10.03.2015

Wiederaufbau des Poensgenparks

Wenige Minuten haben gereicht, um den Lieblingspark der Ratinger für Jahrzehnte zu verändern: Als  Pfingsten vergangenen Jahres der Orkan „Ela“ über Ratingen hinwegfegte, hat er den Poensgenpark mit voller Wucht getroffen. Bäume mit mannshohen Wurzeltellern knickten wie Streichhölzer um und beschädigten beim Sturz die Kronen von Nachbarbäumen. Die historische Kastanienallee wurde in großen Teilen zerstört. Der Orkan fällte viele der über 100 Jahre alten Bäume im Park, darunter wertvolle Exemplare wie die alte Sumpfeiche auf der großen Wiese sowie zwei Schwarzpappeln unweit des Reisesteins. Auch eine der letzten beiden historischen Linden fiel dem Sturm zum Opfer und hat im Fallen die zweite Linde in der Krone beschädigt. Im Bereich des Waldparks riss das Unwetter die vormals geschlossenen Laubdächer an vielen Stellen auf. Manfred Fiene, dem Leiter der Kommunalen Dienste, blutete das Herz angesichts der Verwüstungen des Parks, der wochenlang unpassierbar war. Nach den Aufräumarbeiten wurde nicht nur eine Bestandsaufnahme der Schäden gemacht, sondern auch ein Landschaftsarchitekt beauftragt, den Wiederaufbau zu planen. Sein Konzept liegt jetzt vor.

 

Einfach Ersatzbäume zu pflanzen geht nicht: Der Poensgenpark steht seit 1997 unter Denkmalschutz und zählt zu den wichtigsten Parkanlagen im Rheinland. Bei der Instandsetzung müssen deshalb die gartendenkmalpflegerischen Aspekte angemessen berücksichtigt werden. Klar ist aber auch: Der künftige  Poensgenpark wird für längere Zeit anders aussehen als früher. Fiene: „Langfristig streben wir die 1:1-Wiederherstellung an. Das dauert aber seine Zeit, bis alles nachgewachsen ist. Vor Ela  hatten wir hier einen teils 100- bis 130-jährigen Baumbestand.“  Ein Drittel davon wurde  zerstört.

 

Besonders heftig hat der Orkan die historische Kastanienallee getroffen. Neben den schweren  Sturmschäden haben Vorschädigungen durch die Miniermotte den Bäumen so heftig zugesetzt, dass eine komplette Neubepflanzung der Allee empfohlen wird – mit Winterlinden. Wegen des fast durchgängigen Schädlingsbefalls hätten Kastanien „keine Perspektive“, begründet der Experte. Er empfiehlt, wegen der großen Bedeutung für die Parkanlage zwei Altbäume am Ende der Allee als „Erinnerungsbäume“ zu erhalten, auch wenn dies mit hohem Pflegeaufwand verbunden sei. Auch die schwer in Mitleidenschaft gezogene historische Ahornallee soll wieder hergestellt werden. Diese Allee zählt zu den ältesten Strukturen der Parkanlage und ist bereits auf Plänen aus dem 19. Jahrhundert dargestellt. Hier bieten die Sturmschäden einen Neuaufbau von Grund auf. „Das ist eine einmalige Chance, wieder ein einheitliches Alleebild zu bekommen“, sagt Fiene.

 

Eine Herausforderung werden auch die Ersatzpflanzungen für die umgestürzten Solitär- und Gruppenbäume auf den Parkwiesen, die an den gleichen Standorten nachgepflanzt werden. Vor allem die für den Park typischen Raritäten (geschlitztblättrige Buche, Färbereiche, Trompetenbaum)  sollen künftig wieder die Anlage zieren. Auch die mächtige Atlaszeder, die wegen Pilzerkrankung bald gefällt werden muss,  sollte unbedingt nachgepflanzt werden. In Einzelfällen – wie bei der Pappelgruppe am Ende der Kastanienallee -  könnten die vom Orkan gerissenen Lücken erhalten bleiben, rät der Landschaftsarchitekt. Bei den großflächigen Sturmlöchern im Parkwald biete sich dagegen an, einen möglichst artenreichen, gestuften Bestand aufzubauen: eine ausgewogene Mischung von Bäumen, Sträuchern und einer Krautschicht.

 

Die Arbeiten im denkmalgeschützten Park erfordern ein behutsames Vorgehen: viel Handarbeit und kleines Gerät. Das verursacht natürlich höhere Kosten. Für die Beseitigung aller Sturmschäden und die Wiederherstellung werden rund eine halbe Million Euro kalkuliert. Darin ist die Instandsetzung von Wegen und Brücken enthalten.

 

Mit der nun vorgelegten Drucksache – die auf der Homepage der Stadt über das Ratsinformationssystem aufgerufen werden kann – wird sich der Stadtrat in seiner Sitzung am 24. März befassen. Vorbehaltlich seiner Zustimmung sollen die  eingegangenen Spenden und Landesmittel in Höhe von gut 40 000 Euro in einem ersten Bauabschnitt  für erste Nachpflanzungen im Herbst verwendet werden. Die Verwaltung schlägt vor, die weiteren Wiederherstellungsmaßnahmen schrittweise in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt in den Jahren 2016/17 auszuführen.  Die privaten Spenderinnen und Spender werden übrigens  auf einer Hinweistafel im Eingangsbereich Brügelmannweg gewürdigt.

Pressereferentin

Ulrike Trimborn 

Telefon 02102 550-1063 
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