Jugendkulturjahr 2007

Vorwort des Bürgermeisters

Liebe Ratingerinnen und Ratinger!

Wie war es denn nun - das Jugendkulturjahr? Das können die Jugendlichen, die dabei waren, wohl am besten beurteilen. Das persönliche Resumée einer Tanzschülerin steht für viele: Mitreißend, völlig neu, Perspektiven eröffnend - so empfanden viele Jugendliche die Mitarbeit an den Projekten. Bei fast allen Veranstaltungen sprang der Funke der Begeisterung über - nicht nur bei den Mitwirkenden, sondern auch bei den Zuschauern. Wer sich die Szenen des Musicals „Joseph" oder die Gänsehaut, die die mitreißende Musik bei der Marktplatzserenade auslöste, ins Gedächtnis ruft, der erinnert sich sicher auch sofort daran, welch starkes Gefühl von „wir haben es gemeinsam geschafft" da von der Bühne in die Zuschauerränge schwappte.

Das Ratinger Jugendkulturjahr hat solch starke Erfahrungen möglich gemacht.Es hat vielen Jugendlichen die Chance gegeben zu erleben, wie erhebend es sein kann, sich zu engagieren, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten, gemeinsam das Ergebniss zu feiern, Spaß an der eigenen Leistung zu haben. Und das allein ist ein großer Erfolg. Von vielen Jugendlichen höre ich, dass sie in bei den Projekten „Blut geleckt" haben, dass sie weitermachen wollen, mehr Erfahrungen sammeln möchten. Das wollen wir Ihnen ermöglichen: Deshalb arbeiten wir daran, dass unter anderem Rockfestival und Beachparty wieder stattfinden können, ebenso wie Workshops für junge Filmemacher und Tänzer. Deshalb arbeiten wir daran, dass es auch nach 2007 weitergeht mit einer lebendigen Jugendkultur von Jugendlichen für Jugendliche.

Ich denke, wir können stolz auf das sein, was während des Jugendkulturjahres geleistet wurde, aber auch auf das, was während dieser zwölf Monate an Neuem in unserer Stadt angestoßen wurde. Bleibt mir noch, allen Mitwirkenden, den Organisatoren vor und hinter der Bühne für ihr Engagement und Durchhaltevermögen während dieses Jahres zu danken. Mein Dank geht natürlich auch an unsere Sponsoren und an die Schirmherrin des Jugendkulturjahres, Kerstin Griese.

Ihr Harald Birkenkamp

Jugendkultur – warum?

2007: ein Jahr der Erfahrungen, der Impulse, der Events, Ideen und Gefühle, ein Jahr, das Wirkung zeigen wird - auch in der Zukunft

Wie war das Jugendkulturjahr Ratingen? Zunächst einmal war es eine neue Erfahrung, oft auch ein Experiment - nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für seine erwachsenen „Macher". Denn die hatten das Ziel, die Forderung der modernen Kulturpädagogik nach einer Kultur von Jugendlichen für Jugendliche umzusetzen. Im Rückblick können alle Beteiligten stolz und zufrieden feststellen: Es ist uns voll und ganz gelungen, das Jugendkulturjahr war ein großer Erfolg. Doch in der Anfangsphase herrschte manche Unsicherheit, waren viele Fragen offen.

Wie erreicht man Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren? Wie kann man sie einbinden? Kann man dieser Altersgruppe, die es darauf anlegt, eigene Wege zu gehen, gerecht werden? Wie stellt man sicher, dass schräge Orte, coole, spontane und eigenwillige Veranstaltungen zustande kommen, die Jugendliche begeistern und die sich von der Belehrungskultur der Schule abheben? Wie viel Verantwortung kann man Jugendlichen übertragen, wie viel Veranstaltungserfahrung erwarten?
Die erwachsenen „Macher" nahmen die Herausforderung an, den jugendlichen Eigensinn mit einer  rwachsenenprofession in Einklang zu bringen. Sie boten Jugendlichen den Rahmen, der ihnen die Entwicklung ihrer eigenen kulturellen Ideen ermöglichte. Sie fragten nach ihren Vorlieben, begegneten ihnen auf gleicher Augenhöhe. Die Zusammenarbeit mit dem Jugendrat wurde intensiviert, Jugendliche über Lehrerkontakte, Schulhofaktionen (Trommeln), über SMS, die Homepage (rund 500.000 Zugriffe) und über Mund zu Mund-Propaganda angesprochen.

Was ist der Sinn von Jugendkultur? Vor allem bietet Jungendkultur Bühnen zur Selbstfindung in einer Lebensphase, in der es um die ganz persönlichen Fragen geht: „Wer bin ich? Wo will ich hin?" Es geht um Fragen des Selbstwerts, der Anerkennung, des Ausprobierens. „Wege zum Ich" zeigte der Tanz auf. Die Fotos von Tanzmoto oder dem Castingworkshop belegen, wie spannend diese Selbsterfahrung ist. Auch Kunst macht Selbstfindung möglich: zum Beispiel im Projekt „Mein Freund innen und außen" oder den Bildhauer-Workshops.

Ein zweiter wichtiger Aspekt von Jugendkultur: Sie bietet Jugendlichen Orientierung in der Welt. Das Theaterprojekt „Wie ein Schmetterling" war gelebter Geschichtsunterricht. Themen wie Rassismus, Toleranz und Zivilcourage wurden für Schauspieler und Publikum hautnah spürbar. Das Kabarettfestival der ZeltZeit stellte eine Gegenkultur zur Kulturindustrie der Popikonen und Topmodels dar. Auch Literatur ermöglicht Orientierung. Schräge Orte hatte sich der Jugendrat dafür gewünscht und beeindruckende Lesungen organisiert. „Ich knall euch ab" und „Happy Slapping" befassten sich mit dem wichtigen Thema Mobbing. „Space and Creation" regte musikalisch Fragen nach dem Ursprung des Lebens an. Mit Kulturveranstaltungen wie diesen entdeckten Jugendliche Kultur als einen Ort, an dem sie sich über ihre Werte, Ziele und Konflikte verständigen können.

Das Besondere an all diesen Kulturprojekten war, dass die Teilnehmer ein Thema ganzheitlich mit Herz und Verstand erfahren konnten. Sie kamen mit Themen wie Macht und Ohnmacht, Liebe und Aggression, Selbstwert und Verletzung in emotionalen Kontakt, ohne sich darin zu verlieren. Ein solches Kulturverständnis fragt nach einem sinnerfüllten Leben und fördert die Demokratiefähigkeit junger Menschen. Theater, Kabarett, Bildende Kunst und Musik sind Herzstücke und Impulsgeber einer Zivilgesellschaft.

Ein dritter wichtiger Aspekt von Jugendkultur ist die öffentliche Wirksamkeit - Jugendkultur wird Stadtgespräch. Das Musical „Joseph" mit seinen vielen Beteiligten war Stadtgespräch. Es hatte Bedeutung bei den Schulkameraden, den Eltern, in der Presse und sogar im Fernsehen, ebenso wie das Rockkonzert „Kultfaktor Schulhof", die Graffitis, die Marktplatzserenade oder die Beachparty.
Ganz neu: Jugend zog ins Museum ein. Schülerinnen präsentierten Mode der 50er Jahre, die Ratinger Rockgruppe Springfield brachte den Boden des Museums zum Beben. Jugendkultur war Stadtgespräch: Die Jugendlichen bereicherten das Kulturleben mit ihrem Eigensinn, ihrer Ausdruckkraft und Energie. Sie erfuhren: Ich bin ein Teil der lebendigen Kultur in dieser Stadt.

Was bleibt? Das Jugendkulturjahr ist vorbei, nun geht es darum, Fortsetzungen zu ermöglichen. Auf der Wunschliste der Jugendlichen auch für die Zukunft ganz oben: Tanz, neue Medien, Film und Literatur an schrägen Orten.
Die Politik ist in Sachen Nachhaltigkeit gefragt, wenn es um finanzielle Unterstützung geht - das gehört zur konkreten Seite von Nachhaltigkeit. Die andere Seite ist die innere Nachhaltigkeit, die bleibende Eindrücke und Erfahrungen bei allen Beteiligten umfasst. Besonders die jungen Akteure nehmen aus dem Jugendkulturjahr für sich mit, dass gemeinsame Anstrengung, Neugier, das Zusammenspiel im Team das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fördert. Eigensinn und Lampenfieber haben zu großartigen Ergebnissen geführt, an die alle sich noch lange gerne erinnern werden.

Allen Akteuren des Jugendkulturjahres sei herzlich gedankt, dem Jugendrat, den jungen AkteurInnen, den Projektleitungen und dem Lenkungsteam mit Marion Ramrath (Jugendamt), Paul Sevenich (Leiter der städtischen Musikschule Ratingen) und Peter Baumgärtner (Projektkoordinator).
2007 wurde klar: junge RatingerInnen haben gute Ideen und die Power, sie umzusetzen, wir unterstützen sie dabei.

Dirk Tratzig
(Kulturdezernent)

Dr. Inge Röhnelt
(Amtsleiterin, Projektleitung Jugendkulturjahr)

„Es war etwas ganz Besonderes für mich, dass ich das organisieren und auch wirklich alle meine Ideen durchbringen konnte."
(Franziska Perlick, Jugendrat)

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