1945 – Kriegsende und Luftangriff in Ratingen

1945 – Kriegsende und Luftangriff in Ratingen

Am 22. März 2015 jährte sich zum 70. Mal der Luftangriff der Alliierten im Zweiten Weltkrieg auf Ratingen. Dieser Bombenangriff war der schwerste auf die Stadt. Besonders verheerend waren die Zerstörungen in der Ober-, Hoch- und Bahnstraße. Amerikanische Aufklärungsflugzeuge hatten am Vortag Ratingen und Umgebung fotografiert. Anhand dieser Aufnahmen wurde der Angriff vorbereitet und die Zielbereiche festgelegt. Die Bomber starteten am 22.3. kurz vor 8 Uhr morgens in Mendlesham und Great Ashfield, Ostengland, und erreichten Ratingen via Belgien um 12.15 Uhr.
Es könnten bis zu 75 Flugzeuge vom Typ B-17, „fliegende Festungen“ gewesen sein. Sie operierten im Rahmen eines größeren Angriffs in der Region, um den für den folgenden Tag geplanten Rheinübergang der Alliierten zu verschleiern. Insgesamt griffen ca. 2.000 Flugzeuge Ziele auf der rechten Rheinseite zwischen Düsseldorf und der Lippemündung an. Ratingen wurde wegen der vermuteten Konzentration von deutschen Truppen und Material ausgewählt. Vielleicht wurde aber auch die Strategie der Flächenbombardements zur Demoralisierung der Zivilbevölkerung fortgesetzt, nachdem zuvor die deutsche Luftwaffe in den ersten Kriegsjahren zahlreiche europäische Städte ebenso in Schutt und Asche gelegt hatte. Der Luftangriff dauerte nur eine Viertelstunde. An diesem Donnerstag wurden ca. 800 Sprengbomben und 47.000 Brandbomben über der Innenstadt und nördlich der Stadt im Bereich Haus zum Haus abgeworfen. Der Angriff erfolgte in 3 Wellen aus einer Höhe von ungefähr 7.000 Metern bei klarer Sicht.

In Ratingen wurden nach neuesten Erkenntnissen mindestens 118 Menschen getötet und 213 verletzt. 101 Gebäude mit 283 Wohnungen wurden vollständig zerstört. Unter den Opfern waren auch sieben Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Im Poensgenpark schlugen 23 Bomben ein und zerstörten das sog. Angerhaus. Darin starben die Frau des Gärtners, Hedwig Kops, mit ihrer sechsjährigen Tochter Ingrid, das Ehepaar Helmuth und Ursula Poensgen und ihr Betriebsdirektor Karl Josef Mirbach. Die Eheleute Poensgen waren zuvor von Düsseldorf ins vermeintlich sicherere Ratingen umgezogen.

Keine vier Wochen später, am 17. April 1945, rückten US-Soldaten kampflos in Ratingen ein und beendeten den Krieg hier.

Interessierte Besucher im Lesesaal beim Betrachten von Originaldokumenten
Interessierte Besucher im Lesesaal beim Betrachten von Originaldokumenten

Zum Luftangriff ist im Ratinger Forum, Nr. 6 (1999), ein umfassender Aufsatz vom Zeitzeugen Helmut Pfeiffer und der Archivleiterin Frau Dr. Münster-Schröer erschienen. Das Buch, es enthält weitere Aufsätze, ist im Stadtarchiv, Mülheimer Str. 47, für 6,00 Euro erhältlich oder unter Tel. 02102-550 4190 zu bestellen, E-Mail: stadtarchiv@ratingen.de.

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1945 – Luftangriff, Mord und Einmarsch. Die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs
in Romerike Berge. Zeitschrift für das Bergische Land, Heft 2/2015
Zuständig