02.04.2020

Bürgermeister Klaus Pesch zur Corona-Krise: Wir müssen zusammenhalten und Geduld haben

Liebe Ratingerinnen, liebe Ratinger,

seit drei Wochen leben wir im Ausnahmezustand. Erst wurden wegen des Coronavirus die Schulen und Kindergärten geschlossen, dann folgte das allgemeine Kontaktverbot. Wir alle müssen Abstand voneinander halten. Wir müssen auf vieles verzichten, was uns lieb und vertraut ist: auf Gottesdienste und Fußballspiele, auf Konzerte und Theateraufführungen, auf Einkaufsbummel und Friseurbesuche, kurz: auf das, was unsere Gesellschaft eigentlich zusammenhält und stark macht, das Erlebnis von Gemeinsamkeit. Kein Treffen mit Freunden, kein Restaurantbesuch, kein Ausflug, nicht einmal ein Besuch bei den Enkelkindern ist möglich oder jedenfalls nicht empfehlenswert.

Solidarität mit allen, die durch das Virus besonders gefährdet sind

Denn gerade unsere Seniorinnen und Senioren sind durch die vom Coronavirus verursachte Krankheit Covid-19 besonders gefährdet. Die meisten Opfer, die Covid-19 weltweit gefordert hat, hatten ein hohes Alter oder waren durch Vorerkrankungen geschwächt. Unsere Eltern und Großeltern, unsere Freunde und Verwandten, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Atemwege, Nieren oder Leber, an Diabetes, Krebs  oder einer Immunschwäche leiden, sie sollten möglichst nicht angesteckt werden. Und wenn es doch passiert, was bei diesem hochinfektiösen Virus nicht ausgeschlossen ist, sollte die bestmögliche medizinische Versorgung für sie zur Verfügung stehen.

Daher ist es so wichtig, dass wir uns jetzt alle an die neuen Verhaltensregeln halten und damit die Ausbreitung des Virus verlangsamen. Ohne Einschränkungen des öffentlichen Lebens würde die Zahl der schwer Erkrankten in kürzester Zeit in die Höhe schnellen und unsere Krankenhäuser völlig überlasten.

Herzlicher Dank an Bürgerinnen und Bürger

Nach zehn Tagen „Kontaktverbot“ kann ich voller Dank und Respekt feststellen: Die überwältigende Mehrheit der Ratingerinnen und Ratinger hält sich vorbildlich an die Einschränkungen. Natürlich registriert unser Ordnungsdienst, den wir zur Überwachung der Verordnung deutlich aufgestockt haben, einzelne Verstöße, aber im Großen und Ganzen decken sich seine Berichte mit dem, was ich selbst Tag für Tag beobachte: Die Ratinger sind diszipliniert und verantwortungsvoll.

Das stimmt mich zuversichtlich, dass wir einigermaßen heil durch diese Krise kommen. Denn leider, das muss ich an dieser Stelle betonen, sind wir noch lange nicht durch. Die aktuellen Einschränkungen gelten bis zum 19. April. Ich bitte Sie dringend, sich weiterhin daran zu halten!

Ich verstehe sehr gut, dass einem die Decke auf den Kopf fallen kann, dass die Gemeinschaft und das normale Leben fehlen. Gleichzeitig weiß ich, dass sehr viele Zahlen über Erkrankungen, Neuinfektionen, Todesfälle oder Dunkelziffern kursieren. Diese Zahlen sind aber sehr schwer zu bewerten. Es kann zum Beispiel sein, dass in den nächsten Tagen die Zahl der Erkrankungen weniger stark ansteigt oder gar stagniert, gleichzeitig aber deutlich mehr Menschen mit schweren Symptomen ins Krankenhaus müssen. Denn schwere Symptome treten eher in einem späteren Stadium der Erkrankung auf, und da der Ausbruch bei uns noch nicht lange zurückliegt, kommen die schweren Fälle noch.

Das Coronavirus wird am 19. April noch nicht besiegt sein

Es ist daher wirklich wichtig, dass wir bis zum 19. April die Ausbreitung des Virus so weit wie möglich eindämmen. Wie es danach weitergehen könnte, wird im Moment zwar viel diskutiert, aber eigentlich fehlt die Grundlage für eine solche Diskussion. Denn noch können wir nicht zuverlässig sagen, welche Wirkung die Einschränkungen haben werden.

Nur eins ist sicher: Wir werden das Virus bis dahin nicht besiegen können. Experten sind sich sicher, dass es sich weiter ausbreiten wird, bis sich etwa zwei Drittel der Bevölkerung angesteckt haben. Oder bis ein wirksamer Impfstoff gefunden wird, was aber nach seriösen Schätzungen wohl nicht vor 2021 der Fall sein kann.

So lange können wir nur versuchen, die Ausbreitung in Schach zu halten, damit unser Gesundheitssystem jederzeit alle Erkrankten bestmöglich versorgen kann. Selbst wenn also zum 20. April ein Teil der Verbote zurückgenommen werden sollte (was nicht sicher ist), werden einige Einschränkungen bleiben müssen. Und wir alle müssen uns noch lange Zeit verantwortungsvoll verhalten.

Stadt hilft auf vielen Ebenen

Auch ganz persönlich empfinde ich es so, dass dieses Virus uns unglaublich viel abverlangt. Die unbeschwerte Freiheit, in einem gewissen Rahmen zu tun und zu lassen, was man gern möchte, das macht einen großen Teil unserer Lebensqualität aus. Da müssen wir jetzt in einem Maße zurückstecken, das noch vor vier Wochen unvorstellbar war. Der Verlust an Lebensfreude, die Angst um die Gesundheit, bei vielen gepaart mit wirtschaftlicher Not, das sind extreme Begleiterscheinungen der Pandemie, die wir unbedingt jederzeit im Blick haben müssen.

Bund und Länder haben milliardenschwere Hilfsprogramme aufgelegt. Auch die Stadt Ratingen hilft, wo sie kann. Der Rat der Stadt hat am 31. März eine ganze Reihe von Ad-hoc-Beschlüssen gefasst, die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen auf vielen Ebenen entlasten:  Befreiungen von städtischen Gebühren und Beiträgen, Stundungen, Verzicht auf Vollstreckungen.

Für Seniorinnen und Senioren, die sich besonders schützen müssen, wurde ein „Corona-Telefon“ eingerichtet, das gern in Anspruch genommen wird. Die Mitarbeiterinnen in den städtischen Seniorentreffs, die während des Kontaktverbots geschlossen bleiben müssen, sind die idealen Gesprächspartnerinnen für Anruferinnen und Anrufer, die etwas wissen wollen, nicht selbst einkaufen können oder einfach nur Zuspruch brauchen.

Riesige Solidaritätswelle in der ganzen Stadt

Darüber hinaus bin ich geradezu überwältigt von der riesigen Solidaritätswelle, die quer durch Ratingen geht. Seien es Nachbarschaften oder Kirchengemeinden, Sozialverbände oder andere Vereine, Zeitungen oder Facebook-Gruppen, Firmen oder einzelne Bürger – überall begegnet einem Hilfsbereitschaft, gepaart mit einer bemerkenswerten Kreativität, wie man Aktivitäten, die zurzeit nicht möglich sind, ersetzen kann. Vielen, vielen Dank dafür!

Lassen Sie uns diesen Weg weitergehen, so schwer er auch werden wird, dann wird unsere Gemeinschaft nach der Krise womöglich stärker sein als davor!

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte in eigener Sache sagen: Sie als Ratinger Bürgerinnen und Bürger haben auch in der Krise das selbstverständliche Anrecht, dass die Verwaltung funktioniert.  Das tut sie, auch wenn wir mit Rücksicht auf Ihre Gesundheit und die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Publikumsverkehr einschränken mussten. Es ist auch in anderer Beziehung kein normales Tagesgeschäft. Der Arbeitsaufwand in den einzelnen Fachbereichen hat sich extrem verschoben. Einige Kolleginnen und Kollegen arbeiten seit einigen Wochen über dem Limit. In ständigen Beratungen hat der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) unter Leitung des Ersten Beigeordneten Rolf Steuwe und koordiniert durch unseren Feuerwehrchef René Schubert eine Reihe von organisatorischen Maßnahmen eingeleitet, die dazu beitragen sollen, dass der „Laden weiterläuft“. Ich möchte an dieser Stelle allen Kolleginnen und Kollegen herzlich danken, die unter den herrschenden schwierigen Bedingungen bereitwillig weit mehr als Dienst nach Vorschrift machen.

In gleichem Maße gilt das natürlich für alle anderen, die im Kampf gegen Corona an vorderster Front tätig sind: in Krankenhäusern, in der Pflege, an der Supermarktkasse und in vielen anderen Bereichen.

Bleiben Sie gesund!

Gemeinsam schaffen wir es durch die Krise!

Herzlichst

Ihr Klaus Konrad Pesch