9. Update zum Coronavirus: Alle Schulen, Kitas, Sportstätten und weitere Einrichtungen ab Montag geschlossen

Nach der Entscheidung der Landesregierung, alle Kitas und Schulen in NRW bis zum Ende der Osterferien zu schließen, hat der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) der Stadt Ratingen am Freitagabend getagt und eine Reihe von weit reichenden Ad-hoc-Beschlüssen gefasst. Ministerpräsident Armin Laschet hat in seiner Erklärung an die gesamte Bevölkerung appelliert, soziale Kontakte in den kommenden Wochen zu reduzieren, um besonders alte und geschwächte Menschen zu schützen. Vor diesem Hintergrund schließt die Stadt Ratingen ab Montag alle städtischen Sportstätten einschließlich der Eissporthalle, das Angerbad und das Allwetterbad Lintorf. Geschlossen bleiben ebenfalls ab Montag alle städtischen Seniorentreffs und Jugendzentren. Die städtische Musikschule und die VHS stellen ab Montag ihren Lehrbetrieb ein. In Schulen wird gemäß der Anweisung der Landesregierung eine Notbetreuung für Kinder von Eltern, die in unverzichtbaren Funktionsbereichen tätig sind, vorgehalten.

Der Erlass der Landesregierung sieht als erste Prämisse vor, dass Eltern für ihre Kinder eine Betreuung zu Hause organisieren. Die Schulen werden aber am Montag und Dienstag für eine Betreuung von Schülerinnen und Schülern sorgen, für die sich auf die Schnelle keine Betreuungsmöglichkeit ergibt. Auch danach wird es Betreuungsmöglichkeiten für Kinder der Klassen 1 bis 6 geben, diese sind aber für Eltern vorgesehen, die in unverzichtbaren Funktionsbereichen arbeiten. Dazu gehören Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal und weiteres Personal, das notwendig ist, um intensivpflichtige Menschen zu behandeln, sowie Eltern, die in Bereichen der öffentlichen Ordnung oder anderer wichtiger Infrastruktur arbeiten.

Analog zu den Regelungen in den Schulen richtet die Stadt Ratingen eine Notversorgung in jeder städtischen Kita ein. Auch hier gilt als erste Prämisse, dass die Kinder, wenn irgend möglich, zu Hause bleiben. Die Notversorgung soll, wie bei den Schulen, Kindern von Eltern aus systemrelevanten Berufen vorbehalten sein.

Bürgermeister Klaus Pesch bittet um Verständnis für die einschneidenden Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um die Ausbreitung des Coronavirus möglichst einzudämmen. „Ich weiß, dass wir den Menschen viel zumuten. Wir müssen es aber tun, um die gesundheitlich Schwächeren in unserer Gesellschaft nach Möglichkeit zu schützen. In dieser Krise müssen wir alle zusammenhalten, um Leben zu retten.“

Massive Schutzmaßnahmen, um Zeit zu gewinnen

Um die Ausbreitung der Erkrankung, die vor allem für ältere und gesundheitlich ohnehin geschwächte Menschen gefährlich ist, zu verlangsamen, werden zurzeit massive Schutzmaßnahmen angeordnet. Das oberste Ziel besteht darin, Zeit zu gewinnen, um das Gesundheitssystem nicht durch einen sehr plötzlichen Anstieg der Krankheitsfälle zu überfordern. Diesem Ziel diente auch der Erlass des NRW-Gesundheitsministers von Dienstag, in ganz NRW Veranstaltungen mit mehr als 1.000 zu erwartenden Besucherinnen und Besuchern grundsätzlich abzugesagen. Bei Veranstaltungen mit weniger als 1.000 zu erwartenden Besucherinnen und Besuchern muss geprüft werden, wie hoch das Risikopotenzial ist und ob sie stattfinden können oder nicht. Der Stab für außergewöhnliche Ereignisse, der am Mittwochnachmittag getagt hat, hat daraufhin eine Reihe von geplanten Veranstaltungen abgesagt. Weitere kritische Veranstaltungen werden geprüft.

Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems muss erhalten werden

Vom Grundsatz her bleibt es trotz der zuletzt dynamischen Entwicklung bei der Erkenntnis, dass die Krankheit bei den meisten Patienten einen leichten Verlauf nimmt. Leichter Krankheitsverlauf auf der einen Seite, weit reichende Schutzmaßnahmen wie Quarantäne oder Absage von Veranstaltungen, das passt nur scheinbar nicht zusammen. Da ältere und geschwächte Menschen gefährdet und das Virus zudem noch zu wenig erforscht ist, können die Auswirkungen einer Pandemie nicht ausreichend eingeschätzt werden. Daher haben die Gesundheitsbehörden bundesweit eine Pandemie-Strategie entwickelt, die sich in drei Phasen gliedert. Die erste, in der wir uns zurzeit immer noch befinden, ist die Eindämmungsphase. Darin geht es, kurz gesagt, vor allem darum, Zeit zu gewinnen. Dies ist erstens wichtig, um die Erforschung der Krankheit und möglicher Therapie- bzw. Schutzmittel voranzubringen. Und zweitens, um die aktuelle Hochphase der „normalen“ Grippewelle zu überbrücken. Diese bindet Kapazitäten in der medizinischen Versorgung, wird aber mit dem Frühling abebben. Die Corona-Epidemie dagegen voraussichtlich nicht. Würde man ihr jetzt "freien Lauf" lassen, würden die Krankheitsfälle innerhalb kürzester Zeit so in die Höhe schnellen, dass nicht alle Erkrankten ausreichend medizinisch versorgt werden könnten.

Daher wird zurzeit mit massiven Mitteln versucht, die Verbreitung der Krankheit zu verzögern. Das beinhaltet, dass Menschen in begründeten Verdachtsfällen, etwa bei einem Erstkontakt zu einem nachweisbar Infizierten, unter Quarantäne gestellt werden. In einigen Bereichen wäre so ein Szenario kritisch, etwa bei der Feuerwehr und den Rettungsdiensten. Daher werden bei der Feuerwehr Ratingen zurzeit alle Veranstaltungen verschoben bzw. abgesagt, an denen 30 oder mehr aktive Einsatzkräfte teilnehmen. Inzwischen wird auch eine Vielzahl von allgemeinen öffentlichen Veranstaltungen abgesagt, wenn ihr Risikopotenzial als hoch eingeschätzt wird. Dies ist, kurz gesagt, je eher der Fall, desto mehr Menschen teilnehmen, desto mehr von ihnen sich in einem fortgeschrittenen Alter befinden und desto enger sie bei der Veranstaltung in Kontakt zueinander treten.

Richtig Hände waschen

Als allgemeine Präventivmaßnahmen gibt das Kreisgesundheitsamt in Anlehnung an das Robert-Koch-Institut nach wie vor folgende Empfehlungen ab: Wie bei Influenza und anderen akuten Atemwegsinfektionen schützen auch vor dem Corona-Virus Husten- und Niesetikette, Abstand zu Erkrankten (ca. 1 bis 2 Meter) und vor allem eine gute Händehygiene. Häufiges Händewaschen (mit Seife, mindestens eine halbe Minute lang, alle Bereiche einschließlich Handrücken, Fingerzwischenräume und unter den Nägeln schrubben) ist deshalb wichtig, weil dabei 99 Prozent der Keime auf den Händen entfernt werden. Daher sind Desinfektionsmittel für die Hände nicht erforderlich und werden von den Gesundheitsbehörden auch nicht empfohlen. Auch sollte man es vermeiden, allzu viel anzufassen und vor allem, mit den Händen Gesichtspartien zu berühren. Denn erst wenn die Erreger die Schleimhäute erreichen, infiziert man sich. Diese Maßnahmen sind auch in Anbetracht der Grippewelle überall und jederzeit angeraten.

Bei einem begründeten Verdacht (Symptome, Teilnahme an einer Veranstaltung, an der auch Infizierte teilgenommen haben) sollte der Hausarzt konsultiert werden, allerdings unbedingt zunächst telefonisch. Die Empfehlungen richten sich dabei streng nach den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts RKI www.rki.de, hier gibt es laufend umfassende und aktuelle Informationen.