Sprechen lernen

taz
In Kindergärten und Grundschulen fallen immer wieder Kinder auf, die besonders gut sprechen können und über einen großen Wortschatz verfügen. Werden deren Eltern nach den Ursachen dieser scheinbar besonderen Sprachfähigkeit gefragt, haben sie oft erst einmal keine großartige Erklärung. Bald stellt sich jedoch heraus, dass diese Eltern gerne und viel mit ihren Kindern sprechen und schon in der Babyzeit viel mit ihnen gesprochen, ihnen vorgesungen und Kinderreime aufgesagt haben. Auch Bilderbücher anschauen und vorlesen war ein wichtiges und fröhliches „Spiel" zwischen Eltern und Kind. Der Gedanke „mein Baby versteht ja noch gar nicht, wovon ich rede", kam diesen Eltern einfach nicht. Und das war gut so, denn Kinder lernen sprechen und bekommen ein Gefühl für den Aufbau der Sprache, wenn man mit ihnen spricht und zwar von Anfang an und in der Sprache, die einem vertraut ist.

Wenn Sie beim Füttern, Wickeln, Baden, Spazierengehen mit Ihrem Baby sprechen, ihm etwas von sich und der Welt erzählen und über Alltäglichkeiten plaudern, wird es irgendwann Laute bilden und so versuchen Ihnen zu antworten. Indem Sie darauf positiv reagieren, lernt Ihr Baby, dass es mit seiner Verständigung erfolgreich war und wird versuchen, seine sprachlichen Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Allein durch Ihre Bestätigung wird Ihr Baby motiviert, weiterhin Laute zu bilden und sich so mit Ihnen auszutauschen.

Und weil dieser Prozess des Spracherwerbs auf Wechselseitigkeit beruht, also auf sprechen und antworten (und nicht einfach nur zuhören), kann kein CD-Player mit den schönsten Kindergeschichten dieser Welt die Unterhaltung zwischen Eltern und Kind ersetzen. Kinder lernen nicht sprechen, indem sie ausschließlich einer Maschine zuhören. Sprechenlernen ist anstrengend und wird nur dann auch von einem Baby immer wieder geübt, wenn es nicht nur zuhören, sondern - auf altersgemäße Weise - auch antworten und etwas mit seiner Antwort bewirken kann (z. B. das Lächeln der Mutter oder des Vaters und eine Entgegnung auf seine Äußerungen).

Mit dieser Verständigung wird gleichzeitig - quasi ganz nebenbei - auch noch die Bindung zwischen dem Baby und seinen Bezugspersonen vertieft. Und warum das so wichtig für die Entwicklung Ihres Kindes ist, können Sie auf der ersten Seite dieses Kapitels unter dem Stichwort „Bindung" nachlesen.

Bindung als Basis für Vertrauen in sich selbst und in die Welt und Sprache als Möglichkeit, diese Welt zu gestalten und seine Gedanken und Gefühle auszudrücken, sind wesentliche Grundlagen für die Lernfähigkeit Ihres Kindes.

Stadt Ratingen - Amt für Kinder, Jugend und Familie - Barbara Sorgnitt

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