„Zweirädrige" Fahrschüler – AWD hilft Fahrlehrern

1955 hatte eine Neuregelung das Führerscheinrecht für Motorradfahrer verschärft: „Wenn heute ein Prüfling in die Fahrprüfung einsteigt, so muss er als ‚Motorradler‘ nachweisen, dass er sich vier Fahrstunden lang mit Fahrlehrer im Verkehr bewegt hat. Die Fahrlehrer kratzten sich die Köpfe: vier Stunden als ‚Klammeraap‘ bei einem Neuling? Oder auch nur vier Stunden in einem Beiwagen, wehrlos den Taten einer wildgewordenen Maschine ausgeliefert, die ein Ahnungsloser womöglich in einen Amoklauf hineinkitzelt? […] Ein Düsseldorfer Fahrlehrer geriet in noch schlimmere Verlegenheit als seine Kollegen, weil sein Körperumgang ziemlich groß war und er nicht in einen Beiwagen hineinpasste. […]

August Wurring wusste Rat.
Wenn nun der dicke Fahrlehrer seine Maschine wieder abholt, hat er ein Instrument in der Hand, das noch nie da war. Er wird nicht nur wie sein ‚Fahr-Säugling‘ auf dem hohen Ross sitzen, ohne sich mit engen Beiwagenwänden herumschlagen zu müssen, er wird nicht nur mit seiner eigenen Bremse und Kupplung schalten und walten können – er wird auch die Lenkung des Gefährts entscheidend an sich reißen können. Eine zweite Lenkstange im ‚Seitenross‘, durch einen ebenso einfachen wie wirkungsvollen Mechanismus mit der Lenkstange des motorbegabten ‚Hauptrosses‘ gekoppelt, gibt ihm die Möglichkeit in heiklen Lagen sich und seinen Zögling aus dem „Gewühl“ zu bringen.“

AWD - August Wurring Düsseldorf

August Wurring baute seit 1921 eigene Motorräder der Marke AWD (August Wurring Düsseldorf). Er hatte zuvor bei der DAAG (Deutsche Last-Automobilfabrik AG) in Ratingen (an der Bahnstraße) eine Lehre als Schlosser und Elektromechaniker abgeschlossen.
Von 1930 bis 1965 war seine Firma in Breitscheid an der Kölner Straße 32 beheimatet.

Heute betreut Wurrings Enkel, Thomas von der Bey, die Sammlung in den Originalräumen. Er führt die Werkstatt wie ein Museum.

Die AWD-Motorräder nahmen auch sehr erfolgreich an Rennen teil. Entweder fuhr August Wurring selbst oder andere Fahrer. Das Foto zeigt August Wurring am Start des "10 Kilometer-Rekord"-Rennens auf der Strecke von Wulfen nach Haltern am 20. April 1926. Dabei gewann er den 1. Platz mit der Tagesbest- und Rekordzeit von 4 Minuten und 52 Sekunden. Das entspricht rund 124 km/h.

mehr über AWD:

Susanne von der Bey, AWD – Eine Motorradfabrik in den Wirren der deutschen Geschichte, in: Die Quecke. Ratinger und Angerländer Heimatblätter, Nr. 65 (1995), S. 58-65
Ingo Leuchter, Jugendträume und klopfende Männerherzen inklusive. Zweiradsammlungen in Heiligenhaus und Ratingen-Breitscheid, in: Journal 23. Jahrbuch des Kreises Mettmann 2003/2004, S. 63-70
Frank Stamm, Mit halben Liter Sprit am weitesten gefahren. August Wurring und seine Motorräder, in: Journal 11. Jahrbuch des Kreises Mettmann 1991/92, S. 114-118
Johann Kleine Vennekate, Deutsche Motorräder der 50er Jahre, Lemgo 2002, S. 32-35
Zuständig