20.02.2015

Stadt sucht dringend Wohnungen für Flüchtlinge

Sporthalle Poststraße wird vorübergehend zur „Zwischenstation“ für knapp 40 Personen

Die rasant steigende Zahl von Flüchtlingen stellt die Städte und Gemeinden insbesondere bei der Unterbringung vor enorme Herausforderungen. Und die Welle neuer Asyl-Anträge reißt nicht ab: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) rechnet in diesem Jahr bundesweit mit bis zu 300.000 Personen, die einen Antrag auf Asyl stellen; nach vorübergehender Aufnahme in den Zentralen Aufnahmestellen der Länder werden diese nach einem festgelegten Schlüssel auf die Kommunen verteilt.

Ursache für die Vervielfachung der Asyl-Anträge sind die wachsende Zahl von Flüchtlingen aus den Bürgerkriegsregionen und Konfliktherden weltweit, insbesondere im Nahen Osten mit dem Schwerpunkt Syrien und Anrainerstaaten, daneben auch in der Ukraine sowie auf dem afrikanischen Kontinent. Weiterhin kommen zurzeit zahlreiche Antragsteller aus den Staaten des früheren Jugoslawien, aktuell sehr viele neue Antragsteller aus dem Kosovo, nach Deutschland. Die Unterbringung und die Betreuung dieser Personen sind Pflichtaufgabe der Städte und Gemeinden.

Legt man die Verteilungsschlüssel für NRW und für die Stadt Ratingen zu Grunde, werden auf der Basis der Zahlen des Bundesamtes der Stadt Ratingen im Jahr 2015 bis zu 300 Asylbewerber/innen zugewiesen. Schon im Jahr 2014 war die Zahl der untergebrachten Personen in Ratingen insgesamt auf knapp 500 angewachsen; angesichts der Steigerung um etwa 300 weitere Personen in diesem Jahr, also 60 Prozent, wird die Dramatik der Herausforderung deutlich.

Die Verwaltung hat in den zurückliegenden Monaten bereits viele neue Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen. Dabei wurde bewusst eine dezentrale Unterbringung gewählt, um den Menschen durch Kontakte in das Umfeld die Möglichkeit einer Integration zu geben. Ausdrücklich wurden Familien und Einzelpersonen sowohl in städtischen Wohnhäusern als auch in privaten Wohnungen untergebracht. Die große Zahl der anreisenden Menschen muss allerdings, und so sieht es auch die Asylgesetzgebung vor, grundsätzlich in Sammelunterkünften untergebracht werden. Schon ausgangs des Jahres 2014 hatte der Rat der Stadt Ratingen deshalb beschlossen, Am Sondert und Am Krumbachskothen neue Unterkünfte mit ca. 150 Plätzen neu zu bauen. Nach den nun vorliegenden Zahlen werden diese Plätze nicht ausreichen, so dass die Verwaltung beabsichtigt, dem Rat den Neubau weiterer Sammelunterkünfte vorzuschlagen.

Daneben versucht die Verwaltung, auch und gerade bei privaten Immobilien-Besitzern Räume zur Unterbringung von Flüchtlingsfamilien anzumieten. Gesucht werden Wohnungen unterschiedlicher Größe, die zu einem Mietzins von rd. 6,00 € pro Quadratmeter angemietet werden können. Besitzer von Häusern/Wohnungen können sich an das Amt für Soziales und Integration wenden (Ansprechpartner: Dirk Baumann, Tel. 02102-550-5015, E-Mail: Dirk.baumann@ratingen.de).

 

Dazu Bürgermeister Klaus Pesch: „Ich danke allen, die schon jetzt für die Unterbringung der zu uns kommenden Menschen Wohnungen und Räume zur Verfügung gestellt oder aktuell Zusagen gegeben haben. Unsere Stadt beweist damit, dass die Bürgerinnen und Bürger Ratingens bereit sind, in Not geratenen Menschen tatkräftig zu helfen.“

Gleichwohl ist es erforderlich, als Stadt auch für den Notfall gerüstet zu sein, dass die Zahl der zugewiesenen Asylantragsteller die Kapazitäten für die Unterbringung übersteigt. Die Stadt rüstet sich für diesen Fall, indem sie die Sporthalle an der Poststraße so einrichtet, dass dort vorübergehend und sozusagen als „Zwischenstation“ knapp 40 Personen aufgenommen werden können. Diese Möglichkeit hatte die Verwaltung bereits seit längerer Zeit ins Auge gefasst, sie kommt jetzt zum Tragen, weil sich die der Stadt Ratingen zugewiesene Personenzahl aktuell deutlich erhöht hat. Seitens der Stadt wird die Maßnahme als Notmaßnahme und Übergangslösung gesehen; sobald die neu geplanten Plätze in den Unterkünften zur Verfügung stehen, soll die Turnhalle wieder ihrem ursprünglichen Zweck dienen.

Die Vorbereitung der Turnhalle wird in der kommenden Woche (ab 23. Februar 2015) beginnen. Die Vereine, die dort bisher ihren Übungsbetrieb absolvierten, wurden bereits durch die Sportverwaltung informiert. Durch das Angebot alternativer Hallenzeiten konnte es gelingen, nahezu alle Übungszeiten in anderen Sporthallen in der Stadt unterzubringen. Angesichts der besonderen Situation bittet die Verwaltung alle Sportlerinnen und Sportler um Verständnis.

 

Büro des Bürgermeisters

Stadt Ratingen

Pressereferentin

Ulrike Trimborn 

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