Als am Sonntagabend, 13. November, mit der Lesung von Günter Wallraff die vierte Auflage von „Voices" zu Ende ging, waren sich Zuschauer und Veranstalter einig: Das Festival der Stimmen bot auch 2011 eine faszinierende Vielfalt und rundum mitreißende, unterhaltsame Abende.
Schon der Auftakt der diesjährigen Veranstaltungsreihe riss die Zuschauer von den Sitzen. Am Donnerstag, den 10. November, eröffnete Jocelyn B. Smith mit Band das Festival im Ratinger Stadtheater. Dass sie als Ersatz für die erkrankte Sängerin Marla Glen einsprang, machte die gebürtige New Yorkerin schnell vergessen. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und einer imposanten Stil-Mischung aus Blues, Jazz, Gospel und Weltmusik eroberte sie die Herzen der zahlreichen Zuschauer. Beim furiosen Soul-Finale stand das Publikum applaudierend geschlossen auf - swingend und tanzend feierte es Jocelyn B. Smith und ihre dreiköpfige Begleitband.
Für einen weiteren Glanzpunkt sorgte tags darauf der Jazzchor Freiburg. Er trat unter der Leitung von Bertrand Gröger in der ausverkauften evangelischen Stadtkirche auf. Das Programm ging vielfach über den Jazz hinaus und bot afrikanische Klänge, Swing und Gospel - fast durchweg mit Gänsehautgarantie. Ein besonderes Merkmal war: Der Chor trug alle Stücke a cappella vor. Den mitreißenden Rhythmus erzeugten die Sängerinnen und Sänger dabei, indem sie den Schlagzeugsound selbst schufen. Die Zuschauer in den dicht besetzten Kirchenreihen waren von Beginn an gefesselt von den stimmgewaltigen Kompositionen und dankten es dem Chor mit lang anhaltendem Applaus.
Die „Vocal Night" am Samstag, den 12. November, präsentierte dem Publikum gleich drei Künstler unterschiedlicher Musikgenres. Den Beginn machte Rolf Zacher, der vielen wohl zunächst als Schauspieler in mehr als 200 Film- und TV-Auftritten bekannt war. Zacher stellte, begleitet von seinem Pianisten Martin Bechler, vorrangig Songs seines neuen Albums „Danebenleben" vor. Geschichten von der Straße und vor allem von der Liebe, der Wut und dem kompromisslosen Streben zur „Endstation Freiheit" - vorgetragen mit Zachers unvergleichlichen Reibeisenstimme, mal rau, mal sensibel. Dazu gesellten sich Klassiker von den Ramones, Johnny Cash und Louis Armstrong - stets gewürzt mit Anekdoten aus dem Leben des markanten Lebensmannes.
Anschließend betrat mit Lyambiko eine Frau die Bühne des Stadttheaters, die in diesem Jahr völlig zurecht mit dem „Echo Jazz" ausgezeichnet wurde. Schon mit den ersten Songs bewies sie ihr Können und riss das Publikum mit. Gemeinsam mit ihren Bandmitgliedern Marque Lowenthal (Piano), Robin Draganic (Bass) und Heinrich Koebberling (Schlagzeug) bildete sie ein homogenes Quartett, das mit einer Mischung aus Jazz, Swing, Soul und Pop brillierte. Bemerkenswert waren auch ihre Interpretationen von „Don't Let Me Be Misunderstood" und „I Put A Spell On You". Das Publikum verneigte sich vor Lyambikos Kunst mit großem Beifall.
Der abschließende Höhepunkt der „Vocal Night" war dann Lisa Doby aus South Carolina vorbehalten. Voller Temperament und mit einer Ausstrahlungskraft, der man sich nicht entziehen konnte und wollte, bot auch sie eine faszinierende musikalische Vielfalt. Rock und Soul mischten sich mit Gospel, Folk und Pop. Dabei konnte sich Lisa Doby auf die großartig musikalische Unterstützung ihrer Mitstreiter Yelli Eichert (Gitarre) und Bas Sluis (Cajon, Percussion) verlassen. Unter donnerndem Applaus und erst nach mehreren Zugaben verabschiedeten die Zuschauer die US-Amerikanerin. Sie hatte zahlreiche neue Fans gewonnen.
Zum Abschluss des Festivals besuchte einer der bedeutendsten deutschen Journalisten und Schriftsteller die Dumeklemmerstadt: Günter Wallraff. Er las aus seinem neuen Buch „Aus der schönen neuen Welt". Unterstützt von Filmausschnitten berichtete er von seinen Erfahrungen, die er - verkleidet und geschminkt als Farbiger - ein Jahr lang in Deutschland gesammelt hatte. Die Vorurteile und Schmähungen, die ihm dabei auf Ämtern, bei der Wohnungssuche oder beim Besuch eines Fußballspiels entgegen schlugen, wirkten erschreckend und aufrüttelnd zugleich. Wallraff selbst regte anschließend eine lebhafte Diskussion über das Miteinander in der Gesellschaft an. Für die Besucher stand am Ende des Abends fest, dass die Lesung ein wichtiger, anspruchsvoller Teil des diesjährigen „Voices"-Festivals war.
Im Rückblick auf die vierte Auflage des „Voices"-Festivals zeigten sich auch die Veranstalter sehr zufrieden. „Die hohe Qualität der Künstler war beeindruckend.", freute sich Andrea Töpfer, Leiterin des Amts für Kultur und Tourismus. Und Peter Baumgärtner von der Agentur Sensitive Colours, künstlerischer Leiter des „Voices"-Festivals, ergänzte: „Das Festival hat trotz der krankheitsbedingten Absagen von Marla Glen und Worldfly über alle Abende ein hohes Niveau bewiesen. Vor allem die musikalische Vielfalt der Künstler war überragend."