15.04.2015

Gedenktafel für Kriegstote auf dem Waldfriedhof

Gräberfeld
Das Gräberfeld auf dem Waldfriedhof mit ausländischen Opfern von Krieg und NS-Terror (überwiegend Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, aber auch Zivilisten und Wehrmachtsangehörige)

Sie waren die vermutlich letzten Opfer des Naziterrors in Ratingen: Jene elf Zwangsarbeiter, die wenige Tage vor Kriegsende und Kapitulation von der Gestapo im Kalkumer Wald exekutiert wurden. Auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung waren sie Anfang Mai 1945 aus einem Bombentrichter geborgen und vor der Kirche St. Peter und Paul beigesetzt worden. Drei Jahre später wurden sie auf den Waldfriedhof umgebettet. Vor St. Peter und Paul erinnert seit 1999 eine Skulptur samt erläuternder Gedenktafel an diese Opfer. Auf dem Waldfriedhof steht ein Mahnmal mit der Aufschrift „Hier ruhen 75 Tote des Krieges 1939-45 fern ihrer Heimat“.  Mit einer Plexiglas-Tafel soll dort jetzt zusätzlich auf die ermordeten Zwangsarbeiter hingewiesen  und die aufgrund von Nachforschungen namentlich bekannten auch ausdrücklich erwähnt werden: „Bernhard Fladerrack, Jan Johannes Frikke und Simon Zoelli aus den Niederlanden, Alex Kortum aus Russland, Ladimir Snihur aus Polen und Josefa Paplowitsch aus der Ukraine.“ Die Tafel soll bis zum 70. Jahrestag der Befreiung am 8. Mai 2015 angebracht werden.  

 

Ergänzt wird der Text auf der Plexiglasscheibe durch den Hinweis, dass auch viele der anderen Toten auf diesem Gräberfeld am nördlichen Rand des Friedhofs Zwangsarbeiter waren, die durch Entkräftung, Krankheit oder infolge von Kriegshandlungen ums Leben kamen. „Ähnliche Tafeln aus Plexiglas finden sich auf dem jüdischen Friedhof an der Werdener Straße sowie an vielen historischen Gebäuden der Stadt, so dass sich ein einheitliches Erscheinungsbild dieser Erinnerungszeichen ergibt“, sagt Historikerin und Stadtarchivarin Erika Münster-Schröer.

 

Der Text der Inschrift wurde mit der katholischen  und evangelischen Kirchengemeinde, dem Ratinger Heimatverein und dem Volksbund für Kriegsgräberfürsorge (VdK) inhaltlich abgestimmt. Der VdK begrüßt die Installierung der Hinweistafel besonders – kommt sie doch seinem „Projekt Legendentafel“ entgegen,  an möglichst vielen Kriegsgräbern Erläuterungen anzubringen. Auch Bürgermeister Klaus Pesch sieht in der Ergänzung zum Gedenkstein  ein Zeichen gegen das Vergessen: „Das ist ein wichtiger Beitrag für eine Erinnerungs- und Gedenkkultur, die in Ratingen auch in Zukunft intensiv gepflegt werden soll.“

 

Der Ratinger Heimatverein regt darüber hinaus an, etwa mit Hilfe eines Flyers zusätzliche Informationen über die Kriegsgräber anzubieten, die Gedenksteine und Tafeln allein nicht leisten könnten. Als Maßnahme der historischen Bildungsarbeit wären auch thematische Führungen über den Friedhof denkbar. Der Verein will sich dabei mit seinen Mitgliedern aktiv einbringen.

 

Auf dem Waldfriedhof sind zwei große Gräberfelder für Kriegstote angelegt: In dem einen, unweit des Haupteingangs,  ruhen die Opfer mit deutscher Nationalität – überwiegend die beim Luftangriff im März 1945 umgekommenen Ratinger, aber auch die 28 Toten, die im Januar 1945 von vier Luftminen auf der Hochstraße getötet wurden. Auf dem anderen Gräberfeld am nördlichen Rand des Friedhofs wurden die Opfer mit nichtdeutschen Staatsangehörigkeiten bestattet: zahlreiche Zwangsarbeiter vor allem aus Russland und Polen, ausländische Soldaten und Zivilpersonen.

 

Büro des Bürgermeisters
Stadt Ratingen

Gedenkstein
Gedenkstein mit Inschrift, der durch eine Erläuterungstafel ergänzt werden soll.
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Ulrike Trimborn 

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