standort (und in allen Zweigstellen) sollte auch informationstechnisch ein neues Zeitalter beginnen und Ausgabe, Rückgabe und Recherche über den Computer erfolgen.

Um die Wünsche der Bürger noch besser kennen zu lernen, startete die Bücherei 1989/90 gemeinsam mit dem Kulturamt und der Statistikstelle der Stadt Ratingen eine repräsentative Meinungsumfrage zum Thema Stadtbücherei und Kultur. Viele der Befragten äußerten den Wunsch nach einem Lesecafé und längeren Öffnungszeiten.

Am 13. April 1991 war es endlich so weit. Das neue Gebäude an der Lintorfer Straße (heute Peter-Brüning-Platz) wurde der Öffentlichkeit übergeben: ein heller, freundlicher, zum Besuch und Verweilen einladender Bibliotheksbau füllte sich mit Leben. Rund 1500 Neuanmeldungen und 42000 Entleihungen in den ersten sechs Betriebswochen legten nachdrücklich Zeugnis darüber ab. Das multifunktionale Lesecafé bietet Raum für Ausstellungen, Theater und Musik, Kleinkunst, Vorträge, Autorenlesungen und vieles mehr.

Viele Stammleser und auch eilige Besucher machen seither ausgiebig Gebrauch von dortigen Zeitschriften und Tageszeitungen oder treffen sich mit Freunden und Bekannten zum Kaffeetrinken oder zum Frühstück.

Insgesamt tätigten die Ratinger Leser bis heute rund 4,5 Millionen Medienausleihen (zusammen mit den Zweigstellen ca. 6 Millionen). Hinzu kommt noch ein Berg von 400.000 Informationsbroschüren verschiedensten Inhalts zum kostenlosen Mitnehmen. Ratingens Leser schätzen besonders den angebotenen Medienmix - von allem und für jeden etwas -, d.h. neben den klassischen Printmedien Büchern, Zeitschriften, Zeitungen, Karten und Noten sind Spiele, Cassetten, Videos, CDs, CD-ROMs und neuerdings DVDs sehr gefragt.

Im Werben um die Zusammenarbeit mit Schulen in Ratingen konnte die Stadtbücherei 1995 die Bertelsmann-Stiftung als Kooperationspartnerin für ein fünf Jahre dauerndes Leseförderungsprojekt gewinnen. "Öffentliche Bibliothek und Schule - Neue Formen der Zusammenarbeit" heißt jetzt nach Abschluss des Projekts "SCHUB - Schule und Bibliothek" und bietet Ratinger Schulen auf Altersgruppe und Unterricht abgestimmte Klassenführungen, Programmarbeit und -last but not least- Bücherkisten zu vereinbarten Themen an. Ein nach Schulfächern sortierter Buchbestand, die Schulothek, speziell für die Sekundarstufen ist eine reichhaltige Fundgrube für Hausarbeiten, Referate und Prüfungsvorbereitungen.

Mit Blick auf die sich wandelnden Mediengewohnheiten seiner nachwachsenden Kundschaft wurde das Medienzentrum speziell auch für die jüngeren Besucher aktiv. Mit Unterstützung des Freundeskreises der Stadtbücherei (e.V. 1993 gegründet) und von Sponsoren gelang es der Kinder- und Jugendbücherei 1998 dort einen Multimedia-PC mit (Lern-) Spielen und CD-ROMs bereitzustellen. Es wunderte niemand, dass die Kinder sofort begeistert davon Gebrauch machten. Inzwischen ist ein mit Extra-Links für Kinder ausgestatteter Internet-PC hinzugekommen. Ein Kollege des Medienzentrums steht den neuen Usern regelmäßig mit Rat und Tat zur Seite.

Im Lauf der Jahre konnte das Medienzentrum weitere Angebotssegmente besetzen, die man im herkömmlichen Sinne nicht unbedingt in einer Bücherei vermuten würden:
  • Verbraucherschutz, heute im Zuge von BSE ein hochpolitisches Thema, und die Information von Verbrauchern waren dem Medienzentrum schon immer große Anliegen. Bereits vor 10 Jahren wurde im 2.OG die "Infothek- das Selbstinformationssystem der Verbraucherzentrale NRW" mit zahlreichen, thematisch sortierten Produktberichten und -tests aus Verbrauchermagazinen, eingerichtet.


  • Das regelmäßige Bewerbungstraining mit dem Arbeitsamt Düsseldorf spricht vor allem Ausbildungsplatz- und Jobsuchende an. Medien der Bücherei zu Bewerbung, Testtraining und Rhetorik sind Ausleihrenner.


  • Mit der Bürgerinformation "Nachrichten aus dem Rathaus" zollt das Medienzentrum dem kommunalpolitischen Interesse seiner Besucher Rechnung. Ratsvorlagen, öffentliche Sitzungsprotokolle, Haushaltplan, Ortsrecht, Zeitschriften und Sachbücher gehören an auffälliger Stelle im Eingangsbereich zum dortigen Repertoire, seit 1999 zusätzlich Informationen zur Lokalen Agenda 21.


  • 1996 gehörte das Medienzentrum zu den ersten öffentlichen Büchereien bundesweit, die ihren Lesern einen Internetzugang ermöglichten. Bald sollen alle Ausleihstellen im städtischen Büchereisystem kostenlose Internetnutzung anbieten.

Dies sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie das Medienzentrum (im Verbund mit den Stadtteilbüchereien) auf die sich ändernde Medienlandschaft und damit auf gesellschaftliche Bedürfnisse einzugehen versucht. Bei seit langem gleich gebliebenem Medienetat, aber kräftig steigenden Preisen für Bücher und neue Medien müssen die MitarbeiterInnen der Bücherei jede Mark zweimal umdrehen.
Nur mit Aktualität und Vielfalt ihrer Medien und Aktivitäten kann jede Bücherei ihre Attraktivität erhalten und für neue Wege offen bleiben. Das wird in Zukunft auch in Ratingen nur mit ausreichenden Mitteln gelingen können.

Die Besucherzahlen des Medienzentrums sprechen jedenfalls für sich: In den letzten 10 Jahren kamen rund 2,25 Millionen Menschen zu Konzerten, Ausstellungen, Lesungen, zur Ausleihe oder nur zum Verweilen. Ganz Ratingen (90.000 Einwohner) war also schon 25 Mal dort zu Gast.

Amt für Kultur und Tourismus
Stadtbibliothek Ratingen

Postanschrift:
Postfach 101740
40837 Ratingen

Medienzentrum:
Peter-Brüning-Platz 3
40878 Ratingen

Stadtplan

Telefon 02102 550-4128
Telefax 02102 550-9412

E-Mail: stadtbibliothek@ratingen.de