Die Welt entdecken im Spiel

oho

Erinnern Sie sich, was Sie als kleines Kind gern gespielt haben?

Was war das Besondere daran? Versunken sein im Spiel oder Spaß, aber auch Anstrengung spüren, Neues lernen, sich mit anderen abstimmen oder auch mal streiten? Die Erfahrungen, die Kinder im Spiel machen, sind unerschöpflich und helfen, die Welt zu entdecken und zu verstehen. Vielleicht erinnern Sie sich auch an Erwachsene, Eltern, Großeltern oder Kinder, die mit Ihnen gespielt haben? Spielen verbindet, wir lernen in Begegnung und Austausch mit anderen. Im Folgenden wird zunächst beschrieben, wie Babys oder kleine Kinder die Welt erkunden und wie Sie als Mutter oder Vater dabei hilfreich zur Seite stehen können.

 

Das Baby erkundet die Welt mit allen Sinnen

Ein Baby oder Kleinkind muss sich sicher und geborgen fühlen, damit es ohne Ängste und mit Entdeckerfreude seine Umwelt erkundet (siehe auch Kapitel Geborgenheit hier im Elternbegleitbuch). Eltern können dazu eine anregende und sichere Umgebung schaffen, jedoch  ohne zu viele Reize zu bieten. Die Eltern unterstützen das Baby am besten, wenn sie zum Beispiel seine Aktivitäten zunächst abwarten und über alles sprechen, was das Baby aktiv tut. So spürt das Baby ihr Interesse und sie fördern den späteren Spracherwerb. Waschen, Wickeln oder Füttern – alle Situationen können Anlass sein, mit dem Kind zu sprechen, über das, was Sie als Eltern gerade machen  oder was das Kind dabei sieht, fühlt oder wofür es sich in dem Moment interessiert.

Der nachfolgende Text entstammt der Internetseite http://www.kindergesundheit-info.de, eine empfehlenswerte Seite zu vielen Themen rund um das gesunde Aufwachsen der Kinder. Hier wird beschrieben, was das Baby braucht und was Sie als Eltern dazu beitragen. Vieles davon werden Sie als Mutter oder Vater bereitsintuitiv bemerken oder tun:

Alles Wichtige zum Spielen von Babys

Auch ein Baby will Beschäftigung: Spielen gehört zu den Grundlagen der gesunden Entwicklung eines Kindes. Von Anfang an. Hier das Wichtigste im Überblick.

 

Spielen - ein Grundbedürfnis Ihres Kindes

Ihr Baby möchte spielen und sich bewegen. Im Spiel entfaltet es seine Beweglichkeit, wird vertraut mit sich, mit Ihnen, mit den Dingen in seiner Umgebung. Spielen heißt für Ihr Baby: sich entwickeln.

  • Vor allem in den ersten Lebenswochen sind Gesicht und Stimme von Vater und Mutter für ein Baby attraktiver als jedes Spielzeug.
  • Auch danach braucht ein Baby eigentlich noch kein „echtes“ Spielzeug. Seine eigenen Hände und Füße, das Gesicht, die Hände und die Stimme seines Gegenübers sowie die unterschiedlichsten Dinge, die es greifen und mit Fingern, Mund und Augen „erforschen“ kann, sind ihm Spielzeug genug. Und nicht immer muss das Spielzeug gekauft sein: Alltagsdinge wie Rührlöffel, Schachteln und Dosen machen einem Babys ebenso Spaß.
  • Ein Baby braucht Anregungen sowie den Kontakt und die Nähe zu Mutter, Vater oder anderen Bezugspersonen. Mit dem Baby zu spielen ist der schönste Weg, ihm das zu geben: Streicheleinheiten und Körperkontakt gehören untrennbar zum Spielen mit Ihrem Baby.
  • Schon Babys brauchen eine gute Mischung aus Anregung und Ruhepausen und genießen es, da zu sein, wo sich das Familienleben abspielt.
  • Für kurze Zeitspannen (5 bis 10 Minuten) können sich viele Babys auch schon mal allein beschäftigen, wenn sie eine anregende Umgebung vorfinden (Mobile, Spielzeug zum Greifen und In-den-Mund-Nehmen usw.).
  • Achten Sie bei allen Spielsachen für Ihr Baby unbedingt darauf, dass es sich nicht verletzen oder gesundheitlichen Schaden nehmen kann. Bei gekauften Spielsachen das Prüfsiegel beachtenWichtig: Im Spiel probieren Kinder oft vielmals hintereinanderimmer wieder dieselben Dinge aus. Auf diese Weise kommen sie dahinter, wie Dinge funktionieren und zusammenhängen und beginnen, sie zu verstehen.

 

So können Sie die Spielfreude Ihres Babys unterstützen:

  • Bieten Sie Ihrem Baby Anregungen, die seinem Alter und Entwicklungsstand entsprechen.
  • Geben Sie ihm genügend Zeit und Gelegenheit, nach eigener Lust und Laune zu spielen und sich zu bewegen. Lassen Sie es selbst bestimmen, womit, wie und wie lange es sich mit etwas beschäftigt. Es möchte auf seine Weise „die Welt entdecken“.
  • Spielen Sie möglichst jeden Tag mit Ihrem Baby. Aber: Sie müssen Ihr Kind auch nicht ständig beim Spiel begleiten; so kann es gut lernen, sich selbst zu beschäftigen.
  • Verwöhnen Sie Ihr Baby bei allem, was Sie tun, mit Sprache. Das weckt ebenso wie ein anregendes Miteinander seine Sprechfreude: Begleiten Sie das Spielen mit Worten, erzählen Sie ihm, was Sie tun und was es selbst tut. Wiederholen Sie seine Laute und Silben, singen Sie ihm kurze Reime und Verse vor, wiederholen Sie kleine Melodien und Koseworte.
  • Lassen Sie Ihr Baby mit Sachen spielen, die es ausgiebig und gefahrlos auf seine Weise – vor allem auch mit dem Mund – erforschen kann.
  • Bieten Sie ihm Spielsachen, die ihm möglichst vielseitige Sinneserfahrungen ermöglichen: Dinge zum Befühlen, Farbiges, Glänzendes und Bewegliches zum Schauen, Rasseln, mit denen es Geräusche machen kann usw. Wichtig: Geben Sie ihm nichts, was laute Quietsch-, Knall- und Knackgeräusche macht, lassen Sie keine lauten oder gar lärmenden Sachen in seine Nähe und nie direkt ans Ohr. Das Gehör könnte dadurch nachhaltig geschädigt werden!
  • Spielen und Bewegung sind bei Babys oft eins. Spielen Sie mit Ihrem Baby Spiele, bei denen es vielfältige Bewegungserfahrungen machen kann – Bewegungen spürt und zum Bewegen angeregt wird. Geben Sie ihm viel Bewegungsfreiheit: Lassen Sie es ausgiebig strampeln und mit seinen Händen und Füßen spielen.
  • Überfordern Sie Ihr Baby nicht, beispielsweise durch zu viele Reize. Achten Sie beim Spielen auf seine Reaktionen: Wirkt es ängstlich? Zeigt es Zeichen von Müdigkeit oder Überforderung – es wendet zum Beispiel den Blick ab, gähnt, wird quengelig? Dann brechen Sie das Spiel ab. (Stand: 03.03.2014)“[1]

Wenn das Baby krabbelt und läuft, erweitert sich seine Selbständigkeit und der Radius, in dem es die Welt erkundet im Spiel. Die Zeitspanne, die es sich mit einem Ding beschäftigt, ist nun schon länger geworden. Das kleine Kind ahmt nun verstärkt nach, was Eltern, Geschwister oder andere Kinder tun: einen Löffel zum Mund führen, einen Becher allein halten oder bei der Hausarbeit „helfen“. Das Nachahmen ist eine wesentliche Lernform des Kindes. Es übt, die Dinge so zu gebrauchen, wie wir Erwachsenen. Die Pädagogen sprechen vom Funktionsspiel des Kindes. Danach folgt das sogenannte repräsentative (oder: so tun als ob) Spiel: das kleine Kind will zum Beispiel das Stofftier oder die Puppe füttern.

Spielen findet für das Kind überall statt: Wenn es draußen über eine kleine Mauer krabbelt oder klettert, einen Regenwurm beobachtet. Gerade in der Natur können Kinder vielfältige Erfahrungen machen, die überraschend sind und neu. Sie können damit Erfahrungen sammeln, die anders sind als das „pädagogisch wertvolle Spielzeug“, das von Erwachsenen ja vorgedacht wurde.

Spielen Mädchen anders als Jungen? In wissenschaftlichen Studien wurden in den ersten 1,5 bis 2 Jahren keine Unterschiede festgestellt. Wenn Mädchen sich eher mit „weiblichen“ Spielzeugen wie Puppen beschäftigen und Jungen mit Autos, so scheint dies überwiegend darauf zurückzuführen zu sein, dass sie diese von Eltern oder Umgebung bekommen. Ebenso wirken von Anfang an Effekte von Nachahmung. Allerdings ist bei älteren Jungen das Auskundschaften ausgeprägter und im Laufe der weiteren Lebensjahre lernen Kinder durch Nachahmen ihre Rolle als Mädchen oder Junge.

Im Alltag ist nicht immer Zeit, mit Ihrem Kind auf dem Bauteppich zu sitzen, aber oft genügt es ja, das kleine Kind zum Beispiel bei der Hausarbeit einzubeziehen. Dazu sagt der Autor und Professor für Kinderheilkunde, Remo H. Largo in seinem Buch „Babyjahre“: „Mit dem Kind zu spielen ist gut. Dem Kind Vorbild zu sein, in dem wir es in unsere Aktivitäten einbeziehen, ist besser.“ (Seite 305, ebenda)

Just sing!

Sicher haben Sie schon bemerkt, dass Ihr Baby auf vertraute Stimmen und Musik oder Geräusche reagiert und besonders aufmerksam wird. Es kennt Geräusche ja schon aus dem Mutterleib, insbesondere die Stimme der Mutter. Rhythmus kennt das Baby durch den Herzschlag der Mutter. Wenn Eltern ihr Baby beruhigen wollen, setzen sie oft intuitiv ihre Stimme ein, machen beruhigende Töne, summen leise und schaukeln es rhythmisch.

Vielleicht besuchen Sie eine Gruppe, in der Sie andere Eltern treffen. Oft werden hier einfache Schaukel- oder Schmuselieder gesungen. Auch wenn es Ihnen anfangs ungewohnt erscheint, dann könnte es Sie ja motivieren, wenn auch Experten empfehlen, mit Kindern im Alltag zu singen. So schreibt der Neurobiologe Professor Dr. Gerald Hüther auf seiner Homepage: „Singen ist Kraftfutter für Kinderhirne“. Beim gemeinsamen Singen kommt es zu komplexen Aktivierungen im Gehirn: Beispielsweise stimmen wir uns ein, eine Fähigkeit, die für das Miteinander im ganzen Leben eine wichtige Voraussetzung bietet. Singen löst positive Gefühle aus, die ins Leben begleiten. Musik kann unsere Stimmung verbessern, sie fördert aber auch Konzentration und das Einfühlungsvermögen.

Babys lernen, länger aufmerksam zu sein, wenn gesungen wird. Die Stimme der Mutter / des Vaters ist dabei das wichtigste, nicht der Gesang „aus der Konserve“. Beispiele für Lieder, Reime und Fingerspiele finden Sie auch unter „Spiele“ und auf der beigefügten CD hier imElternbegleitbuch.

Marita Nuttebaum, Evangelisches Familienbildungswerk der NeanderDiakonie, Ratingen

Tipps zum Weiterlesen:

  • Largo, Remo H.: „Babyjahre". Pieper 2015
  • Nitsch, Cornelia, Prof. Dr. Gerald Hüther: „Kinder gezielt fördern", Gräfe und Unzer.

 


Stadtwappen mit Schriftzug

Amt für Kinder, Jugend und Familie

Postanschrift:
Postfach 101740
40837 Ratingen

Büro:
Minoritenstr. 3
40878 Ratingen

2. Obergeschoss
Stadtplan