Förderkreis Städtische Musikschule Ratingen e.V.

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Was macht ein Förderverein? Richtig, er fördert. So auch der Förderkreis der Städtischen Musik­schule Ratingen. Durch Mitgliederbeiträge, Samm­lungen und Spenden konnten in den ver­gangenen 25 Jahren zahlreiche Instrumente und Zubehör angeschafft, bedürftige Musik- ­­­schüler unterstützt sowie Zuschüsse zu Konzertreisen und Orchesterfahrten gezahlt werden – im Gesamtwert von mehr als 160.000 Euro. Diese Mittel sind zugleich auch Investitionen in die musikalische Zukunft der Kinder und Jugendlichen. Das wird in dem folgenden Interview mit Fabian Otten deutlich: Sein außer­ordentliches Talent und großer Fleiß, aber auch die vom Förderkreis finanzierte Anschaffung von Kesselpauken, Vibraphon und Marimbaphon für die Musikschule machten eine musikalische Laufbahn möglich, die ihn jetzt bis in die Hamburger Elbphilharmonie geführt hat.

Interview mit Fabian Otten, Schlagzeuger im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg

Sehr geehrter Herr Otten, wir möchten Menschen, die die Städtische Musikschule Ratingen besucht haben und die der Musik über Jahre treu geblieben sind, einmal in der Jahres­broschüre vorstellen. Unter diesem ­Tenor sind Sie ja geradezu prädestiniert, weil Sie nicht nur der Musik treu geblieben sind, sondern mit ihr großen Erfolg verbuchen können. Vielleicht kramen Sie doch mal in Ihrer Vergangenheit und erzählen uns, wie Sie überhaupt zur Musik und auch zur Städtischen Musikschule Ratingen gekommen sind. 

Es fing bei mir im Grunde schon im Kinderstuhl an, als ich wild auf allem klopfte und haute, was irgendwie Klang produzierte. Der eine oder ­andere Teller ging da schon kaputt. Irgendwann erkannten meine Eltern meine Vorliebe für Musik und ­Rhyth­men, sodass ich zunächst im Alter von sechs Jahren wie der große Bruder Klavierunterricht und dann mit sieben Jahren Schlag­zeugunterricht an der Städtischen Musikschule Ratingen bekam. Meinem damaligen Lehrer Peter Weiss habe ich somit alle Basics zu verdanken. Bei ihm konnte ich viel über musikalisches Spiel am Drum­set lernen, weit über den Notentext hinaus. Gerade als Schlagzeuger halte ich es für essenziell, in der Lage zu sein, mit musika­lischem Sinn und Verstand zu improvisieren. Das hat mir sehr geholfen und mich dazu bewegt, dran zu bleiben.

Wie lange waren Sie dann Schüler der Musikschule, welche Instrumente, welches Instrument war das, wofür sich Ihr Herz öffnete? Wie erklären Sie sich Ihre Entscheidung gerade für dieses Instrument? Was war stärker in ­Ihrem Inneren: der Kopf oder eher das Bauch­gefühl? Welche Rolle spielten Ihre Eltern?

Insgesamt war ich 12 Jahre an der Musikschule, das heißt bis zum Schlagzeugstudium. Da ich dem Klavier auch fast gleichermaßen treu geblieben bin, fing ich irgendwann an, mich zu fragen, ob es nicht ein Instrument gibt, das Rhythmen und Melodien miteinander verbindet. Gleichzeitig kam mir im Jahr 2007 das von der Musikschule initiierte Projekt „Joseph“ (Musi­cal von Andrew Lloyd Webber) zur Hilfe. Ich durfte den kompletten Percussion-Part übernehmen, mit Pauken, Xylophon, Glockenspiel und auch dem Marimba. Das Marimba hat mich besonders begeistert. Es wurde von der Musikschule extra für das Projekt angeschafft und erfordert eine Spielweise mit vier Schlägeln, die mir als Drumset-Spieler natürlich nicht ­bekannt war. Da ich vom Klavier mit der Notation gut vertraut war, nahm ich die Schlägel einfach irgendwie in die Hand und spielte den Part. Der warme hölzerne tiefe Sound der Klangplatten und die Möglichkeit, mit Schlagwerk Melodien zu spielen, haben mich sofort umgehauen, und ich wollte unbedingt lernen, wie man das richtig spielt und was alles darauf möglich ist.

Innerhalb der Musikschule wurde im Laufe der Jahre auch die Orchesterarbeit wichtiger und intensiver. Ein neuer Schlagzeug-Lehrer wurde eingestellt, der sich auf dem Gebiet der Mallet-Instrumente und dem Orchesterschlagwerk bestens auskennt. Ich hatte somit bei Benja­min Leuschner einen absolut niveauvollen und kompetenten Unterricht, der mir zum ersten Mal den Gedanken brachte, das Ganze beruf­lich zu machen. Durch viel technische und sehr musikalisch inspirative Arbeit, lernte ich genug, dass ich die Aufnahmeprüfungen in ­Düsseldorf, Köln und Hamburg bestand.

Meinen Eltern habe ich so ziemlich alles zu ­verdanken. Sie haben immer gesagt, dass sie hinter mir stehen und haben das auch wirklich immer getan – auch wenn ich mir durchaus vorstellen kann, dass es ab und zu nervenaufreibend gewesen sein muss, ständig Lärm im Haus zu haben.

Bei der Instrumentenwahl war es ganz intuitiv – vielleicht wollten meine Eltern aber auch nur ihr Porzellan aus der Schusslinie nehmen, ­weshalb ich zu Weihnachten mein erstes ­Drumset bekam. Bei der Berufswahl haben sie mich auch unterstützt – wir haben zusammen überlegt, wie die Zukunft aussehen kann, ­positive und negative Argumente abgewägt. Die Entscheidung haben sie dann komplett mir überlassen – aber nachdem sie gefällt war, mir den Traum eines eigenen Marimbas erfüllt, ohne welches ich garantiert nicht so weit gekommen wäre.

"Selfie" in der "Elphi" - die Elbphilharmonie ist einer von Fabian Ottens Arbeitsplätzen
"Selfie" in der "Elphi" - die Elbphilharmonie ist einer von Fabian Ottens Arbeitsplätzen

Dann kommt die leidige Frage nach dem Üben. Wie war das bei Ihnen?

In den letzten Schuljahren habe ich praktisch jede freie Minute für Musik in irgendeiner Form genutzt. Mit zwei Jazz-Combos, zwei ­Orchestern, zwei Rockbands, die alle wöchentlich probten, dazu noch der Unterricht und dann Gigs und Konzerte, war der Terminkalender schon ziemlich ausgelastet. Trotzdem konnte ich mich auch mal einen ganzen Nachmittag mit einem Marimba-Stück beschäfti­-gen. Wirklich konzentriert geübt habe ich im letzten Schuljahr circa vier Stunden und im Studium bis acht Stunden am Tag. Mehr macht der Kopf einfach nicht mit. Auch schon bei acht Stunden ist es schwierig, Körper und Geist zwischendurch genügend Ruhe und Erholung zu geben, dass das Üben keine kopf­lose Zeitverschwendung wird, sondern pro­duktiv bleibt. Natürlich gibt es auch Zeiten, wo man einfach keinen Bock hat und sich was Schöneres vorstellen kann, als sich jetzt an die Trommel zu setzen, aber je öfter man den Schweinehund besiegt, desto kleiner wird er.

Wie entwickelte sich dann im Laufe der Jahre Ihre Passion zu Ihrem Instrument? Welche Rolle spielten Lehrer oder Ensembles?

Je mehr ich mich mit den Instrumenten beschäftigt habe, desto mehr habe ich gemerkt, was man da rausholen kann, welche Klangfarben und Facetten z.B. in einer kleinen Trom­mel stecken. Und mit jeder noch so kleinen Entdeckung stieg und steigt noch heute meine Liebe zu dem Instrument.

Meine Lehrer waren für mich auch immer gleichzeitig Vorbild. Wenn ich im Unterricht etwas Neues entdeckt habe, habe ich mich zuhause sofort hingesetzt und so lange ausprobiert, bis es irgendwann geklappt hat. Sie haben mich inspiriert, gefordert und gefördert. Und das Schönste ist, finde ich, auch persönlich und charakterlich von den Lehrern zu lernen. So wird man diese prägende Zeit nie vergessen.

Dem Ratinger Blasorchester bin ich kurz nach seiner Gründung beigetreten, das war 2003. Hier habe ich erste Orchestererfahrung in Marsch-, Pop-, Film- und sinfonischer Blasmusik gesammelt, habe viel gelernt, hatte sehr viel Spaß auf den internationalen Konzertreisen und der gemeinsamen Zeit. Highlight war die Reise nach Vermillion, Ratingens Partnerstadt in den USA.

In der NuCombo habe ich mich am Jazz-Vibraphon ausprobiert. Das hat ebenfalls viel Spaß gemacht und ich habe viel über Harmonien und Skalen gelernt, was mir auch heute noch hilft, wenn ich z.B. neue Stücke auswendig lerne.

Wodurch kam Ihre Entscheidung, Musik zum Beruf zu machen? Oft heißt es doch: „Das, was man besonders gerne macht, soll Hobby bleiben“.

Ich habe schon als Kind davon geträumt, Schlagzeuger zu werden. Bis ich mir aber ernsthaft darüber Gedanken gemacht habe, hat es noch lange gedauert und bis ich es dann für mich wirklich entschieden habe, hatte ich noch zwei Jahre bis zu den Aufnahmeprüfungen. Ich finde halbe Sachen nicht gut, deshalb habe ich mir gedacht: ganz oder gar nicht. Und da ich sonst nichts anderes als ­Musik gemacht habe und ich mir kein Leben ohne Musik vorstellen konnte, geschweige denn, im Berufsleben z.B. den ganzen Tag vor dem PC zu sitzen, habe ich nie über eine Alternative nachgedacht. Ich hatte keinen „Plan B“.

Und nun ein Sprung in die Gegenwart. Beschreiben Sie einfach mal, was Sie heute machen, was Ihnen diese Arbeit abverlangt und was sie Ihnen gibt.

Ich bin seit August 2017 als Solo-Schlagzeuger im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg angestellt. Wir sind das Orchester der Staatsoper Hamburg, d.h. unsere Hauptaufgabe liegt in den Opern- und Ballettvorstellungen. Hier sitzt das Orchester vor/unter der Bühne im Orchestergraben. Pro Saison haben wir ­zusätzlich zehn Konzertprogramme, die in der Elbphilharmonie aufgeführt werden. Spannend ist, dass mit jedem Stück, jeder Oper, ­jedem Ballett andere Musik gespielt wird und ich als Schlagzeuger so eine große Instrumentenvielfalt habe, dass mir eigentlich nie langweilig werden kann. Mal verleihe ich der Musik militärischen Drill mit der Kleinen Trommel, mal bin ich der Subwoofer des Orchesters mit der Großen Trommel, mal schlage ich an den Höhepunkten die Doppelbecken zusammen, mal spiele ich weiche Melodien auf dem Glo­ckenspiel.

Was mich fasziniert, ist, wie viel Klang und ­Effekt man der Musik beisteuern kann, wie sehr sie sich dadurch verändert, wenn man im Schlagzeug etwas zaubert. Es ist wie beim ­Kochen: Wir Schlagzeuger würzen nur, aber die Kunst ist, es nicht fad werden zu lassen und nicht zu überwürzen.

Das, was Sie heute ausmacht, ist ganz ­wesentlich von der Musik und der Liebe dazu geprägt. Viele junge Menschen werden dieses Interview lesen. Was geben Sie aus Ihrer Erfahrung und der Tatsache des beachtlichen Erfolges den Schülern der Musikschule mit auf den Weg?

Ganz wichtig: Es ist möglich, sein Ziel zu erreichen! Man muss sich nur bewusst dafür entscheiden und dann alles dafür tun, auch wenn es hart ist und man anfängt zu zweifeln. Ich hatte früher einige Zweifel, dass ich zu spät den „professionellen“ Weg eingeschlagen ­habe – ich hab nur einmal bei „Jugend musiziert“ mitgespielt, war in keinem Landes- oder Bundesjugendorchester und habe am Schlagzeug mehr Rockmusik als Klassik gemacht. Aber durch diese Zweifel darf man sich nicht beeinflussen lassen. Es ist egal, wie früh oder spät man anfängt – man kann es aufholen. Hauptsache man hat Spaß an dem, was man tut und brennt dafür. Also das Ziel immer klar vor Augen halten und darauf hinarbeiten. Das hat mir zumindest geholfen.

Und auch wenn es nicht professionell werden soll, kann Musik ein tolles Hobby sein. Es lohnt sich immer, man kann viel von ihr lernen, auch allgemein aufs Leben übertragen. Und man kann sich in ihr verlieren und für kurze Zeit in einer anderen Welt verschwinden, wenn man mal eine Auszeit braucht.

Ganz herzlichen Dank

Eva Müskens (Vorsitzende des Förderkreises der Musikschule) stellte die Fragen

Wozu eigentlich ein Förderkreis für die Musikschule?

Seit 1991, also seit 25 Jahren gibt es den Förderkreis. Wir helfen, Gelder zu akquirieren, um der Schule und den Schülern über die städtischen Mittel hinaus Instrumente und Möglichkeiten zu beschaffen, die die Qualität der Ausbildung und den Spaß an der musikalischen Freud erhöhen. Eine aktuelle Liste der Anschaffungen finden Sie auf unserer Website.

Wir bezuschussen Veranstaltungen und Proben-/ Orchesterfahrten.

Wir unterstützen besonders begabte Schüler, deren Eltern diese finanzielle Aufgabe nicht allein stemmen können.

Wir richten Veranstaltungen und Wettbewerbe aus (gemeinsam mit der Musikschule und der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert).

Wir kooperieren mit der Landesvereinigung der Musikschulen NRW.

Wir vermitteln günstige Instrumentenversicherungen.

Vor allem aber möchten wir den Schülern und der Musikschule insgesamt das Ansehen in der Stadt verschaffen, das sie verdient haben. Und dazu brauchen wir alle Eltern und alle Unterstützer, die immer wieder miterleben dürfen, welche tollen Leistungen unsere Musikschüler vollbringen, als Solisten oder auch in einem der exzellenten Ensembles.

Schließen Sie sich uns an!

Schon für 15,- € / Jahr (natürlich gern auch mehr) gehören Sie einem Kreis angesehener Bürger der Stadt an, die sich für eine ebenso angesehene Institution einsetzen. Wenn Sie mehr wissen möchten, wenden Sie sich bitte an die Musikschulleitung oder an ein Vorstandsmitglied (Aushang im Eingang der Musikschule).

Förderkreis der Städtischen Musikschule Ratingen e.V. c/o Eva Müskens (1. Vorsitzende), Schillerstr. 2a, 40878 Ratingen, Telefon 02102 / 84 82 80

Spendenkonto: IBAN: DE48 3345 0000 0042 1022 77 · BIC: WELADED1VEL · Sparkasse Hilden·Ratingen·Velbert

Internet: www.foerderkreis-musikschule-ratingen.de

Geschäftsstelle

Städtische Musikschule Ratingen
Poststraße 23
40878 Ratingen
Telefax: 02102 550-9403
info@musikschule-ratingen.de

Auskünfte

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Telefon: 02102 550-4032

Frau Spindelndreier
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Musikschulleiter
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stellvertretende Musikschulleiterin

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