27.08.2013

Jüdischer Friedhof wird zum „Ort der Erinnerung“ umgestaltet

Der Jüdische Friedhof an der Werdener Straße/Angerstraße wird zu einem „Ort der Erinnerung“ umgestaltet. Die Arbeiten hierfür beginnen in der kommenden Woche (voraussichtlich ab 2. September 2013) und sollen bis zum 9. November - wenn sich die Reichspogromnacht von 1938 zum 75. Mal jährt - abgeschlossen sein. Für das Vorhaben liegt eine denkmalrechtliche Erlaubnis vor.

 

Der Jüdische Friedhof gilt als ein wichtiges Zeichen jüdischen Lebens in Ratingen. Er wurde 1783 erstmalig in einem städtischen Ratsprotokoll erwähnt. Wann die letzte Bestattung auf dem jüdischen Friedhof stattfand, ist unbekannt.

 

Im Jahre 1937 wurde das Gelände von der Stadt Ratingen angekauft. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde der Friedhof geschändet, die Grabsteine wurden umgeworfen und beschädigt. Im Jahr 1946 wurde die Anlage in der heutigen Form auf Veranlassung des damaligen Bürgermeisters Gemmert neugestaltet. Diejenigen, die bis zur Verwüstung des Friedhofs dort bestattet wurden, wurden dabei nicht umgebettet. Die Fläche ist heute im Eigentum des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Nordrhein; die Pflege erfolgt durch die Stadt Ratingen.

 

Auch wenn heute keine Grabsteine mehr an den 230 Jahre alten Begräbnisplatz erinnern, ist die Anlage auch heute noch ein jüdischer Friedhof. Ein jüdischer Friedhof ist ein ewiger Friedhof mit den Besonderheiten, die sich aus den Gesetzen des Judentums  ergeben. Die dauerhafte Totenruhe gilt als unantastbar und Besucher legen traditionell statt Blumen in der Regel Steine auf das Grab.

 

Seit 1959 wird an der Werdener Straße durch die Stadt Ratingen der Novemberpogrome von 1938 gedacht. In diesem Jahr jährt sich das Ereignis zum 75. Mal. Aus diesem Anlass hatten sich der Landesverband der jüdischen Kultusgemeinden von Nordrhein und der Jüdische Kulturverein Ratingen e.V. an Bürgermeister Harald Birkenkamp gewandt und angeregt, den Friedhof zu einem Ort der Erinnerung umzugestalten.

 

Bürgermeister Birkenkamp hat den Vorschlag gern aufgegriffen und seine Unterstützung bei der Umgestaltung zugesagt. Unterstützt wird das Projekt auch durch die Ratinger Jonges und die Sparkasse HRV.

 

Geplant ist, den vorhandenen Gedenkstein zugänglich zu gestalten und auf dem Friedhof elf Platten mit der Aufschrift „Sachor“, übersetzt: „Gedenke“, auszulegen (sechs „Sachor“-Steine mit hebräischer Schrift und fünf „Gedenke“-Steine). Seitlich, rechts neben dem Gedenkstein, wird eine Tafel aus Stahl errichtet, auf der die Namen der deportierten und ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus Ratingen eingraviert werden.

 

 

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