Zeit des Nationalsozialismus - Darstellung der Gemeindewappen

(von Erika Münster-Schröer)

Breitscheid, Eggerscheidt, Hösel, Homberg, Lintorf: Entstehung und Verwendung von Wappen in der Zeit des Nationalsozialismus

Breitscheid

Gemeindewappen Breitscheid - In Gold ein springendes schwarzes Pferd.

Ein Pferd sollte an ein Wildpferdgehege erinnern, von dem behauptet wurde, dieses habe es im 15. Jahrhundert in der Region gegeben. An dem heraldischen Entwurf störe nur "das auffallend rot zum Vorschein tretende Geschlechtsteil des Pferdes", hier wurde auf eine dezentere Darstellung gedrungen, die später auch umgesetzt wurde. Allerdings verzögerte sich die amtliche Genehmigung des Wappens dadurch erheblich.

Inhaltliche Erläuterung von Wolfgang Pagenstecher:
Die Gemeinde Breitscheid ist ein mit Wirkung vom 15. Mai 1930 im Zuge der kommunalen Neugliederung im Westen des Kreises neugebildetes Gemeindewesen und setzt sich zusammen aus dem Gemeindeteil Breitscheid der früheren Gemeinde Breitscheid-Selbeck und Teilen der Gemeinden Mintart (!), Laupendahl und Hösel. Sie liegt geographisch etwa im Mittelpunkt des Gebiets des großen Wildpferdgestüts, das erstmalig im Jahre 1431 erwähnt wird. Das Gebiet erstreckte sich von Überanger über die Heltorfer und Huckinger Mark bis Wahnheimerort (!) und Duisburg, am Raffelsberg vorbei über die Saarner Mark und Mintard über Hösel zur Eggerscheider Mark bis zur Anger, weiterhin zur Ratinger Mark an Tiefenbroich vorbei bis zur Überanger Mark. - In diesem Gebiet hausten bis zum Jahre 1814 große Herden von Wildpferden. Man sagt, daß der Ursprung dieser Pferde auf die Pferdescharen des Germanenstammes der Trenkterer zurückzuführen sei, der durch seine Pferde berühmt war, wie schon der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet. Im Jahre 1814 wurde wegen des durch Wildpferde verursachten grossen Schadens an den Kulturen das Gestüt aufgelöst. Die letzten Pferde - 260 Stück - wurden im Dezember 1814 eingefangen und verkauft. Sie brachten einen Erlös von 64.832 Francs. - Die Wildpferdzucht, für die Hondschaft charakteristisch, findet im Wappen der Gemeinde Breitscheid ihren Ausdruck: das Wappen zeigt in gold (gelb) ein springendes schwarzes Pferd.
Düsseldorf, im Mai 1938


Eggerscheidt

Gemeindewawppen Eggerscheidt - In Silber eine rote Egge, links oben eingefügt das Wappen der Herren vom Haus: in Rot ein silberner Querbalken, unter dem drei rechtsschräge silberne Leisten liegen.

Hier war zunächst eine Darstellung der Burg Gräfgenstein vorgesehen, jedoch wurde schließlich das Wappen der Herren vom Haus eingefügt, da diese im 15. Jahrhundert im Besitz von Gräfgenstein gewesen sein sollten. Die Egge sollte, in etymologischem Sinne, die Herkunft des Wortes "Eggerscheidt" erklären.

Inhaltliche Erläuterung von Wolfgang Pagenstecher:
Das Wappen der Gemeinde Eggerscheidt ist neu und redend, denn es zeigt in silbernem (weißem) Feld eine rote Egge, an der ein Scheit - landläufig Schwengel genannt - befestigt ist. Neben der Egge links oben schwebt ein rotes Schildchen mit drei silbernen (weißen) Schrägrechtsfäden, belegt mit einem silbernen (weißen) Balken. Dieses Schildchen ist das Wappen der Herren vom Haus, auch zum Haus genannt. - Der Name der Gemeinde Eggerscheidt - im Mittelalter Ecgirsceid, Ecgerscheide - findet sich erstmalig urkundlich im Jahre 1254. Die damalige Honschaft Eggerscheidt erstreckte sich westwärts längs der Lintorfer und Ratinger Mark und im Süden und Osten bis zur Bürgerschaft Ratingen und zum Homberger Gericht. Die Honschaft Eggerscheidt war dienstfrei. Der Zehnte wurde von den Besitzern des Hauses Gräfgenstein erhoben. Dieser Rittersitz - auch Girffkenstein, Grevenstein genannt - war im 15. Jahrhundert im Besitze der Herren vom Haus, hat aber dann nach dieser Zeit wiederholt den Besitzer gewechselt.
Düsseldorf, im Mai 1938


Hösel

Gemeindewappen Hösel - In Silber mit grünem Schildfuß eine goldene Ähre, ein rotes schreitendes Reh und ein Baum.

Hier konnte man sich erst nach längeren Beratungen auf eine Darstellung einigen.
Ein Eichhörnchen, auf einem Zweig sitzend, oder ein Fuchs zwischen zwei Zweigen standen hier zunächst zur Auswahl, aber sie galten den Gutachtern als gar zu schlicht, bis man sich auf die Motive "Ähre, Wald und Reh" einigte. Hier wurde jedoch von Seiten eines Gutachters angemerkt, dass die Ähre in der Darstellung auch hätte fehlen können, dann wäre das Bild geschlossener gewesen.

Inhaltliche Erläuterung von Wolfgang Pagenstecher:
Das Wappen der Gemeinde Hösel ist neu - der Name der Gemeinde Hösel ist entlehnt von dem Namen des Hofes Huessel - dem heutigen Unterhösel - dieser Hof, erstmalig i. J. 1218 erwähnt, gehörte damals dem Stifte Gerresheim. In deren Urkunden ist neben der Schreibweise Huessel auch Hoyselt, Huysilde und Heussel anzutreffen. Der Name scheint aus dem Keltischen zu stammen, nach dem mit "asselida" eine hochgelegene Siedlung bezeichnet wird. Damit ist auch die Lage des Ortes knapp und richtig bezeichnet. Hösel ist Luftkurort und wegen seiner gesunden Lage inmitten von prächtigem Hochwald, der mehr als ein Viertel der Gesamtfläche ausmacht - 236 von 864 ha - vielbesuchter Ausflugsort. Die Landwirtschaft war von je her die über-wiegende Erwerbsgrundlage der Einwohner, und sie ist auch heute noch von allen Be-wohnern am stärksten vertreten. - Das charakteristische Merkmal der Gemeinde, das Bauerntum und der Wald mit seinen Bewoh-nern, soll durch das Wappen: Ähre, Wald und Reh versinnbildlicht werden. Die Ähre steht an erster Stelle!
Düsseldorf, Juni 1938


Homberg-Meiersberg

Gemeindewappen Homberg-Meiersberg: In Silber mit grünem, unebenem Schildfuß ein schreitendes, rotes Pferd.

1937 wurde, ebenfalls von Wolfgang Pagenstecher geschaffen, ein Wappen für das Amt Hubbelrath entworfen, das heute für Homberg als "Stadtteilwappen" benutzt wird. Auf hügeligem Boden schreitet ein roter Hengst mit schwarzen Hufen daher. Der "hügelige Boden" soll etymologisch das "hubbelige" symbolisieren, das Pferd galt als "wichtigster Gehilfe des Bauern"

Inhaltliche Erläuterung:
Auch dieses Wappen wurde von Wolfgang Pagenstecher angefertigt und am 28.3.1938 dem Amt Hubbelrath verliehen. Das Pferd ist nicht als Sinnbild der von den Bauern des Amtes mit Erfolg betriebenen Pferdezucht, sondern als Helfer des Bauern und Ausdruck des rein ländlichen Gepräges des Amtes gedacht, das aus Dörfern und Gehöften besteht. Der "hubbelige" Boden, auf dem das Pferd schreitet, soll auf die hügelige Bodenbeschaffenheit des Amtes hinweisen, die dem Dorf Hubbelrath den Namen gegeben hat. Seine Keimzelle ist ein bereits im Jahr 950 beurkundeter Herrenhof.

Lintorf

Gemeindewappen Lintorf: In Gold auf grünem Schildfuß ein Baum (Linde), davor ein rotes Wasserrad.

Eine grüne Linde, aus der sich, etymologisch gesehen, der Name Lintorf erklärt, sowie ein rotes Wasserrad, das auf die Lintorfer Mühle anspielt, standen im Zentrum. Hier wurde von einem Gemeindeverordneten kritisch angemerkt, dass es nicht zu Verwechselungen mit dem "Zahnrad der deutschen Arbeitsfront" kommen dürfe. Dies sei bei der Darstellung zu beachten.

Inhaltliche Erläuterung von Wolfgang Pagenstecher:
Das Wappen der Gemeinde Lintorf zeigt in Gold auf grünem Boden eine stilisierte grüne Linde, deren Stamm umlegen ist mit einem roten Wasserrad. - Deutet die Linde auf den Namen, so das Mühlrad auf die Geschichte des Ortes, denn die Lintorfer Mühle, in der ehemaligen Honschaft Lintorf gelegen, war an die Kellnerei Angermund abgabepflichtig, während wiederum für die Einwohner von Lintorf und für diejenigen des halben Ortes Breitscheid "Mahlzwang" bestand, d. h. sie mußten ihr Getreide in der Lintorfer Mühle mahlen lassen. - Diese Mühle, mit der schon im Jahre 1157 das Geschlecht der Helpensteiner belehnt worden sein soll (jedenfalls sitzt 1420 einer dieses Namens dort), war ein sogenanntes "Sattelgut", das heißt, der Besitzer war verpflichtet, ein gesatteltes Roß mit Harnisch - unter letzterem ist ein gewappneter Reiter zu verstehen - zum Kriegsdienst zu stellen. Im übrigen war die Siedlung befestigt, noch heute sieht man Spuren der Gräben in den Vertiefungen der Gärten. Zur Besitzung gehörte auch "freier Taubenschlag". Noch steht der Taubenturm im Hofe als ein Wahrzeichen des ehemaligen Helpensteinguts aus alten Zeiten!
Düsseldorf, im November 1937


Ratingen- West und Tiefenbroich

Gemeindewappen Ratingen-West und Tiefenbroich: wei rechtsschräge, schwarze und blaue Wellenbalken, links oben in Rot ein silberner Baum, rechts unten in Silber ein schwarz-silbernes Hochhaus.

Inhaltliche Erläuterung:
Dieses Zeichen wurde niemals als offizielles Wappen im Sinne eines Hoheitszeichens eingeführt, sondern erst zur kommunalen Neugliederung 1975 von einem namentlich nicht bekannten Mitarbeiter der Stadtverwaltung entworfen. Der Baum steht für die waldreiche Umgebung Tiefenbroichs; das Hochhaus für die neuen Siedlungen in Ratingen-West. Dieses "Logo" wurde benutzt, um nach der kommunalen Neugliederung alle zu Ratingen gehörenden Orte durch Wappen gleichermaßen im Ratssaal bildlich repräsentieren zu können.

Zuständiges Amt

 

Ansprechpartner:
Erik Kleine Vennekate M.A.
Telefon 02102 550-4190
Heiko Knappstein
Telefon 02102 550-4191

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