Robert Hartmann

Hartmann

Hasentangente Ost-West, 2002
Eisen, verzinkt, teilweise lackiert, auf Betonsockel
Höhe: 1,80 m (ohne Sockel)

Robert Hartmann, geboren 1949 in Seßlach in Oberfranken, ist vorrangig Maler, aber auch Bildhauer, Zeichner und Aktionskünstler. Von 1967 bis 1969 studierte er zunächst an der Würzburger Werkkunstschule, ehe es ihn an die Düsseldorfer Kunstakademie zog. Dort lernte er bis zu seinem Meisterschülerabschluss 1974 bei Karl Otto Götz, Ole John Pouvlsen und Joseph Beuys. Bereits während seiner Studienzeit erkannte er die inspirierende und produktive Wirkung von Künstlergemeinschaften. Zwischen 1969 und 1973 war er Mitglied der Gruppe „YIUP“, eines Zusammenschlusses von rund fünf Beuys-Schülern, die insbesondere den Personenkult um ihren Lehrer mit Satire-Aktionen ins Lächerliche zogen. 1982 gründete er gemeinsam mit Werner Reuber, Ulrike Zilly und Nils Kristiansen das Künstlerkollektiv „Die Langheimer“, das seine Zusammenarbeit nach dem Ausstieg Kristiansens 1986 als Trio fortsetzte und zuletzt 2007 mit der Aktion „Einsame Meister - Teil II. Die Langheimer kopieren den Sonnenauf- und Sonnenuntergang der Moderne“ für Aufsehen sorgte. Zusätzlich zu seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit ist Robert Hartmann auch Vorsitzender des Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Hartmanns liebstes Ausdrucksmittel ist die Persiflage. Immer wieder zitiert er in seinen Arbeiten mal bissig, mal unterschwellig ironisch alte und neue Meister, spielt mit Stil- und Motivtraditionen. Symbolische Tiergestalten bevölkern seine Bildwelt und nehmen darin ungewohnte Plätze ein. Verknüpfungen mit Textfragmenten schaffen neue Bezüge. Der Bruch mit kunsthistorischen Konventionen rüttelt wach und erzwingt ein Um- und Überdenken, eine Auseinandersetzung mit dem Althergebrachten unter ganz neuen Gesichtspunkten. Dabei wirken Hartmanns Werke niemals streng und überfrachtet. Nie verlieren sie ihren Witz und ihre Leichtigkeit. Seine Aquarelle und Acrylbilder hinterlegt er häufig mit durchscheinenden, hellen Farben. Die Linienführung seiner Zeichnungen ist fein, doch gleichzeitig bestimmt.

Auch die plastische Arbeit „Hasentangente Ost-West“, Hartmanns Beitrag für den Kunstweg in Ratingen, ist verspielt aber hintersinnig. In einer Parkplatz-Einfahrt unter der South-Dakota-Brücke am Ratinger Stadionring begegnen dem Vorüberfahrenden oder -gehenden zwei Hasen. Auf einem massiven Betonsockel angeschraubt überragen ihre aus Eisen gesägten Silhouetten  überlebensgroß und mehr als mannshoch die umstehenden Wagen und den menschlichen Betrachter. Während der eine Hase mit Hemd, Hose und Wanderstock aufrecht vorüber spaziert, hat der andere den grün lackierten Jägerhut samt Gamsbart abgeworfen, um nach Hasenart davon zu springen –die Axt zwischen den Pfoten. Die Skulptur provoziert und irritiert, indem sie dem Menschen eine rebellische Natur vor Augen führt, die ihn nachäfft, ihn karikiert, erhobenen Hauptes an ihm vorüberzieht und dabei doch ganz offensichtlich von Menschenhand geschaffen ist: Beton und Eisen greifen die Baustoffe der umliegenden Verkehrsarchitektur auf, die Umrisse wirken abstrakt wie grob gestanzte Schattenrisse. Der Betrachter wird aufgefordert, sowohl seinen Umgang mit der ihn umgebenden Natur als auch das Verhältnis zu seinem eigenen Lebensraum kritisch zu hinterfragen, ohne dabei jedoch sein Lächeln zu verlieren.
                                                                                                                                   Ina Thiesies

 

Standort: Stadionring, an der South-Dakota-Brücke, 40878 Ratingen

 

 weblink: http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Hartmann_(Maler)


Weiterführende Literatur:

über Robert Hartmann:
Robert Hartmann - Der Einzige und sein Eigentum. 58 Arbeiten auf Papier zu Max Stirner,  hrsg. von Christoph Danelzik-Brüggemann, Ausst.-Kat., Museum Kunst Palast, Düsseldorf 2007.

Skulpturale Erscheinungen. Der Kunstweg in Ratingen, hrsg. vom Museum der Stadt Ratingen, Ratingen 2002.

Nicole Dünow: Der Hase trotzt der Blechlawine, In: Rheinische Post, 1. Mais 2002.
 über das Künstlerkollektiv „Die Langheimer“

Einsame Meister. Die Langheimer kopieren Meisterwerke der Moderne, hrsg. von Oliver Zybok, Ausst.-Kat., Städtisches Museum Leverkusen Schloss Morsbroich, Leverkusen 2000, Berlin 2000.

Die Kindheit der Langheimer. Robert Hartmann, Nils Kristiansen, Werner Reuber, Ulrike Zilly. Neu, sachlich, stählern, romantisch, hrsg. vom Allgemeinen Freundes- u. Förderkreis für Junge Kunst im Atelier Schloss Benrath e.V. (Enthüllungen und Forschen in der klaffenden Moderne 6), Köln 1986.

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