Medienzentrum - Kleine Marie

Kleine Marie

Die Odyssee der Kleinen Marie

ZUM HERZEN JESU WALLET
SOOFT MEIN RUF ERSCHALLET

(Inschrift auf der Kleinen Marie, der ersten Glocke von Herz-Jesu)

Seit dem 1.2.2005 hat die Stadtbibliothek einen neuen Anziehungspunkt. Bei der Heimatkunde im 1.OG, am Peter-Brüning-Platz 3, steht eine Glocke, circa 150 Kg schwer, mit einem Durchmesser von 47 cm, in einem schönen alten Holzgerüst 100 x 130 x 220 cm.

Von den Mitarbeitern hat sie mittlerweile einen liebevollen Namen erhalten, Kleine Marie ruft man sie.

Bis sie hier ihren Platz finden konnte, hatte die Kleine Marie viel Geschichte gehört.

Die Glocke wurde 1927 von F. Otto in Hemelingen (bei Bremen) gegossen und von der Pfarre St. Peter und Paul erworben. Bald darauf wurde sie der in der Gründung stehenden Pfarre Herz-Jesu geschenkt. Wahrscheinlich ist, dass sie speziell für Herz-Jesu gegossen wurde, da Herz-Jesu eine Tochtergründung von der ältesten Pfarrkirche in Ratingen, St. Peter und Paul ist, genau wie deren andere 4 Tochtergründungen St. Marien, St. Josef, Heilig Geist Kirche und St. Suitbertus. Ebenso legt der Text der Inschrift um die Glocke eine Auftragsarbeit, bestimmt für die Pfarre Herz-Jesu, nahe.

Bei der Weihung der Kirche Herz-Jesu am 9.6.1929 war sie eingebaut und die erste Glocke. 1933 wurden drei neue Glocken für Herz-Jesu angeschafft und die kleine Marie kam nicht mehr zum Einsatz.

Nach 1933 wurde das Glockentrio von den Nazis zu Kriegszwecken aquiriert. Ob die 3 neuen Glocken allerdings tatsächlich eingeschmolzen wurden, ist noch immer Streitfrage zwischen den Experten. Vielleicht aber erklang in dieser Zeit noch einmal die Kleine Marie mit ihrem Ruf zu Jesu Herz...

Zunächst hatte die Pfarrgemeinde in Eggerscheidt, auch eine Filialgemeinde von St. Peter und Paul, ihre Gottesdienste in einem abgetrennten Raum der Gaststätte Kessel am Pött abhalten müssen. Dort hatte sie auch ihren Altar aufgebaut. In den 50er Jahren ergab sich die Möglichkeit des Umzugs in das Gemeindehaus, jetzt Kinder- und Jugendtreff / Seniorentreff, Hölenderweg 51, direkt neben der Feuerwehr. Dorthin verlieh der damalige Pfarrer von Herz-Jesu, Heinrich Roth, die Glocke an die Pfarrgemeinde Eggerscheidt. Die Glocke wurde auf dem Dach des jetzt umgebauten Städtischen Gemeindehauses aufgestellt. Im selben Haus wurde später auch eine Gemeindebücherei eingerichtet, die 1975 mit der Eingliederung Eggerscheidts nach Ratingen in das städtische Büchereisystem eingegliedert wurde, das heute noch die Stadtbibliothek Ratingen bildet.

Als dann in den 80ern die Eggerscheidter Pfarrgemeinde nach Hösel zu St. Bartholomaeus umgemeindet wurde, veranlasste Pfarrer Heinrich Roth die Rückführung der Glocke, den Bau des Holzgestelles, in dem sie jetzt noch aufbewahrt hängt, und letztlich 1983 die Leihgabe ans Museum der Stadt Ratingen.

Das Stadtmuseum lagerte die Glocke im Depot in Homberg, hinter dem Friedhof. Als das Depot aufgelöst werden musste, wurde ein neuer Standort gesucht: Seit dem 1.2.2005 steht die Kleine Marie in der Heimatkunde-Abteilung der Stadtbibliothek Ratingen.

Diese kleine Rekonstruktion beruht auf mündlichen Mitteilungen des Ratinger Heimatforschers Friedhelm Kipp, dem hiermit herzlich Dank gesagt ist. Sicherlich lässt sich noch Einiges genauer erforschen und anderes Unerwartetes entdecken. Erstaunlich ist z.B., dass die Kleine Marie die Kriegswirren überstanden hat und nicht zu Kriegszwecken verwendet wurde.

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