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80 Jahre Stadtbücherei Ratingen


Von Dorothee Brandenstein

(Dorothee Brandenstein ist Mitarbeiterin der Stadtbücherei. Sie leitet die Stadtteilbücherei in Lintorf. Der Text erschien in der Fachzeitschrift ProLibris 4/99.)


"Die Tür der Volksbibliothek läßt sich nur so weit öffnen, daß eine Person eintreten kann, hat sich diese hinter die Tür gestellt, so kann ein weiterer eintreten. Sind aber sechs Personen zugleich in dem Raume, so ist mir der Zugang zu einem Teil der Bücher versperrt. Die übrigen Besucher, wenn sich sonntags manchmal 30 - 40 zugleich dort befinden, müssen im kalten Hausflur oder gar vor der Haustür warten. Infolge des Gedränges kommen oftmals Personen dem Ofen zu nahe und verbrennen sich die Kleider. Ein Herr hat sich den Überrock so verbrannt, dass er eine Handbreit davon hat abnehmen lassen müssen. Einmal ist sogar der Ofen umgeworfen worden."


So lautete ein Antrag auf bessere Unterbringung der Stadtbücherei im Jahre 1923. Im Oktober 1999 feierte die Stadtbücherei ihr 80jähriges Bestehen auf 2300 qm Nutzfläche. Die Ratinger Büchereigeschichte begann allerdings früher als vor 80 Jahren, nämlich damit, dass im Jahr 1848 der Gastwirt Gottfried Struckberg zum Bibliothekar ernannt wurde, und zwar vom Demokratischen Verein, dessen Schriften er zu verwalten hatte. 1854 erfolgte dann die Gründung eines katholischen Lesevereins und im Jahr 1906 die Eröffnung der Bücherei des "Bergischen Vereins für Gemeinwohl", die dann 1919 in städtische Trägerschaft
überging.

Im Jahr 1928 betrug der Bestand der Stadtbücherei 1513 Bände und die Jahresausleihe 6912 Bände. Bedingt durch die schlechte wirtschaftliche Situation wurden ab 1930 keinerlei Mittel mehr zur Verfügung gestellt, weshalb die Bibliothek 1933 geschlossen wurde. Nach Überarbeitung des Bestandes auf nationalsozialistisches Gedankengut wurde sie 1935 wiedereröffnet. Der erneuten Schließung in der Zeit des Zusammenbruchs folgte die Wiedereröffnung am 1.6.1945; das nationalsozialistische Gedankengut, bestehend aus 1400 Bänden, war ausgesondert worden.
In der Nachkriegszeit war der Lesehunger, auch vor allem der Kinder und Jugendlichen, stetig angestiegen, aber diese mussten noch bis 1961 auf eine eigene Abteilung warten. Von Mitte 1970 bis Ende 1972 mussten die Ratinger noch einmal auf ihre Bücherei verzichten: Das alte Domizil wurde abgerissen, da dort das neue Rathaus errichtet wurde, und das neue war noch nicht gefunden. Kurz vor Fertigstellung der neuen Bücherei brach dort ein Feuer aus, so dass die Neueröffnung verschoben werden musste. Ende 1972 betrug der Bestand 20.000 Bände. Von nun an entwickelte sich die Stadtbücherei positiv. In den 70er und 80er Jahren wurden fünf Zweigstellen eröffnet, von denen eine allerdings später wieder geschlossen wurde, die neuen Medien kamen hinzu. 1991 erfolgte der fünfte Umzug in das Medienzentrum, das eigens zu diesem Zweck erbaut wurde. Auf den 2300 Quadratmetern Fläche, verteilt über vier Etagen, findet der Leser mittlerweile mehr als 100.000 Medien sowie PC-Arbeitsplätze und Internet-PCs.

Die Jubiläumsfeierlichkeiten begannen mit der Stadtrallye "Spurensuche" für Kinder am Samstagvormittag. Mittags begann der offizielle Teil des Festes mit einer Rede des Bürgermeisters; er ehrte auch die beiden "ältesten Leserinnen", die durch einen Presseaufruf gefunden worden waren. Anschließend gab es einen Streifzug durch die wechselvolle Geschichte der Stadtbücherei von Dr. van der Locht, Mitarbeiter des Ratinger Stadtarchivs. Eine hauseigene Ausstellung zur Bibliotheksgeschichte vertiefte diesen Vortrag, aus der auch der eingangs zitierte Originalbrief stammt. Nach dem ernsteren Teil wurde eine "Afrikanische Clownshow für Jung und Alt : ADESA" geboten. Es folgte eine Lesung mit Franz Heinz, Ratinger Autor und Journalist, und am Abend gab es einen Streifzug durch den deutschen Humor dieses Jahrhunderts, professionell dargeboten von Elmar Schneider und Klaus Wittfeld, beide Lehrer des Ratinger Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums. Der Sonntag begann mit einem literarischen Frühstück im Lesecafe, dem eine Lesung von Eva Zeller folgte. Die anschließende Diskussion mit der Autorin beendete die Jubiläumsfeierlichkeiten.

Auch der Freundeskreis der Stadtbücherei stellte sich vor. Zusätzlich informierte man über das Projekt der Bertelsmann-Stiftung "Öffentliche Bibliothek und Schule - neue Formen der Partnerschaft", an dem die Stadtbücherei Ratingen beteiligt ist. Außerdem brachten viele Leser ihre Statements an einer Stellwand an, warum ihnen ihre Bücherei wichtig sei. Insgesamt nahmen 500 Ratinger an dem Jubiläumsprogramm teil, das dank der Hilfe einiger Sponsoren in dieser Form stattfinden konnte. Das Jubiläum fand ein überaus positives Echo bei den Besuchern, der Presse und der Verwaltung.




"Ich brauche meine Bibliothek"


Leserstimmen und Kommentare zum achtzigjährigen Jubiläum der Stadtbücherei Ratingen (1999)

Kommentare auf der Wandzeitung
Ich brauche meine Bibliothek,
weil ich in der Bahn auf dem Weg ins Büro gerne lese.
weil ich mit einem Buch am besten abschalten kann.
weil man sich nicht jedes Buch selbst kaufen kann.
weil gute Information unbezahlbar ist.
weil man sich in der Cafeteria im Erdgeschoß bei einer Tasse Kaffee entspannen kann und zuweilen auch noch an einem Vortrag oder einer Lesung teilnehmen kann.

Das Medienzentrum in Ratingen ist sehr vielseitig, übersichtlich, und alle Leute sind nett und hilfsbereit!

...wegen der freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein Besuch der Stadtbücherei ist für mich stets eine Bereicherung!


Ein Leserbrief an die Rheinische Post Ratingen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte Sie in der nächsten Ausgabe ihrer Zeitung folgenden Leserbrief zu den Veranstaltungen zum 80-jährigen Jubiläum der Stadtbücherei Ratingen zu veröffentlichen:

"Als ich meiner 8-jährigen Tochter kürzlich erklären mußte, wofür überhaupt Steuern gezahlt werden müssen, da nannte ich das Beispiel "Medienzentrum". Das sah sie ein - denn unsere Familie nutzt das dortige Angebot rege - oft als Bestandteil unserer samstäglichen Erledigungen in der Stadt."


Umso selbstverständlicher war es, daß wir am letzten Wochenende das 80-jährige Jubiläum der Stadtbücherei mitfeierten und vor allem begeistert waren über die afrikanische Clownerie der Gruppe Adessa. Es ist toll, was die Beschäftigten der Stadtbücherei hier - selbstverständlich auch mit den anderen Veranstaltungen - auf die Beine gestellt haben und hierfür auch die finanzielle Unterstützung durch den Freundeskreis der Stadtbücherei erhalten haben.
Bürgermeister Diedrich hat das Medienzentrum in seiner Eröffnungsrede als "Flaggschiff des Kulturlebens in Ratingen" bezeichnet. Man könnte auch sagen, als ein "Lotse durch die Informationsgesellschaft" - um bei der Seefahrt zu bleiben. Ich meine kommunale Steuergelder sind hier gut investiert. Dies muß auch in Zukunft so bleiben.

Mit freundlichen Grüßen
Cornelia Aßhorn-Waiz


Von Ratingen Autorinnen und Autoren

Poetisch oder auch prosaisch,
im Zweifelsfalle literarisch,
zum Jubiläum exemplarisch,
gesammelt bibliothekarisch,
wird das, was auf den nächsten Seiten
noch folgt,
den kleinen und den großen Leuten,
so hoffen wir, betont bescheiden,
kurzum,
dem hochverehrten Publikum,
vielleicht
ein wenig Spaß bereiten.

Helmut Litters



Lyrik zum Thema Bibliothek

der schrei nach weisheit, durch alle weisen der kunst,
treibt uns in die Bücherei,

durch die kost geistigen reichtums küßt die muse uns dann
den geist frei,

durch alle weisen ihrer gunst.

die bücherei erzählt erzählte erlebnisse, die das menschen-
kind schrieb,

im garten der stille wächst die unendliche geschichte weit
in die tiefe der zeit,

stille wasser sind tief,

und stillt den durst nach unvergänglicher liebe zur weisheit.

Diptesh Banerjee


LekTüre
und Tor öffnen
dem Wort -
Raum

Barbara Ming


Ich brauche meine Bibliothek

Ob die in Mitte oder West,
ich brauche beide, das steht fest.

Bei Schreibwettbewerben hier und da
Sieht jeder seine Chance nah,

auch ich mach mit, versuch' es mal,
vielleicht fällt ja auf mich die Wahl.

Im Febr./März begann mein Test,
ich lauf nach Mitte, lauf nach West,

schleich durch die Gänge, suche, wühle,
und überglücklich ich mich fühle

werd' endlich ich dann fündig
bestimm' nun kurz und bündig,

ob über Römer, Germanen oder Xanten,
ich brauche alle, au lanten.

Vier Wochen sind die Bücher mein
doch Halt, Stop, Halt, da fällt mir ein,

im Mai ist doch in Ratingen-West
ein großes Jubiläumsfest,

auch dafür brauch' ich Material
hab' wieder mal die Qual der Wahl,

dann schreib' ich bis die Feder glüht
und hoffe, daß das Glück mir blüht.

Doch eins steht fest, ist sonnenklar,
das gilt für jetzt und Jahr für Jahr,

für mich lohnt jeder weite Weg,
denn "ich brauch' meine Bibliothek".

Brigitte Mauel


Das Haus der 1000 Erfreulichkeiten

...(Auszug)
Ich brauche diese Bibliothek
und finde, es ist wirklich wahr,
unzählige Erfreulichkeiten
für ganze 20 Mark im Jahr.

Dichtung vom Feinen, Schmöker zum Weinen,
Info-Broschüren, Freizeitlektüren,
etwas zum Lachen, zum Selbermachen,
Nachschlagebände, Musik ohne Ende,
illustre Hefte, Tips für Geschäfte,
Programme als Futter für den Comput(t)er,
Filme - so viele - und herrliche Spiele.

Betreuung gibt ein nettes Team,
und ist mal irgendwas nicht da,
besorgt man es von außerhalb, -
wenn's sein muss aus Amerika.

Zuletzt ist an Veranstaltungen
viel Gutes schon gewesen,
und als Autorin - dann und wann,
darf ich gar selbst vorlesen.

Gisela Schöttler

Amt für Kultur und Tourismus
Stadtbibliothek Ratingen

Postanschrift:
Postfach 101740
40837 Ratingen

Medienzentrum:
Peter-Brüning-Platz 3
40878 Ratingen

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Telefon 02102 550-4128
Telefax 02102 550-9412

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