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Stationen in der Geschichte der Stadtbücherei Ratingen von 1919 bis heute.

Von Dr. Volker van der Locht

(Dr. Volker van der Locht, Historiker, ist freier Mitarbeiter beim Stadtarchiv Ratingen. Den Text zu dieser umfassenden Geschichte der Stadtbücherei Ratingen schrieb er anlässlich seines Vortrags zu den Feierlichkeiten zum 80jährigen Jubiläum am 23.10.1999.)


Vorgeschichte

Im Stadtratsprotokoll vom 12.12.1919 (Fortsetzung der Sitzung am 15.12.) heißt es [1]:

"Das Angebot des Bergischen Vereins für Gemeinwohl (Ortsgruppe Ratingen), seine Bibliothek der Stadt kostenlos zu übergeben, falls die Stadt den Gedanken verwirklicht, eine städtische Bibliothek einzurichten wurde angenommen."

Am 1. April 1906 war auf Initiative des Rektors Adam Josef Cüppers die Bücherei des Bergischen Vereins für Gemeinwohl mit einem Bestand von 178 Bänden eröffnet worden. Vorläufer war der seit 1854 bestehende katholische Leseverein und andere Lesezirkel. Diese Kreise hatten jedoch nur einen begrenzten Leserkreis - meist konfessioneller Orientierung. Die Gründung der Bücherei des BVG hatte nach Aussage des Lehrers P. Lankes die Absicht:

"Was geschaffen werden musste, war eine Bücherei, die die besten und volkstümlichen Werke unserer Literatur allen Bevölkerungsschichten zugänglich machte. Konfessionelle Gegensätze dürften demnach nicht berührt und vor allem musste die Einstellung solcher Bücher vermieden werden, die in sittlicher Beziehung zu Bedenken Anlass gaben. Daneben durfte die Benutzung keine Geldopfer auferlegen, so dass wegen der Kostenfrage niemand zurückbleiben brauchte." [2]

Großer Andrang herrschte nach Eröffnung der Bücherei, so dass die Initiatoren Unterstützung benötigten: z.B. die Gesellschaft für Volksbildung Berlin, die Bücher gegen geringe Gebühr zur Verfügung stellte. Bis 1913 stieg der Bestand der Bücher auf ca. 1000 Bände. Die gestiegenen Aufwendungen für die Bücherei - 7000 Entleihungen im Jahr 1913 - führten dazu, dass der Verein, der sich hauptsächlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanzierte, die Mittel für die Bibliothek nicht mehr aufbringen konnte.
Diese Schwierigkeiten verschärften sich noch, als während des Krieges die Bücherei eine Menge Bücher verlor und sich die Ratinger Ortsgruppe des Bergischen Vereins für Gemeinwohl auflöste. Von daher musste nach dem Ersten Weltkrieg ein neuer Träger gefunden werden. Dafür sprach auch, dass trotz materieller Not in der Kriegs- und Nachkriegszeit der Lesehunger der Bevölkerung ungebrochen blieb.[3]

Die Bücherei nach dem Ersten Weltkrieg



Der Stadtratsbeschluss zur Übernahme der Bücherei war zunächst eine Absichtserklärung, die nicht unmittelbar umsetzbar war. Dagegen sprach die politisch unsichere Situation nach dem Ersten Weltkrieg. Die durch die Novemberrevolution, dem Kapp-Putsch und der Französischen Besetzung bedingten Wirren wie z.B. Beschlagnahme von öffentlichen Gebäuden für die Unterbringung von Soldaten hatte zur Folge, dass keine geeigneten Räume für die Bücherei vorhanden waren. Von daher wurden die Bücher der Bibliothek, die bis 1919 in Rektor Cüppers' Amtszimmer untergebracht waren, danach an verschiedene Orte verteilt, um dann für ein Jahr ungenutzt auf den Speicher des Sparkassengebäudes zu verschwinden. Durch die oft unsachgemäße Lagerung wurden weitere Bücher beschädigt und gingen verloren.[4]

Zu Beginn des Jahres 1923 war die Bücherei in einem kleinen Raum des Schulgebäudes in der Minoritenstraße untergebracht. In einem Schreiben an den Bürgermeister klagte ein Leser, dass der Bücherraum zu klein sei, um sämtliche Büchereibenutzer aufzunehmen und dass infolge des Gedränges schon der Ofen umgeworfen worden war. Die Verwaltung leitete den Brief zur Stellungnahme an den Bibliothekar Lehrer Schleuter weiter. Dieser bestätigte die Angaben des Lesers: [6]

"Die Beschwerde ist nurzu berechtigt. Die Zustände sind tatsächlich unhaltbar. Die Tür läßt sich nur soweit öffnen, dass eine Person eintreten kann, hat diese sich hinter die Tür gestellt, so kann eine weitere eintreten. Sind aber sechs Personen gleichzeitig im Raume, so ist mir der Zugang zu einem Teil der Bücher versperrt. Die übrigen Besucher, deren sich Sonntags manchmal 30-40 zugleich dort befinden, müssen im kalten Hausflur oder gar vor der Haustür warten. Infolge des Gedränges kommen oftmals Personen dem Ofen nahe und verbrennen sich die Kleider. Ein Herr hat sich den Überrock so verbrannt, dass er ein Handbreit davon hat abnehmen müssen. Einmal ist sogar der Ofen umgeworfen worden. Ich habe diese Zustände z. Z. dem Bauamte vorgetragen, es wurde mir aber entgegnet, es sei kein anderer Raum verfügbar."


Erst 1924 konnte der Ausleihbetrieb mehr schlecht als recht wieder aufgenommen werden. Doch eigene Räumlichkeiten standen der Bücherei immer noch nicht zur Verfügung. Noch im Juli 1925 verhandelte die Baukommission über die Unterbringung der Bücherei in das Vorzimmer des Stadtverordnetensitzungssaales. Da der Raum auch anderweitig genutzt würde, sollten drei Bücherschränke angeschafft werden, um die Bücher vor Beschädigung und Verschmutzung zu schützen. [7]
Doch trotz der erheblichen Schwierigkeiten, einen ordnungsgemäßen Büchereibetrieb zu organisieren, stieg das Interesse der Ratinger Bevölkerung an der Bücherei. Die Ratinger Zeitung berichtete am 16. Januar 1926 [8]:

"Im verflossenen Jahre konnte die Bücherei auf einen Bestand von rund 1700 Bücher gebracht werden, darunter Jugendschriften 210. Trotzdem die Bücherei wegen erneuter Verlegung in einen anderen Raum wochenlang nicht benutzt werden konnte, stieg die Zahl der ausgeliehenen Bücher auf über 4600 bei einer eingetragenen Leserzahl von 527, ein Beweis, wie stark das Bedürfnis nach guten Büchern ist, die erhebende Unterhaltung und Erweiterung des Wissens auf den verschiedenen Gebieten menschlichen Forschens und Schaffens vermitteln. Zu bedauern ist, dass der Bücherei noch immer keine geeigneten Räume zur Verfügung stehen und kein Lesezimmer eingerichtet werden kann."


Obwohl bereits 1923 die Stadt trotz finanzieller Schwierigkeiten, einen geringen Zuschuss für die Anschaffung von Büchern leisten konnte, dauerte es noch einige Jahre, bis der Betrieb in der Volksbibliothek für eine ordnungsgemäße Nutzung organisiert war. Nach Abschluss des Rechnungsjahres 1927/1928 wurde vorläufig Bilanz gezogen. So wurden 1927 die Öffnungszeiten erweitert, und im Januar 1928 wurde ein neues Büchereiverzeichnis und eine neue Leseordnung herausgegeben. Der Buchbestand stieg bis dahin auf 1513 Bände. Dies führte auch zu einer größeren Inanspruchnahme der Bücherei durch die Bevölkerung. Insgesamt wurden 374 Lesekarten ausgegeben und 6139 Bände wurden entliehen.[9]
Der eintretende Erfolg wurde mit der Herausgabe einer kleinen Zeitschrift der Bücherei fortgesetzt. 1929 gab Adam Josef Cüppers, Leiter der Volksbibliothek, die erste Nummer der "Ratinger Bücherwarte - Zwanglose Blätter der Benutzer der Volksbibliothek" heraus, der weitere Nummern folgten. [10]

Die Bücherei im Dritten Reich



Doch die neu gewonnene Stabilität währte nur kurz. Am 1. August 1933 musste die Städtische Volksbücherei schließen. Dafür waren zwei Gründe entscheidend. Erstens waren infolge der Weltwirtschaftskriege seit mehr als drei Jahren der Bücherei keine Mittel mehr zur Verfügung gestellt worden, 400 schadhafte Bücher rissen eine große Lücke in den Buchbestand, wie Rektor Cüppers gegenüber der Staatlichen Büchereistelle 1934 darlegte [11]. Zweitens war unter nationalsozialistischer Herrschaft eine inhaltliche Neuausrichtung der Büchereien vorgesehen. Mit einem staatlichen Erlass von 1934 hatten alle Volksbüchereien ihre Büchereiverzeichnisse zur Überprüfung an die Staatlichen Beratungsstellen zu senden. Neuanschaffungen durften nur mit offizieller Genehmigung dieser Zensurbehörde erfolgen.. Die "preußischen Grundlisten" legten den Büchereileitern die Anschaffung von natianalsozialistischer Literatur nahe. Außerdem wurden schon im Verlauf des Jahres 1933 amtliche "schwarze Listen" mit verbotener Literatur verbreitet. [12]
Wie viel verbotene Literatur es in der Ratinger Volksbücherei gegeben hat, ist ungewiss. Zwar wurden von den ehemals 1500 vorhandenen Büchern insgesamt 700 Stück ausgesondert [13], doch wie viel Bücher aufgrund von Schadhafigkeit sowieso herausgenommen werden mussten, kommt anhand der Zahlen nicht zum Ausdruck. Auch die christlich nationalkonservative Einstellung des Büchereileiters Adam Joseph Cüppers, der beispielsweise die moderne Großstadt kritisierte: "Wahrlich, das wäre der größte Wohltäter der Menschheit, der die Städte auseinanderriß und die Menschen mit der Natur verbände! Viel Jammer und viel Not, viel Zwietracht und Klassenhass würde verschwinden [14]" garantierte einen konservativen Schwerpunkt des Büchereibestandes. Trotz dieser Einschränkungen hatte jedoch die Arbeiterbewegung ihren Niederschlag im Bestand der Ratinger Volksbücherei gefunden. So vermerkte die für Ratingen zuständige Zensurbehörde, die so genannte Staatl. Beratungsstelle für das volkstümliche Büchereiwesen in ihrem Schreiben vom Juli 1935 unter acht noch auszusondernden Büchern die "Proletariernovellen" von Andersen-Nexö. Gleichfalls sollte der "Große Bauernkrieg" von Zimmermann aus dem Bestand genommen werden [15]. Zimmermanns Werk nahm Friedrich Engels zur Grundlage seines Buches über den deutschen Bauernkrieg.

Mit diesem Bescheid über das Verzeichnis der Ratinger Volksbücherei war für die nationalsozialistischen Machthaber auch eine wesentliche Grundlage für die Wiedereröffnung geschaffen. Am 1. Juli 1935 wurde die Bücherei im Erdgeschoss des Rathauses eröffnet. Durch die fast zweijährige Schließung wurden im ersten Monat jedoch nur 46 Leser registriert. Allerdings stieg die Zahl der Nutzer und Ausleihen von Monat zu Monat, so dass am 1. April 1936 541 Leser zu verzeichnen waren. [16]
Aufgrund des Anstiegs im Laufe des Jahres 1936 entschieden sich die Verantwortlichen, für die Ausleihe und Beratung ehrenamtliche Hilfskräfte zu bestimmen. In Ratingen waren dies hauptsächlich Lehrer [17]. Die intensivere Bibliotheksberatung führte auch zu einer stärkeren Frequentierung, so dass einige Jahre später erneut andere Räume für die Bücherei gefunden werden mussten. Während des Krieges im Oktober wurde die Bücherei im neuen Gebäude in der Horst-Wessel-Str., der heutigen Bahnstraße, eingeweiht. [18]

Mit der Wiedereröffnung der Stadtbücherei bot sich den nationalsozialistischen Machthabern auch die Möglichkeit, die Bevölkerung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Denn neben der Aussonderung nicht-nationalsozialistischer Literatur sollte der Buchbestand durch regimekonforme Werke ergänzt werden. Bereits in dem Erlass des Düsseldorfer Regierungspräsidenten von 1934 wurde über die Aufgabe der staatlichen Beratungsstellen für das volkstümliche Büchereiwesen ausgeführt, "dass alle Büchereien im Geiste des nationalsozialistischen Staates arbeiteten [19]. In einer Schulungstagung für Büchereileiter im Januar 1937 führte der Leiter der Städt. Volksbücherei Düsseldorf, Dr. Wunder, aus [20]:

"Wenn in der Kampfzeit das gesprochene Wort gewissermaßen das Rüstzeug der Bewegung war, so müsse heute das geschriebene Wort, also das Buch, das Gedankengut der nationalsozialistischen Bewegung in die breite Masse des Volkes tragen. Deshalb dürfen in keiner Bücherei Werke eingestellt werden, die nicht nationalsozialistischen Sinnes sind. ( ...) Der Gedanke der Volksgemeinschaft muss auch im Buche maßgebend sein. (...) Rasseneinheit sei heute das Ziel des Nationalsozialismus. Bücher, die Mischlinge als Helden und Vorbilder darstellen, sind zu vernichten. Grundgedanke der Bücherei muss sein: Gesundes Leben durch das gesunde Buch. Das deutsche Ideal sei heute die gesunde und kinderreiche Familie, das Ideal des Mannes: das Kämpferische, das der Frau: das Mütterliche. Der Leser soll sich durch die Einstellung entsprechender Bücher für diese Ideale beeinflusst werden. Weiterhin sei es untragbar, wenn heute noch in Büchereien Werke vorhanden seien, die den Bolschewismus und die Rote Armee verherrlichen. Diese Werke stehen im Gegensatz zum Nationalsozialismus."


Neben der Sicherung eines nationalsozialistischen Buchbestandes wurden zusätzlich über die
Büchereien Kampagnen zur Verbreitung regimetreuen Gedankenguts veranstaltet. Wie andere
Bibliotheken Niederbergs nahm auch die Ratinger Bücherei an der alljährlich überregional geschalteten "Woche des deutschen Buches" teil. Von Presseveröffentlichungen begleitet, sollten diese auf die Funktion der Volksbücherei als nationalsozialistische Schulungsstätte aufmerksam machen. "Der Leitgedanke" zur "Woche des deutschen Buches" 1936 stand laut Nachrichtendienst des Deutschen Gemeindetages unter dem-Motto: "Mit dem Buch ins Volk".
Verantwortlich für die Themenstellung der Bücherwochen war das Reichspropagandaministerium unter Dr. Goebbels [21].
Während des Krieges änderten sich die Themenstellungen derartiger Kampagnen in Richtung Stärkung der deutschen Wehrkraft. "Buch und Schwert" war das Leitwort der Kriegsbuchwoche im Oktober/November 1941. Unter tätiger Mitwirkung der Volksbüchereien sollten Buchausstellungen unter Themen gestellt werden wie [22]: "Das Reich im Kriege, Frau und Jugend im Kriege u. a., daneben aber auch die Leistung des Landvolkes für die Ernährung des Landvolkes."
Während des Krieges änderten sich zugleich die Zensurbestimmungen. In einem streng vertraulichen Erlass vom Oktober 1942 erhielten die Büchereileiter die Mitteilung [23]:

"Für die Dauer des Kriegszustandes mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika gelten bezüglich der Ausleihe von Übersetzungen nordamerikanischer Autoren in den Stadt- und Volksbüchereien die gleichen Weisungen, die die Behandlung des Übersetzungsschrifttums der übrigen Feindvölker regeln. Es wird daher mit sofortiger Wirkung die Ausleihe von Übersetzungen schöngeistiger und populär-wissenschaftlicher Werke sowie Biographien aus dem Amerikanischen gesperrt".


Um zu verhindern, dass die Bevölkerung alliierte Radiostationen hören konnte, wurde im gleichen Erlass bestimmt, Schriften mit Bauanleitungen fur Kurzwellensender "sofort aus der Ausleihe zurückzuziehen und unter sicherem Verschluss zu nehmen."

Die Ratinger Stadtbücherei nach dem Zweiten Weltkrieg



Nach der nationalsozialistischen Ausrichtung der Bücherei fanden tiefgreifende Änderungen erst nach dem Krieg statt. Nachdem sie in den letzten Kriegswochen geschlossen worden war, wurde sie bereits am 1. Juni 1945 wieder eröffnet. Jedoch waren vor der Eröffnung 1400 Bände mit nationalsozialistischem Inhalt ausgesondert worden. Weitere 400 Bände waren durch Kriegseinwirkung zerstört. Hinzu kam noch, dass in den ersten Nachkriegsjahren kaum Mittel vorhanden waren den oftmals überalterten Buchbestand zu ergänzen. Doch trotz der relativ schlechten Ausgangsbedingungen erfreute sich die Stadtbücherei des Zuspruchs ihrer Nutzer. Während Mitte 1945 die Zahl der Entleihungen bei knapp 27000 lag, stieg sie bis 1948 auf über 50000 bei nahezu konstanter Leserzahl von ca. 1400. [24]
Problematisch gestaltete sich in den Nachkriegsjahren, das Lesebedürfnis von Jugendlichen in ausreichendem Maße zu befriedigen. Immer wieder wies die Büchereileiterin Frau Gerster in den Jahresberichten darauf hin, dass in vielen Fällen jugendliche Bibliotheksbenutzer - 1950 immerhin 20 % der der Leserschaft - aufgrund fehlender Bücher abgewiesen werden mussten. Erst am 16. Oktober 1961 wurde in einem zusätzlichen Büchereiraum in der Bahnstraße 10 eine Kinder- und Jugendbibliothek eingerichtet, nachdem eine Beihilfe aus dem Landesjugendplan bewilligt worden war. [25]


Im August 1967 wurde die Bücherei in der Bahnstraße für mehrere Monate geschlossen, um in das ehemalige Gebäude der Minoritenschule umzuziehen. Am 22. Februar wurde sie in den neuen Räumen eröffnet. Dort befand sie sich jedoch nur zwei Jahre. Die äußerst knappe materielle Unterstützung vermitteln den Eindruck einer geringen Wertschätzung der Bücherei, denn die Suche nach einem neuen Domizil dauerte mehr als zwei Jahre. Dann stand fest, die Bücherei sollte in zentraler Lage im historischen Bürgerhaus am Markt eingerichtet werden. Kurz vor Fertigstellung der neuen Räume im Februar 1972 brach infolge von Schweißarbeiten ein Feuer aus, so dass die Einweihung der Bücherei erst im November des Jahres stattfinden konnte. [26]
Die kommunale Neugliederung zum 1. Januar 1975 stellte die Stadt Ratingen durch die Eingemeindung mehrerer umliegender Gemeinden auch vor neue bibhothekarische Aufgaben. Es wurde sofort der Ist-Stand aller öffentlichen Büchereien, der städtischen und kirchlichen, in Ratingen ermittelt. So kam man in Ratingen zu dem Schluss, möglichst alle öffentlichen Büchereien, die kommunalen und die kirchlichen, zu einem kooperativen Büchereisystem zusammenzufassen. Die ehemaligen Gemeindebüchereien in Hösel, Homberg und Eggerscheidt wurden von der Stadt Ratingen mit der bestehenden Stadtbücherei zu einem städtischen Büchereisystem verbunden. Am 15.3.1976 kam dazu noch die neu eingerichtete Lintorfer Zweigstelle. Am 14.1.1984 wurde mit der Eröffnung der Stadtteilbücherei Ratingen West endlich eine weitere Lücke im Ratinger Bibliotheksnetz geschlossen. Seit dem 1. Oktober 1985 gehört die Verwaltungsbücherei als Spezialbibliothek zur Stadtbücherei [27]. Seit April 1991 Jahre fand die Bücherei hier im Medienzentrum ihren Standort.

Aber auch inhaltlich hat sich die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtbücherei verändert und der Aufgabenbereich erweitert. Die Veränderung der Medienlandschaft, die über das Medium Buch hinausgehende Informations- und Unterhaltungsbedürfnisse in der modernen Gesellschaft ausdrückt, schlug sich seit Mitte der 70er Jahre im erweiterten Medienangebot nieder. Darum enthält der Bestand der Bücherei nicht mehr nur Bücher und Zeitschriften. Heute findet man hier auch Toncassetten, CDs (d.h. Tonträger mit Musik und Hörbüchern), Spiele, Videocassetten, Computerdisketten CD-ROMs ...?'
Ebenso kann an den themenbezogenen Auswahlverzeichnissen der Bücherei abgelesen werden, wie gesellschaftspolitische Einflüsse das Angebot beeinflusst haben. Neben den traditionell angebotenen Veröffentlichungen, Romanen und Unterhaltungsliteratur oder Heimatkunde, die immer wieder auf den aktuellsten Stand gebracht werden, spiegelt sich z.B. in einer Vielzahl von Auswahlverzeichnissen zur Frauenliteratur der Einfluss der Frauendiskussion in der Öffentlichkeit seit Beginn der 80er Jahre. Desgleichen findet mit Verzeichnissen wie Bauen und Wohnen oder Auto und Umwelt die Diskussion um Umweltschutz ihren Niederschlag im Angebot der Bücherei. Die intensivere Debatte um Flüchtlinge und Ausländer in Deutschland haben dazu geführt, Medien zum Thema "Deutsch als Fremdsprache" zusammenzustellen. Hier erfüllen auch die neuen Medien wie Toncassetten oder CDs mit Tonbeispielen eine wichtige Funktion zum Erlernen einer Sprache.

Dies sind nur einzelne Beispiele, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ratinger Stadtbücherei auf aktuelle Informations- und Fortbildungsbedürfnisse einzugehen versuchen. Sie zeigen uns: Das Eingebundensein in einen gesellschaftlichen Zusammenhang lässt mit künftigen Veränderungen auch neue Initiativen und neue Angebote der Bücherei erwarten. Und so können wir sicher mit Spannung darauf warten, wie Mitarbeiter, Leser, Bevölkerung im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Bücherei gestalten werden.



- 1 Zit. n. Kiefer: 70 Jahre Stadtbücherei Ratingen, in: Die Quecke Nr 59/1989, S. 41
- 2 Ebd.
- 3 vgl. ebd.
- 4Vgl. ebd. S. 41f.
- 5 Vgl. StA Rtg. Nr. 2-1661, Tihon an Bürgerneister v. 25.1.1923.
- 6 StA Rtg. Nr. 2-1661, Lehrer Schleuter v. 7.2.1923.
- 7 Vgl. Kiefer: 70 Jahre Stadtbücherei Ratingen, in: Die Quecke Nr 5911989, S. 42; StA Rtg. Nr. 2-1661, Baukommissionssitzung v. 31.7.1925.
- 8 RZ Nr. 7 v. 16.1.1926.
- 9 Vgl. Kiefer: 70 Jahre Stadtbücherei Ratingen, in: Die Quecke Nr 59/1989, S. 42; Düsseldorfer Nachrichten v. 5.4.1928
- 10 Vgl. Kiefer: 70 Jahre Stadtbücherei Ratingen, in: Die Quecke Nr 59/1989, S. 42 " Vgl. StA Rtg. Nr. 2-1662, Rektor Cüppers v. 11.10.1934
- 12 Vgl. Kiefer: 70 Jahre Stadtbücherei Ratingen, in: Die Quecke Nr 59/1989, S. 42 ' 3 Vgl. ebd
- 14 Zit. n. Wisotzky: Adam Joseph Cüppers, in: Die Quecke Nr. 61/1991, S. 32
- 15 Vgl. StA Rtg. Nr. 2-1662, Staatl. Beratungsstelle an Bürgermeister v. 6.7.1935
- 16 Vgl. ebd; StA Rtg. Nr.- 2-1662, Die Städtische Nachrichtenstelle teilt mit v. 9. Juli 1937
- 17 Vgl. Kiefer: 70 Jahre Stadtbücherei Ratingen, in: Die Quecke Nr 59/1989, S. 43; Rhein. Landeszeitung vom 24.4.36
- 18 Vgl. Rheinische Landeszeitung Nr. 298, 27.10.1941
- 19 StA Rtg. Nr. 2-1662, Regierungspräsident, v. 10.4.1934
- 20 StA Rtg. Nr. 2-1662, Bericht über die Schulungstagung für Büchereileiter am 16. Januar 1937
- 21 Vgl. Kiefer: 70 Jahre Stadtbücherei Ratingen, in: Die Quecke Nr 59/1989, S. 43; StA Rtg. Nr. 2-1662, Nachrichtendienst des Deutschen Gemeindetags v. 1.7.1936
- 22 StA Rtg. Nr. 2-1663 Staatl. Volksbüchereistelle für den Reg. Bez. Düsseldorf, Essen, den 15. Ob. 1941
- 23 StA Rtg. Nr. 2-1663, Staatl. Volksbüchereistelle für den Reg.Bez. Düsseldorf, Essen, den 21. Januar 1942, An die Leiter der Volksbüchereien im Reg.Bez. Düsseldorf
- 24 Vgl. Kiefer: 70 Jahre Stadtbücherei Ratingen, in: Die Quecke Nr 59/1989, S. 43
- 25 Vgl. ebd
- 26 Vgl. ebd. S. 44
- 27 Vgl. ebd. S. 44f
- 28 Vgl. ebd. S. 45

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