24.08.2015

Neue Chance für die Westbahn?

 
War das der Startschuss für neue Verhandlungen zur Reaktivierung der ehemaligen Weststrecke? Mit einer Referenzfahrt auf der einstigen Personenroute zwischen Düsseldorf und Duisburg - über Ratingen West, Tiefenbroich und Lintorf - wurde zumindest eindrucksvoll bewiesen: es geht! „Zeugen“ waren rund 70 Mitreisende aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, die der Einladung von Unternehmensverband Ratingen, Standortinitiative InWest und Stadt Ratingen zur Sonderfahrt mit einem historischen Zug am 19. August 2015 gefolgt waren.
 
Zum Hintergrund: Im September 1983 wurde der Personenverkehr der so genannten Weststrecke eingestellt. Seitdem ist die Diskussion um eine Wiederaufnahme nicht abgeklungen. Doch seit 2011 gilt das Vorhaben aus Kostengründen als „gestorben“, denn eine Machbarkeitsstudie war unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass es ohne den Neubau einer zweiten Tunnelröhre im Staufenplatztunnel sowie eines dritten Gleises nicht ginge. Bürgermeister Klaus Pesch: „Wir müssen uns von diesen beiden Totschlagargumenten lösen und möchten ein neues Gutachten unter neuen Gesichtspunkten erwirken. Wie die Fahrt gezeigt hat, brauchen wir weder ein drittes Gleis, weil die bestehenden Schienen reichen, noch müssen wir den Staufenplatztunnel durchfahren.“ Schließlich könne die Bahn südlich von Rath auf die Strecke der S6 eingefädelt werden, wo seit einiger Zeit nur noch im 20-Minuten-Takt (statt wie früher im 10-Minuten-Takt) gefahren wird und entsprechende „Slots“ für eine reaktivierte Westbahn möglich sein sollten. Thomas Frühbuss, Vorsitzender der 2012 gegründeten Standortinitiative InWest, ergänzt: “Es wäre schon ein großer Gewinn, wenn wir nur die Stoßzeiten bedienen könnten!“
 
Da die Straßen und Autobahnen rund um Ratingen immer häufiger verstopft sind, gleichzeitigt die Anbindung von Lintorf, Tiefenbroich und West an den Öffentlichen Personennahverkehr als unbefriedigend gilt, hätte eine schnelle Schienenverbindung zwischen Duisburg und Düsseldorf für Anwohner wie Beschäftigte erhebliche Vorteile. Olaf Tünkers, Vorsitzender des Unternehmensverbandes Ratingen (UVR), weist darauf hin, dass selbst die kurze Strecke zwischen Lintorf und dem Duisburger Süden mit dem ÖPNV kaum zu bewältigen ist: „Viele Mitarbeiter beklagen, dass die ÖPNV-Verbindung für diese relativ kurze Distanz umständlich und sehr zeitaufwendig ist. Daher steigen sie fast zwangsläufig auf das Auto um und stecken dann im Stau fest. Ich bin sicher, dass eine Anbindung ans Schienennetz für Ratingen ein weiterer wichtiger Pluspunkt für die Standortwahl der Unternehmen sein kann.“
  
Diese Aussage wird gestützt durch eine im Jahr 2012 vom UVR gemeinsam mit dem Kopernikus-Gymnasium Lintorf durchgeführte Umfrage bei den Ratinger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern: Demnach nehmen zwecks fehlender Alternativen 77% der Befragten für die Fahrt zur Arbeit das Auto, nur 8 % nutzen den ÖPNV und 6 % das Fahrrad. 
 
Wie geht es nun weiter in Sachen Westbahn? „Die Demonstrationsfahrt hat gezeigt, dass eine maßvolle Lösung auf vorhandenen Bahntrassen für den Personennahverkehr möglich ist“, fasst Bürgermeister Klaus Pesch für die Initiatoren zusammen. Erfreut hat er zur Kenntnis genommen, dass auch Vertreter des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) mit an Bord waren, ebenso Vertreter der Stadt Duisburg. Eindeutig positive Signale kamen bereits von der Stadt Düsseldorf: Klaus Lorenz, Referent für Verkehr im Büro des Oberbürgermeisters Geisel, und andere Stadtvertreter konnten zwar wegen einer wichtigen Ausschuss-Sitzung nicht an der Fahrt teilnehmen. Lorenz hatte aber bereits im Vorfeld im persönlichen Gespräch betont, dass Düsseldorf die Pläne zu einer Realisierung der Westbahn voll unterstütze.           
 
 
Wirtschaftsförderung
Stadt Ratingen
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