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Hundert Jahre Stadtbibliothek Ratingen

 

1. Vorgeschichte

Die Stadtbibliothek hat ihren Ursprung in der am 01.04.1906 eröffneten Bücherei des „Bergischen Vereins für Gemeinwohl“ (Ortsgruppe Ratingen). Diese Bücherei wurde auf Initiative des Schulrektors, Schriftstellers und späteren Ehrenbürgers Adam Joseph Cüppers gegründet.

Der Trägerverein löste sich nach dem 1. Weltkrieg wegen finanzieller Schwierigkeiten auf und machte daraufhin der Stadt Ratingen das Angebot, die Bücherei kostenlos zu übernehmen und eine städtische Bibliothek einzurichten. In der Stadtratssitzung vom 12.12.1919 wurde dieses Angebot angenommen. Die Bücherei des Vereins umfasste zu diesem Zeitpunkt ungefähr 900 Bücher.

 

2. Die Stadtbibliothek in der Weimarer Republik

Aufgrund der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Situation in den Nachkriegsjahren konnten lange Zeit keine geeigneten Räume für die Bücherei gefunden werden. Für ein Jahr wurden die Bücher sogar ungenutzt auf dem Speicher des damaligen Sparkassengebäudes am Marktplatz gelagert. 1923 war die Bücherei  in einem kleinem, ungeeignetem Raum in der damaligen Minoritenschule untergebracht.

Trotz dieser schwierigen Bedingungen stieg das Interesse an der Bücherei in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre in der Bevölkerung: Die Ausleihen und die Anzahl der Leser stiegen kontinuierlich. 1927 wurden die Öffnungszeiten erweitert und 1928 wurde eine neue Leseordnung herausgegeben.

 

3. Die Stadtbibliothek im Dritten Reich

Am 01.08.1933 wurde die Bücherei aufgrund der äußerst schlechten finanziellen Situation in Folge der Wirtschaftskrise geschlossen. Seit 1930 standen keine finanziellen Mittel für Neuanschaffungen mehr zur Verfügung und eine große Anzahl von Büchern war schadhaft. Dies machte sich an den Ausleihzahlen bemerkbar: Wurden 1928 noch 6912 Medien ausgeliehen, waren es 1933 nur noch einige Hundert.Die Schließung bot den seit Januar 1933 regierenden Nationalsozialisten die Gelegenheit, ihnen unliebsame Bücher aus den Beständen der Bücherei zu entfernen.

Am 01.07.1935 wurde die Bücherei nach fast zweijähriger Schließung im ehemaligen Zuhörerraum des großen Sitzungssaales im Erdgeschoss des Rathauses, das sich damals im Minoritenkloster befand, wieder eröffnet.

Während des Zweiten Weltkriegs, im Oktober 1941, zog die Bücherei  dann in die damalige Horst-Wessel-Str. 10 (Bahnstraße) in ein angemietetes Gebäude mit größeren Räumlichkeiten. Dort konnte erstmals ein Lese- und Aufenthaltsraum eingerichtet werden.

 

4. Die Stadtbibliothek nach dem Zweiten Weltkrieg

Weil das Haus Bahnstr. 10 im Zweiten Weltkrieg nicht beschädigt wurde, konnte die Bücherei  bereits am 01.06.1945 wieder eröffnet werden, nachdem sie in den letzten Kriegswochen geschlossen worden war.

1400 Bücher mit nationalsozialistischem Inhalt wurden zuvor ausgesondert, des Weiteren gingen 400 ausgeliehene Bücher durch Kriegseinwirkungen bei den Lesern verloren.

Am 14.10.1961 wurde in einem zusätzlich frei gewordenen Raum in der Bücherei  erstmals eine gesonderte Kinder-und Jugendbibliothek mit  Freihandausleihe eingerichtet. Dies war eine große Verbesserung, denn in den Jahren zuvor mussten Kinder und Jugendliche häufig abgewiesen werden, weil die von ihnen gewünschte Literatur nicht vorhanden war.

Im August 1967 wurde die Bücherei  für mehrere Monate geschlossen, um in die ehemaligen Räume der Minoritenschule an der oberen Minoritenstraße umzuziehen. Dort wurde die Bücherei  am 22.02 1968 wieder eröffnet. Neu war, dass nun auch in der Erwachsenenbibliothek die Freihandausleihe eingeführt wurde. Vor dieser Umstellung durften die Leser sich ihre Bücher nicht selbst aussuchen, sondern mussten ihre Leserwünsche an der Theke anmelden oder wurden von Bibliotheksmitarbeitern beraten. Während manche Erwachsene mit dieser Umstellung noch Probleme hatten, waren  die Kinder und Jugendlichen es schon gewohnt, sich ihre Bücher selbst auszusuchen.

Nach nur vier Jahren erfolgte bereits der nächste Umzug in das Bürgerhaus am Marktplatz. Kurz vor Fertigstellung der neuen Räume brach dort jedoch am 20.02.1972 infolge von Schweißarbeiten ein Feuer aus. Deswegen konnte die Einweihung der neuen Bücherei nicht wie geplant im März 1972, sondern erst am 09.11.1972 stattfinden. Die Ausleihe von Büchern war von nun an kostenlos.

 

5. Die Stadtbibliothek nach der kommunalen Neugliederung von 1975

Infolge der kommunalen Neugliederung von 1975 wurden die ehemals selbstständigen Gemeinden Eggerscheidt, Hösel und Lintorf (Amt Angerland), sowie Homberg (Amt Hubbelrath) in die Stadt Ratingen eingemeindet. Die Stadt übernahm daraufhin die ehemaligen Gemeindebüchereien in Eggerscheidt, Hösel und Homberg. Außerdem wurde am 15.03.1976 die neu eingerichtete Zweigstelle Lintorf im ehemaligen Rathaus des Amtes Angerland eröffnet. Mit Ausnahme der Zweigstelle Eggerscheidt, die am 18.12.1986 wegen zu geringer Nutzung geschlossen wurde, existieren diese Stadtteilbibliotheken auch heute noch.

Am 14.01.1984 kam dann schließlich mit der Stadtteilbibliothek West im Freizeithaus am Berliner Platz in dem noch jungen Stadtteil Ratingen West eine weitere Zweigstelle hinzu.

1985 wurde in der Hauptstelle im Bürgerhaus eine Videoecke mit ca. 150 Spielfilmen auf VHS-Kassetten eingerichtet. Ratingen war damit eine der ersten deutschen Städte, in deren Bibliothek es Videos gab.

 

6. Der Umzug in das Medienzentrum 1991 und die Zeit bis 2010

Am 13.04.1991 wurde nach etwas mehr als dreijähriger Bauzeit das Medienzentrum am Peter-Brüning-Platz eröffnet. Dieser Neubau war nötig, weil in der alten Hauptstelle im Bürgerhaus der vorhandene Platz kaum noch ausreichte. Das neue, wesentlich größere Gebäude mit einer öffentlichen Nutzfläche von 2300 qm, verteilt auf vier Etagen, wurde von dem bekannten Ratinger Architekten Bruno Lambart (1924-2014) entworfen. Den Büchereibenutzern standen von nun an auch ein Lesecafé sowie Konferenz- und Veranstaltungsräume zur Verfügung. Auch technisch tat sich einiges: Die alten Leserhefte hatten ausgedient und die Bücherei stellte auf EDV um. 1996 wurden mehrere Internetplätze eingerichtet, an denen man kostenlos im Internet surfen kann. Zwei Jahre später wurde mit der Schulothek ein speziell auf Schüler und Studierende zugeschnittenes Angebot geschaffen. Weitere Neuerungen waren u.a.  die Einführung des Bestsellerservice Anfang 2000, das Angebot von DVDs im selben Jahr und die Einrichtung der Abteilung „Berufsfenster“ 2003.

 

7. Die Situation der Stadtbibliothek seit 2010

Besondere Zielgruppen, die die Stadtbibliothek ansprechen möchte, sind weiterhin Kinder und Jugendliche. Die Zusammenarbeit mit Schulen und heute auch Kindertagesstätten bietet auf die Altersgruppen und den Unterricht abgestimmte Klassenführungen, Programmarbeit und Medienboxen zu vereinbarten Themen an. Spezielle Führungen zum Thema „Recherche im Internet und in Printmedien“ (Sachbuchbereich) werden zunehmend nachgefragt. Dazu können die Schülergruppen inzwischen von Seiten der Bibliothek mit Tablets ausgerüstet werden. Kooperationen gibt es auch mit der Volkshochschule. Vor allem die Kurse „Deutsch als Zweitsprache“ sowie diejenigen, die sich speziell an Flüchtlinge richten, nutzen die Möglichkeit von Bibliotheksführungen und speziellen Beratungen im Sprachbereich. Eine weitere Kooperation findet mit dem Institut français, Düsseldorf, statt. Deren französischer Bücherbus macht alle 4 Wochen neben der Stadtbibliothek halt.

In Kooperation mit dem Verein „Mentoring“ lesen Vorlesepatinnen und Vorlesepaten seit 2010 regelmäßig mit andauernd großem Erfolg wöchentlich im Medienzentrum und in den Zweigstellen öffentlich vor.

Vor allem der Bereich der Angebote für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren ist ausbaufähig. Vor dem Einzug des Bürgerbüros in das Medienzentrum wurde damit begonnen, einen eigenen Bereich für diese Zielgruppe im Foyer einzurichten, da sich die Jugendlichen in der Kinderbibliothek nicht mehr wohlfühlten.

Ende 2013 wurde die Hälfte des Foyers der Stadtbibliothek Ratingen der Raumnutzung der Bibliothek entzogen, und es wurde dort das Bürgerbüro untergebracht. War ursprünglich angedacht, dass dieses Intermezzo wegen des Rathaus-Neubaus nur zwei Jahre dauern würde, hat sich dies in der Realität anders entwickelt. Der Auszug des Bürgerbüros steht nun im Herbst 2019 bevor. Die Räume wurden per Ratsbeschluss an die Bibliothek zurückgegeben.

Das neu zu gestaltende Foyer des Medienzentrums wird sich besonders an die Gruppe der Jugendlichen richten. Aber auch die älteren  Leserinnen und Leser müssen stärker in den Blick genommen werden. Denn die mit Abstand größte Gruppe innerhalb der Leserschaft gehört in die Altersgruppe über 50 Jahre. Daher soll der neue Bereich auch ein Kommunikationsort für alle sein.

Es gilt, nach vorne zu schauen. Dem gedruckten Buch und analogen Medien wird auch in Zukunft eine wichtige Bedeutung zukommen.

 

Text 1 bis 6: Heiko Knappstein, 7: Dr. Erika Münster-Schröer

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