01.10.2013

Mehr Flugbewegungen - mehr Fluglärm

Die Flughafenkommission des Rates der Stadt Ratingen hat sich am 1.10.2013 unter Vorsitz von Bürgermeister Harald Birkenkamp intensiv mit dem Vorhaben des Flughafens zur neuen Planfeststellung und den dazu in Kürze stattfindenden Bürgerinformationen auseinandergesetzt. Jede Mehrbelastung wird abgelehnt, die Lärmminderungsplanung lässt für Flugverkehr keinen weiteren Zuwachs zu. 

 

                                     Mehr Flugbewegungen - mehr Fluglärm

 

Der Antrag des Flughafens zur Kapazitätserweiterung geht eindeutig zu Lasten der Bürger.

 

Die bislang bekannt gewordenen Informationen über den geplanten Antrag der Flughafen Düsseldorf GmbH zur Kapazitätssteigerung beim Flugbetrieb am Düsseldorfer Flughafen versprechen für die vom Fluglärm betroffenen Ratinger Bürger nichts Gutes. Die Ausnutzbarkeit des vorhandenen Bahnsystems soll derart stark erweitert werden, dass jährlich ein Mehr an Flugbewegungen über Tag von etwa 20% entstehen kann. Eine solche Steigerung der Überflüge würde die Belästigung der Menschen durch den Flughafen erheblich erhöhen und zu Gesundheitsrisiken führen. Deshalb ist eine Ausweitung des Flugverkehrs in Düsseldorf abzulehnen.

 

Die an die Bürger in den vom Fluglärm belasteten umliegenden Gemeinden verteilte Informationsbroschüre „Verfahren zur Kapazitätserweiterung“ des Düsseldorfer Flughafens soll den Anwohnern die Einzelheiten des geplanten Antrags erläutern sowie auf die mögliche Bürgerbeteiligung hinweisen. Die Broschüre ist einseitig, verharmlost und lässt viele Fragen offen.

 

Die Flughafenkommission, in der Rat und Verwaltung der Stadt Ratingen Fragen zum Flugverkehr und zum Fluglärm behandeln, hat sich in Verantwortung gegenüber den Bürgern eingehend mit den Aussagen zu dem bevorstehenden Antrag befasst. Dabei zeigte sich, dass einerseits der Flughafen langfristig mehr Flugverkehr erreichen will, andererseits aber die negativen Konsequenzen für die Menschen und ihren Lebensraum nicht klar anspricht. Die Angaben zu den zukünftig möglichen Flugbewegungszahlen sind unzutreffend und die vorgesehenen Betriebsregeln sind nicht genannt. Beide Kriterien bestimmen aber sehr wesentlich die zukünftige Lärmbelästigung der Bürger.

 

In Ratingen wird der wirtschaftliche Nutzen des Flughafens Düsseldorf für die Region einhellig befürwortet. In gewissem Ausmaß müssen dadurch bedingte Beeinträchtigungen der Umwelt akzeptiert werden. Doch die Belastungen der Anwohner durch den Flugverkehr müssen für die Menschen in einem verträglichen Rahmen bleiben und dürfen nicht verharmlost werden. Erklärtes Ziel aus Ratinger Sicht ist es, dass Ökonomie und Ökologie in eine sinnvolle Balance gebracht werden. Hier lässt die Informationsbroschüre Fragen offen und verlangt nach mehr Klarheit und Objektivität.

  

Deshalb ist es wichtig, dass sich die Ratinger Bürger mit dem Thema beschäftigen und alle Informationsmöglichkeiten nutzen. Am 09.10.2013, 18:00 Uhr informiert der Flughafen in der Stadthalle Ratingen über den geplanten Antrag. Dort sollten die Bürger teilnehmen und ihre Fragen stellen.

 

Einzelne Punkte, die kritikwürdig sind oder hinterfragt werden müssen:

 

  •                       Für die geplante Kapazitätserweiterung stehen wirtschaftliche Aspekte als Begründung im Vordergrund. Auf die ökologischen Nachteile durch höhere Lärm- und Schadstoffbelastungen infolge von mehr Flugbewegungen wird nicht konkret eingegangen. Ein erhöhter Bedarf an Flügen wird nicht belegt.
  •                       Die Broschüre erweckt den Eindruck, dass für den Wirtschaftsstandort NRW nur ein Airport - nämlich DUS - existiert und wachsen muss, da sonst die Wirtschaft gebremst wird. Richtig ist, dass die Wirtschaft ein Luftverkehrskonzept braucht, das alle Flughäfen in NRW einbindet. Der stadtnahe Düsseldorfer Flughafen hat schon jetzt die Grenzen der Umweltverträglichkeit erreicht. Weiteres Wachstum geht eindeutig zu Lasten der vom Fluglärm betroffenen Bürger.                                         
  •                       Die angestrebte Steigerung der Flugbewegungen bei Parallelbahnbetrieb von 45 auf 60 Flugbewegungen pro Stunde bedeutet, dass 33% mehr Flüge in den nachfragestarken Stunden über Tag stattfinden können. Die daraus resultierende maximale Belastung wird vorwiegend in den Tagesrandzeiten frühmorgens sowie spätnachmittags und abends auftreten. In diesen Stunden ist aber das Ruhebedürfnis der Menschen am größten. Über die Häufigkeit und den Umfang, wann die volle Ausnutzung des Bahnsystems erfolgt, wird nichts ausgesagt.
  •                       Selbst bei einer zugegebenermaßen höheren Lärmbelastung durch mehr Flüge in den nachfragestarken Zeiten soll es nicht zu einer Vergrößerung der Schutzzonen kommen. Der Grund liegt in den rechnerischen Mittelungen bei der Berechnung des Dauerschallpegels. Hier müssen auch andere Bewertungskriterien berücksichtigt werden, die wissenschaftlich erarbeitet sind.
  •                       Als Kompensation für die zweitweise zu erwartenden erhöhten Lärmbelastungen in den nachfragestarken Tageszeiten, wird auf die Weiterführung des Lärmschutzprogramms über 2014 hinaus verwiesen. Wenn aber die Schutzzonen nicht größer werden, ist das „großzügige“ Angebot, die Zuschüsse weiterhin zu geben, eine Farce. Die Berechtigten in den bisherigen Schutzzonen dürften bereits in der Regel bedacht worden sein. Neue Berechtigte sind kaum zu erwarten.
  •                       Bisher besteht mit 131.000 Flugbewegungen in den sechs verkehrsreichsten Monaten eine feste Obergrenze für die zulässigen Flüge. Bezogen auf ein Jahr beträgt damit die maximal zulässige Anzahl an Flugbewegungen 262.000. Die festen Limitierungen werden ersatzlos gestrichen. Die zukünftige Höchstzahl an Flugbewegungen pro Jahr errechnet sich aus den Stundeneckwerten, den Betriebsstunden pro Tag mit der Verteilung auf Ein- oder Parallelbahnbetrieb und den 365 Tagen. Daraus resultieren zukünftig etwa 315.000 Flugbewegungen pro Jahr. Das ist ein Plus von rund 20%.
  •                       Es ist eine Verharmlosung, wenn man bei der Information der Bürger mittelfristig pro Jahr nur 252.000 Flugbewegungen prognostiziert. Denn dabei wird lediglich von einer 80%igen Ausnutzung des Bahnsystems ausgegangen. Sobald aber ein gegenüber heute deutlich höherer Flugbedarf besteht, wird erfahrungsgemäß die betrieblich genehmigte Anzahl an Flugbewegungen bis zu 100% ausgenutzt. Das heißt, die Zahl von 315.000 Flugbewegungen pro Jahr ist die maßgebende Vergleichszahl, um das Ausmaß der beabsichtigten Steigerung zu beziffern.
  •                       Flughafen und Flugsicherung wollen mit dem neuen Betriebskonzept mehr Flexibilität im täglichen Betrieb erreichen. Die vorgesehenen Regeln für den zukünftigen „flexiblen Betrieb“ werden konkret nicht genannt. Von diesen Regeln hängt es aber ab, wie sich die Flugbewegungen auf den Ein- oder Parallelbahnbetrieb in den 16 Tagestunden verteilen. Da die Häufigkeit der Überflüge zusammen mit der Lautstärke der Einzelschallereignisse die Lärmwirkung und damit die Belästigung der Menschen bestimmen, müssen die Betriebsregeln und vor allem auch die notwendigen Kontrollfunktionen dargelegt werden.
  •                       Die bislang genannten Neuregelungen der Flughafenentgelte sind so moderat, dass eine echte Abschreckung von Flügen in der Nachtzeit nicht anzunehmen ist.
Zuständiges Amt

 

Pressereferentin

Ulrike Trimborn 

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