18.10.2013

Neuzuwanderung und Willkommenskultur: Zweite Integrationskonferenz in Ratingen

Etwa 100 interessierte Teilnehmer nahmen am 9. Oktober 2013 an der zweiten Ratinger Integrationskonferenz zum Thema „Neuzuwanderung und Willkommenskultur“ im Freizeithaus West teil - darunter zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Verbände, der Migrantenvereine, der Verwaltung, des Rates und des Integrationsrates sowie ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit tätige Menschen.

 

In seiner Eröffnungsansprache erklärte der städtische Sozialdezernent Rolf Steuwe: "Integration ist eine gesamtstädtische Aufgabe und braucht aktives Handeln aller Beteiligten. Es sind gezielte Angebote zur Integration notwendig. Insbesondere die Anerkennung ausländischer Bildungs- und Berufsabschlüsse muss vereinfacht und vereinheitlicht werden."

 

Herr Prof. Klaus Bade, Historiker, Migrationsforscher und Politikberater, ging in seinem pointierten Vortrag auf das Thema „Willkommenskultur“ ein: „Die sechziger und siebziger Jahre waren gekennzeichnet durch die bis in die 90er Jahre anhaltende Erkenntnisverweigerung, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Zwei Drittel der Zuwanderer kommen heute aus Europa zu uns. Sie sind jung und überwiegend gut qualifiziert und entfliehen vielfach ihren krisengeschüttelten südeuropäischen Herkunftsländern Griechenland und Spanien. Ein größerer Teil der Zuwanderer kommt jedoch aus Osteuropa, Polen, Rumänien und Bulgarien und ist ebenfalls gut bis hochqualifiziert.“ Dennoch sei die Sorge groß, dass besonders ab der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit ab dem 1. Januar 2014 die Zahl der Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien sprunghaft ansteigen werde. Damit sei die soziale Balance und der soziale Friede, besonders in den Städten Frankfurt am Main, Offenburg, Mannheim, Köln, Hannover, München, Hamburg, Dortmund und Duisburg, gefährdet. Die in diesen Städten oftmals jetzt schon  entstandenen sogenannten Problemviertel und Problemhäuser belasteten die Etats der Kommunen zusätzlich.

 

Im weiteren Verlauf seines Vortrages unterschied Prof. Klaus Bade zwischen Willkommenskultur und Willkommenstechnik. Beispielsweise Leitfäden für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jobcenter zum Umgang mit Arbeitsmigranten stellen für ihn lediglich Techniken der Bürokratie dar. Willkommenskultur umfasse dagegen viel mehr: Die Einwanderinnen und Einwanderer müssten einen Paradigmenwechsel spüren von einer Abschottungskultur hin zu einer Willkommenskultur, die den ganzen Menschen und nicht nur seine Arbeitskraft in den Mittelpunkt stelle. Integration dürfe nicht länger nur unter dem ordnungs- und sozialpolitischen Aspekt betrachtet werden, sondern müsse sich am Grad der Beteiligung an den zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens orientieren

  

Zwischendurch lockerte Danko Rabrenovic - Journalist, Buchautor und Musiker aus dem ehemaligen Jugoslawien - die konzentrierten Zuhörer mit einigen Kostproben aus seinem musikalischen Repertoire auf und trug heitere und auch beklemmende Episoden aus seinem autobiografisch geprägten Buch vor, dass sich mit seinen Erfahrungen bei seiner Integration in Deutschland beschäftigt.

 

Professor Klaus Bade, Dagmar Argow (Regionalleiterin der NeanderDiakonie), VHS-Leiterin Claudia Stawick, Martin Sahler (Caritasverband Kreis Mettmann), Danko Rabrenovic, Barbara Hebel (Leiterin des Seniorentreffs Mitte) und Sozialdezernent Rolf Steuwe waren die Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion. Hier beschrieben Dagmar Argow, Martin Sahler und Claudia Stawicki die Angebote beider Verbände und der Volkshochschule im Bereich der Sprach- , Bildungs- und Integrationsförderung für Erwachsene und den Jugendmigrationsdienst. Sie machten deutlich, wie wichtig die Beherrschung der deutschen Sprache für eine erfolgreiche Integration ist. Darüber hinaus bietet die VHS eine Seminarreihe an, die die zugewanderten Menschen an die Kommunalpolitik heranführen soll.

 

Danko Rabrenovic merkte an, dass das Erlernen der deutschen Sprache allein die Integration nicht fördere. "Es ist ganz wichtig, im freundschaftlichen Kontakt zu deutschen Nachbarn und Kollegen das Gelernte anzuwenden." Rolf Steuwe verwies auf die Erfolge der Stadt Ratingen im Bereich der Integrationsförderung: das für Ratingen im Jahr 2010 erarbeitete und seitdem fortentwickelte Integrationskonzept, das im Dialog zwischen den Migrantengruppen, den Verbänden, der Politik und der Bevölkerung entstanden ist und Brücken schlägt zwischen den alteingesessenen Ratingern und den Zugewanderten. Ein Ergebnis sei die interkulturelle Öffnung der Verwaltung in der Weise, dass verwaltungsintern ein Sprachmittlerpool eingerichtet worden ist. "So können die Anliegen von fremdsprachigen Antragstellern in deren Herkunftssprache aufgenommen werden."

 

Nach so viel geistiger Kost genossen viele Teilnehmer zum Ende der Konferenz bei einem leichten Imbiss die anregenden Gespräche mit den Fachleuten.

 

Amt für Soziales, Wohnen und Integration 

Stadt Ratingen
Zuständiges Amt

 

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