Timm Ulrichs

Timm Ulrichs

Springer und Bauern, 2002

Kiefernholz

Höhe: 1,80 m

 

Timm Ulrichs wurde 1940 in Berlin geboren und studierte zwischen 1959 und 1966 an der Technischen Hochschule Hannover Architektur. 1972 wurde er zum Professor an die  staatliche Kunstakademie zu Düsseldorf berufen, in der er 2005 emeritierte. Heute lebt und arbeitet er in Hannover und Münster.

Die Arbeiten Ulrichs zeichnen sich durch ein interdisziplinäres und heterogenes Œuvre aus, beeinflusst durch das Ready-made Marcel Duchamps, welches Gegenstände der realen Welt zum Kunstwerk erklärt oder der dadaistischen Merzkunst Kurt Schwitters. Er weitet seinen Kunstbegriff deutlich über das produktiv geschaffene Kunstwerk aus und macht sein Leben, seinen Alltag, seinen eigenen Körper zum Subjekt seiner Kunst. Eine weitere Facette seines Schaffens ist das Spiel mit der Sprache, mit Tautologien, Paradoxien und Mehrdeutigkeiten

 

Gerne widmet sich Ulrichs der Aufgabe Kunst im öffentlichen Raum zu schaffen. Mit der Arbeit "Springer und Bauern" des "Ratinger Kunstwegs" greift er das Thema Spiel auf wie abermals im Jahr 2009 in der Ausstellung GAMESnogames.[1] Bei der dreiteiligen Figurengruppe, die für die Aufstellung im Angertal entworfen wurde, stellt er vieldeutige Verbindungen zwischen dem Namen des Werks und seiner Gestalt her, die die Freude des Künstlers am Spiel unterstreichen.

 

Die Gruppe besteht aus Schachfiguren, zwei Springer und einen Turm und nicht etwa - wie der Titel der Arbeit uns glauben macht – aus Bauernfiguren. In ihrer ursprünglichen Aufstellung im Außenraum unterhalb der Burg Gräfgenstein, wurde die Wiese schachbrettartig in 1,50 m x 1,50 m große Felder gemäht, so dass der Betrachter sich schon fast eingeladen fühlen durfte, eine Partie Schach zu spielen. Verstünde man die Skulpturen als tatsächliche Figuren eines Spiels, würde man allerdings schnell enttäuscht. Nicht nur die Größe der Figuren von 1,80 m lässt eine Partie nicht zu, auch ihre feste Verankerung auf einem Sockel steht dem entgegen.  

Durch das gewählte Format und die Erhebung der Figur auf den Sockel entfremdet Ulrichs das so vertraute Spielgerät der Realität. Dieses Verfahren durchzieht sein Werk in reichen Variationen, so erklärte er sich bereits 1991 selbst zu einem lebendigen Kunstwerk und ließ sich in einer Vitrine ausstellen.

 

Die Schachfiguren verblieben nicht lange an dem Standort, für den sie geschaffen wurden. Das gewählte Material erwies sich als ungeeignet für eine Aufstellung, bei der die Skulpturen ungeschützt der Witterung ausgesetzt sind. Nach einer Überarbeitung durch den Künstler werden sie nun erstmals wieder – mit neuer Konnotation – im Museum Ratingen gezeigt.

Madalina Rotter

 

 

Ursprünglicher Standort: Höhe Himmelbach am Wanderweg zwischen der Auermühle und dem Steinkothen, 40882 Ratingen

 

 

 

 

Literatur und Verweise:

 

Korte-Beuckers, C. , Kommunikationskonzepte in der Objektkunst der 1960er Jahre. Am Beispiel ausgewählter Arbeiten von Hans Peter Alvermann, Joseph Beuys, Peter Brüning, Otto Herbert Hajek, Kaspar Thomas Lenk, Timm Ulrichs, Wolf Vostell und Franz Erhard Walther. Münster 1999

 

Schnurr, A., Über das Werk von Timm Ulrichs und den künstlerischen Witz als Erkenntnisform, Analyse eines pointierten Vermittlungs- und Erfahrungsmodells im Kontext ästhetischer Bildung. Norderstedt: Books on Demand 2008.

 

weblink: www.situation-kunst.de/vortrag-timm-ulrichs.htm



[1]Ausstellung:  Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Bonn - 7. Juni – 26. Juli 2009

http://www.gkg-bonn.de/archiv/ausstellungen-2009/gamesnogames/index.html

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